50 Euro bei Verstoß

No immer kan Genierer? Jetzt wird in den Öffis gestraft!

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Rund ein Drittel weniger Beanstandungen, aber noch immer Tausende Verstöße. Die Wiener Linien ziehen die Schrauben an und wollen hartnäckige Öffi-Störenfriede nun verstärkt mit 50 Euro zur Kasse bitten.
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Essen in der U-Bahn, Telefonieren über den Lautsprecher, Hunde ohne Beißkorb oder E-Scooter während der Stoßzeiten - die Zeit der höflichen Ermahnungen ist jetzt offensichtlich vorbei. Die Wiener Linien schalten bei rücksichtslosen Fahrgästen jetzt einen Gang höher: Wer sich nicht an die Regeln hält, muss jetzt tatsächlich mit einer Strafe von 50 Euro rechnen. Unter dem Motto "Host no immer kan Genierer?!" startet deshalb die zweite Phase der Rücksichtskampagne. Nach dem humorvollen Appell im Frühjahr wird der Ton jetzt deutlich schärfer. "Bist für andere a Qual, dann zahl!", lautet die Botschaft.

Sima: "Schalten Strafen auf scharf"

Bei der Präsentation am Mittwoch zog Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) zunächst eine positive Bilanz. Im März wurden noch rund 12.000 Beanstandungen wegen Verstößen gegen die Hausordnung registriert. Im September waren es 8.898, im Oktober nur noch 8.283. Besonders häufig mussten Fahrgäste wegen Hunden ohne Maulkorb, Lärmens und Musizierens sowie Essens in der U-Bahn ermahnt werden. In allen drei Bereichen gingen die Beanstandungen laut Sima um rund ein Drittel zurück.

Monika Unterholzner, Ulli Sima und Alexandra Reinagl präsentieren mit Mitarbeitern der Wiener Linien die neuen Kampagnensujets. © TBauer

Trotzdem sieht die Stadträtin weiterhin Handlungsbedarf. "Wir schalten jetzt auch die Strafen auf scharf", erklärt Sima. Bisher hätten die Wiener Linien vor allem auf Aufklärung und Ermahnungen gesetzt. Nun sollen uneinsichtige Fahrgäste die finanziellen Konsequenzen schneller zu spüren bekommen. Die Strafe von 50 Euro ist allerdings nicht neu. Sie konnte bereits bisher verhängt werden, was aber nur in sehr wenigen Fällen geschah. Genau Zahlen wollten die Wiener Linien auf Nachfrage nicht nennen.

Wer uneinsichtig bleibt, muss zahlen

Dass künftig bei jedem Verstoß sofort gestraft wird, ist jedoch weiterhin nicht vorgesehen. Wie Wiener-Linien-Chefin Alexandra Reinagl erklärt, sollen Mitarbeiter die Fahrgäste weiterhin zunächst auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. Erst wenn jemand uneinsichtig bleibt, wird konsequent eine Strafe - oder wie Reinagl betont - eine "Mehrgebühr" verhängt. Dazu berechtigt sind die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sowie die Kontrollorgane. Das Servicepersonal kann auf Verstöße hinweisen, selbst aber keine Strafen ausstellen.

Freundliche Kontrollorgane achten auf die Einhaltung der Öffi-Regeln. © TBauer

Insgesamt sind rund 300 Mitarbeiter im Service- und Sicherheitsdienst im Einsatz. Reinagl sieht bereits eine Verbesserung im Verhalten der Fahrgäste. "Ich fahr auch viel, ich merke, es ist ruhiger geworden", sagte die Geschäftsführerin. Auch andere Fahrgäste würden zunehmend auf störendes Verhalten reagieren. Monika Unterholzner, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke, sieht auch die Fahrgäste in der Verantwortung. "Lebensqualität entsteht durch ein respektvolles Miteinander", betonte sie.

Auch der Umgangston bei Kontrollen war bei der Kampagnen-Präsentation ein Thema. Auf die Frage, ob Fahrgäste zunehmend aggressiv reagieren und es dabei zu Auseinandersetzungen oder sogar Übergriffen kommt, erklärte Reinagl, dass das Personal grundsätzlich respektvoll vorgehe. "Es kommt halt dann immer drauf an, wie die Reaktion ist." Stadträtin Ulli Sima ergänzt, dass es den meisten Fahrgästen unangenehm sei, vor den Augen anderer ermahnt zu werden. Viele würden deshalb rasch einlenken.

Durchsagen warnen vor Strafen

Ab Freitag sind die neuen Kampagnenplakate im gesamten Stadtgebiet zu sehen. Dazu kommen Beiträge in sozialen Medien, interaktive Quizze auf Infoscreens und eigene Stationsdurchsagen. Eine davon richtet sich direkt an Fahrgäste, die zu laut telefonieren. "Dein Telefonat ist vielleicht spannend, für die ganze U-Bahn aber eher nicht", heißt es. Anschließend folgt die Aufforderung, leiser zu sein, samt Hinweis auf die drohenden 50 Euro. Sima hofft, dass die deutlichere Gangart weitere Wirkung zeigt. Ihr Ziel sei es nicht, möglichst viele Strafen zu verhängen, sondern die Zahl der Verstöße weiter zu senken.