»Verräter«

ÖFB-Debütant Markovic sorgt für Serbien-Eklat

© GEPA
Vasilje Markovic sorgte mit seinem ÖFB-Debüt nicht nur in Österreich für Schlagzeilen. Auch in Serbien ist das 18-jährige Austria-Juwel plötzlich in aller Munde. Der serbische Verband wollte ihn offenbar unbedingt, doch Markovic entschied sich für Österreich. Besonders sein Instagram-Posting nach dem Debüt löste in seiner Heimat heftige Diskussionen aus.
Zur Vollversion des Artikels

Was für ein Abend für den Youngster! Beim 3:1-Heimsieg gegen Kosovo kam Markovic in der 68. Minute vor rund 47.000 Fans im Ernst-Happel-Stadion aufs Feld. Mit 18 Jahren, vier Monaten und 15 Tagen wurde er damit zum jüngsten Debütanten der Rangnick-Ära. Und als wäre das nicht schon besonders genug, trug er dabei die Nummer 7 von Marko Arnautović, Österreichs Rekord-Teamspieler und Rekordtorschütze. Eine große Ehre für den Austria-Jungstar.

Dass Markovic überhaupt so früh auf der großen rot-weiß-roten Bühne landete, kommt allerdings nicht von ungefähr. Er durchlief sämtliche ÖFB-Nachwuchsteams und wurde mit der U17 2025 in Doha Vize-Weltmeister. Das blieb auch in Serbien nicht unbemerkt. Der dortige Verband wollte das Talent für die "Orlovi" gewinnen. Laut serbischen Medien stand Ex-Teamspieler Ranko Stojić mit Markovic und dessen Eltern in Kontakt. Auch der aktuelle Teamchef Veljko Paunović soll sich um den Mittelfeldspieler bemüht haben.

Markovic aber hatte sich längst für Österreich entschieden. Nach seinem Debüt schwärmte er: "Es war unglaublich, wie voll das Stadion war. Dort zu Hause zu debütieren, war ein unglaubliches Gefühl." Und als es um die serbische Nationalmannschaft ging, machte er seine Position unmissverständlich klar: "Nein! Nicht wirklich. Alles ist geklärt."

Serbisches "I Am from Austria" sorgt für Zoff

Eigentlich hätte damit Ruhe einkehren können. Doch dann sorgte Markovic selbst für den nächsten Knalleffekt – auf Instagram. Er postete mehrere Bilder von seinem Debüt im ÖFB-Trikot, schrieb, dass er seit seiner Kindheit von diesem Moment geträumt habe, und dankte seiner Familie sowie Gott. Für Zündstoff sorgte dabei vor allem die Musik: Bora Dugićs "Običan balkanski dan" – für viele Serben emotional etwa das, was "I Am from Austria" von Rainhard Fendrich für viele Österreicher bedeutet.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die Kommentarspalte glühte. Einige User bezeichneten Markovic als "Janičar" – sinngemäß als Vorwurf, der eigenen Herkunft beziehungsweise dem eigenen Volk den Rücken zu kehren. Andere warfen ihm vor, mit der Musik bewusst zu provozieren. Ein User zog den Vergleich zu Haris Tabaković und Denis Muharemović, die außerhalb Bosniens geboren wurden und für Bosnien spielen. Ein anderer konterte, der bosnische Verband bemühe sich um solche Spieler, während der serbische Verband aus seiner Sicht von Politik und Korruption geprägt sei.

Nationenwechsel ist noch möglich

Und ganz endgültig ist sein Weg für Österreich ohnehin noch nicht besiegelt. Eine FIFA-Regel lässt unter bestimmten Voraussetzungen einen Verbandswechsel zu: Der Spieler muss beim letzten Einsatz unter 21 sein, darf höchstens drei A-Länderspiele absolviert haben und muss danach drei Jahre pausieren. Mit seinem vierten ÖFB-Einsatz wäre die Tür endgültig zu.

Genau diese Regel sorgt auch bei Marc Janko und Andreas Herzog für Kopfschütteln. Janko hinterfragt, warum es überhaupt vier Spiele brauche, Herzog meint: "Für mich ist das eine Regel, die nicht geht."

Sein ÖFB-Kapitel hat gerade erst begonnen

Während die FIFA also noch eine kleine Hintertür offenlässt, bekommt Markovic aus Österreich ordentlich Rückenwind. Patrick Wimmer, Nicolas Seiwald und Saša Kalajdžić gratulierten dem Youngster zum Debüt. Damit reiht er sich in eine Liste prominenter Spieler mit serbischen Wurzeln ein, die sich ebenfalls für Österreich entschieden haben – darunter Aleksandar Dragović, Zlatko Junuzović und Marko Arnautović.

Rechtlich bleibt die Tür nach Serbien noch einen Spalt offen. Markovic selbst hat sie offenbar längst zugeschlagen. Und Fußball-Österreich darf gespannt sein, welche Geschichten das Austria-Juwel im ÖFB-Trikot noch schreiben wird.