Insolvenz-Schock
Österreichischer Buchklub der Jugend meldet Konkurs an
Ein herber Schlag für die österreichische Leseförderung ist besiegelte Sache. Der traditionsreiche Österreichische Buchklub der Jugend ist insolvent und hat am Handelsgericht Wien ein Konkursverfahren eröffnen müssen.
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Die finanzielle Schieflage des Vereins hat drastische Auswirkungen auf Mitarbeiter und Gläubiger. Wie aus den offiziellen Kreditschützer-Daten des KSV1870 hervorgeht, steht der Verein vor einem massiven Schuldenberg, während eine Fortführung derzeit völlig in den Sternen steht.
Die wichtigsten Insolvenz-Fakten im Überblick:
- Betroffene Mitarbeiter: Elf Dienstnehmer des Vereins bangen derzeit um ihre Arbeitsplätze.
- Anzahl der Gläubiger: Insgesamt sind 23 Gläubiger von der Insolvenz direkt betroffen.
- Höhe der Passiva: Die Schulden des Vereins belaufen sich aktuell auf rund 186.000 Euro.
- Prüfungstagsatzung: Die wichtige Berichts- und Prüfungstagsatzung wurde am Handelsgericht Wien für den 19. Oktober anberaumt.
Als Hauptgründe für den unaufhaltsamen Niedergang nennt der Buchklub selbst einen massiven Rückgang bei den Mitglieder- und Abonnementzahlen. Zudem machten dem Verein rückläufige staatliche und private Förderungen schwer zu schaffen, was das finanzielle Überleben in den vergangenen Monaten unmöglich machte.
Dramatischer Hilferuf am Ballhausplatz blieb ungehört
Dabei kam die Insolvenz für Branchen-Insider keineswegs überraschend. Bereits im Frühjahr hatte der Verein mit drastischen Mitteln auf seine prekäre finanzielle Situation aufmerksam gemacht. Am 23. April – passenderweise dem Welttag des Buches – initiierte der Buchklub gemeinsam mit der IG Autorinnen Autoren und dem Österreichischen Schriftsteller/innen-Verband eine Kunstaktion am Wiener Ballhausplatz.
Unter dem Motto "Laut für das Lesen" forderten die Aktivisten vehement finanzielle Unterstützung von der Politik. Konkret verlangte der Verein eine zusätzliche Basisfinanzierung in der Höhe von 300.000 Euro, um die laufenden Kosten decken und die wertvolle Arbeit in den Klassenzimmern fortführen zu können. Dieser Hilferuf verhallte jedoch ohne das gewünschte finanzielle Ergebnis.
Ungewisse Zukunft: Droht dem Verein das endgültige Aus?
Wie es nun mit dem Verein und der Leseförderung in Österreich weitergeht, ist völlig unklar. Eine Sanierung ist derzeit nicht in Sicht. Alexander Greifeneder vom KSV1870 ordnet die aktuelle Lage wie folgt ein: "Derzeit liegen uns keine Informationen über eine geplante Sanierung des Unternehmens vor. Die Insolvenzverwalterin wird nunmehr zu prüfen haben, ob ein zumindest vorläufiger Fortbetrieb des Unternehmens möglich ist oder die Schließung des Unternehmens zu veranlassen ist."
Der Verlust des Buchklubs wäre für das österreichische Bildungssystem ein schwerer Rückschlag. Nach eigenen Angaben erreichte der Verein jährlich rund 400.000 Kinder und Jugendliche, um Literatur direkt in die Schulklassen zu bringen. Der Buchklub bot Lehrkräften und Eltern Orientierung in einem unübersichtlichen Markt von jährlich rund 7.500 Kinder- und Jugendbuch-Neuerscheinungen. Besonders dramatisch: Durch die Pleite drohen niederschwellige Angebote für jene Kinder wegzubrechen, die ohnehin nur schweren Zugang zum Lesen finden.