Rekord-Dividende

OnlyFans-Besitzer erhielt vor Tod 700 Mio. Dollar

© Getty
Der verstorbene Eigentümer der Social-Media- und Erotikplattform OnlyFans, Leonid Radvinsky, hat kurz vor seinem Krebstod Dividenden in Rekordhöhe erhalten.
Zur Vollversion des Artikels

Wie aus dem aktuellen Jahresbericht der britischen Muttergesellschaft Fenix International Ltd hervorgeht, verzeichnete das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen massiven Gewinnsprung.

Der Gewinn vor Steuern kletterte auf beeindruckende 714 Millionen Dollar (rund 513 Millionen Pfund). Dies entspricht einer Steigerung von fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2024, berichtet BBC.

Die OnlyFans-Plattform, die neben Fitness- und Kochvideos vor allem für explizite Erotikinhalte bekannt ist, hat damit ihre Stellung als absolute Cashcow der digitalen Unterhaltungsindustrie untermauert.

Boom während Corona-Pandemie

Leonid Radvinsky, der in der Ukraine geboren wurde und in den USA aufwuchs, hatte die Plattform im Jahr 2018 von den britischen Gründern erworben. Unter seiner Führung erlebte die Seite insbesondere während der weltweiten Corona-Pandemie einen beispiellosen Boom, der ihn nur drei Jahre später auf die renommierte Forbes-Milliardärsliste brachte. Nach seinem Tod am 23. März ging das Unternehmen nun in den Besitz seiner Witwe Yekaterina "Katie" Chudnovsky über.

Extrem hohe Profitabilität mit minimalem Personal

Ein besonders bemerkenswerter Aspekt des Geschäftsmodells von OnlyFans ist die extrem schlanke Struktur des Unternehmens. Fenix International beschäftigt weltweit gerade einmal 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein derart hohes Gewinnniveau bei einer so geringen Belegschaft ist in der Wirtschaftswelt eine absolute Seltenheit.

Zum Vergleich: Der britische Einzelhandelsriese Marks and Spencer erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Gewinn von rund 671 Millionen Pfund, benötigt dafür jedoch eine Belegschaft von mehr als 65.000 Angestellten.

OnlyFans finanziert sich durch eine prozentuale Beteiligung an sämtlichen Umsätzen auf der Plattform. Das Prinzip ist simpel, aber hocheffektiv:

  • Die Plattform behält einen Anteil von exakt 20 Prozent aller Zahlungen ein, die von Abonnenten an die Ersteller von Inhalten fließen.
  • Im Jahr 2025 verzeichnete OnlyFans bereits rund 132 Millionen zahlende Abonnentinnen und Abonnenten.
  • Gleichzeitig waren im selben Zeitraum etwa 2,5 Millionen aktive Creator auf der Plattform tätig, um Content anzubieten.

Die Schattenseiten des OnlyFans-Booms

Mit dem rasanten Wachstum und dem finanziellen Erfolg ging jedoch auch eine zunehmend scharfe Beobachtung durch Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden einher. Erst kürzlich deckte eine Dokumentation des britischen Senders BBC schwerwiegende Missstände auf. In dem Bericht wurden Vorwürfe von Ausbeutung, Nötigung und Gewalt gegen OnlyFans-Schöpfer laut. Zudem leitete die britische Medienaufsicht Ofcom im Jahr 2024 eine Untersuchung ein, um zu prüfen, ob Minderjährige Zugang zu pornografischen Inhalten auf der Seite hatten.

Obwohl die Ofcom dieses Verfahren letztlich einstellte, wurde das Unternehmen zu einer empfindlichen Geldstrafe von rund einer Million Pfund verurteilt. Der Grund dafür war, dass OnlyFans nicht präzise genug auf Informationsanfragen bezüglich der Altersverifizierungsmaßnahmen reagiert hatte. Offiziell ist die Nutzung der Plattform erst ab 18 Jahren gestattet. Das Unternehmen selbst machte für die Unstimmigkeiten technische Probleme verantwortlich.

Milliarden-Zahlungen an die Creator

Trotz der anhaltenden Kritik verteidigt die Konzernführung das Geschäftsmodell vehement. Geschäftsführerin Keily Blair betonte am Dienstag, dass das Unternehmen seit seiner Gründung vor einem Jahrzehnt bereits mehr als 30 Milliarden Dollar an die Creator ausgezahlt habe. OnlyFans biete echten Menschen reale Chancen, indem es einen sicheren, regulierten Raum schaffe, in dem sie ihre Inhalte vor einer weltweiten Fangemeinde monetarisieren können. Zudem leiste das in Großbritannien ansässige Unternehmen einen bedeutenden Beitrag zur britischen Wirtschaft und habe seit 2016 mehr als 600 Millionen Pfund an Körperschaftssteuern abgeführt.

Gleichzeitig warnen erfahrene Ersteller von Inhalten jedoch vor falschen Erwartungen. Viele von ihnen haben die weit verbreitete Erzählung entkräftet, dass das Erstellen von expliziten Videos auf der Plattform eine schnelle Methode sei, um mühelos reich zu werden. Der Erfolg erfordere oft harte Arbeit, ständige Interaktion und berge erhebliche persönliche Risiken.