Bedrohung im All

Pentagon warnt vor Putins Weltraum-Atomwaffe

© APA/AFP/POOL/PAVEL BEDNYAKOV
Ein neuer Bericht des US-Militärgeheimdienstes DIA schlägt Alarm: Russland entwickelt offenbar eine Nuklearwaffe für den Weltraum. Eine Detonation im Orbit könnte Tausende zivile und militärische Satelliten auf einen Schlag ausschalten.
Zur Vollversion des Artikels

Die Vereinigten Staaten warnen vor einer dramatischen militärischen Aufrüstung Russlands im Weltall. Nach aktuellen Erkenntnissen des US-Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency (DIA) arbeitet Moskau an einem weltraumgestützten System, das mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden kann. Der jüngste Bericht der Behörde unterstreicht, dass eine derartige Waffe verheerende globale Folgen nach sich ziehen und die weltweite Satelliteninfrastruktur schlagartig lahmlegen könnte.

In dem offiziellen Dokument der DIA heißt es unmissverständlich: "Russland entwickelt einen Satelliten, der für den Transport einer Nuklearwaffe konzipiert ist, ungeachtet seiner Verpflichtung zur Einhaltung des Weltraumvertrags von 1967, der die Platzierung von Objekten mit Atomwaffen oder anderen Massenvernichtungswaffen in der Erdumlaufbahn untersagt. Eine weltraumgestützte Fähigkeit wie diese könnte den raschen und plötzlichen Verlust oder die Beeinträchtigung von Tausenden Satelliten verursachen, die von Staaten und Unternehmen weltweit betrieben werden, sowie der lebenswichtigen Kommunikations-, Navigations-, Wissenschafts-, Meteorologie-, Wirtschafts- und Sicherheitsdienste, die sie bereitstellen."

Experten sind sich noch uneins über das genaue Einsatzszenario: Die Waffe könnte entweder dauerhaft als Lauer-Satellit im Erdorbit kreisen oder direkt von bodengestützten Abschussrampen ins All gefeuert werden.

Elektromagnetischer Impuls und jahrelange Strahlungsgürtel

Die physikalischen Auswirkungen einer atomaren Detonation im All wären fatal. Die Explosion würde einen gewaltigen elektromagnetischen Impuls (EMP) freisetzen, der elektronische Systeme von Satelliten noch über hunderte Kilometer hinweg zerstört.

Hinzu kommt eine anhaltende Verseuchung des erdnahen Raumes: "Über die unmittelbaren Auswirkungen hinaus würde eine nukleare Detonation im Weltraum auch anhaltende Strahlungsgürtel hinterlassen, die über Jahre hinweg fortbestehen und Satelliten beschädigen könnten, die zunächst nur vorübergehend gestört waren."

Ein solcher Totalausfall hätte gravierende wirtschaftliche Folgen: Allein in Großbritannien hängen rund 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – etwa 454 Milliarden Pfund – direkt von satellitengestützten Diensten wie Banktransaktionen, Wetterdaten und Logistikketten ab.

Putin droht dem Westen mit Eskalation

Die Enthüllungen fallen zeitlich mit verschärften Drohungen aus dem Kreml zusammen. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte bei einer Pressekonferenz in Moskau mit Blick auf Warnungen vor einem möglichen Krieg: "Viele Leute reden davon, sich auf einen Krieg bis 2030 vorzubereiten. Ist das richtig oder falsch? Zunächst einmal: Wir sind bereit, aber wir wollen keinen Krieg mit Europa. Was sie betrifft: Wenn das jemand will, sollen sie sich vorbereiten. Aber sie haben ihr Ziel, Russland eine strategische Niederlage beizubringen, nicht erreicht. Es ist unwahrscheinlich, dass dies bis 2030 möglich sein wird. Und wenn die Dinge zu weit gehen, wird es überhaupt keine Gewinner geben. Das sollte niemand vergessen."

Sabotage-Aktionen und Reaktionen der westlichen Militärs

Militärexperten registrieren bereits seit Monaten feindselige Manöver im Weltraum. Paul Godfrey, früherer Leiter des britischen Space Command und heutiger stellvertretender Chef für Weltraumoperationen im Pentagon, berichtete von einem Vorfall, bei dem ein russischer Satellit beinahe einen US-Aufklärungssatelliten für die Ukraine gerammt hätte. Als primäres Ziel für Störungen gilt das europäische Galileo-Navigationsnetzwerk.

Auch Sir Harv Smyth, Chef der britischen Luftwaffe (RAF), warnte auf der Konferenz "Space and Power" in London vor einer beispiellosen Bedrohung: "Täuschen Sie sich nicht: Die Satellitendienste, die Sie für selbstverständlich gehalten haben, stehen nun vor einer beispiellosen Bedrohung."

Russland störte mehrmals GPS-Signale über Europa, Grönland und Kanada

Smyth berichtete von verdächtigen Manövern im Mai, bei denen sich fünf russische Militärsatelliten zwei finnischen Satelliten bedrohlich näherten. Zudem störte Moskau an mindestens 75 Tagen seit 2019 GPS-Signale über Europa, Grönland und Kanada.

Als Reaktion darauf haben die USA bereits eigene Abwehrwaffen im Orbit stationiert – ein Schritt, den China prompt als Beginn eines neuen Wettrüstens kritisierte. Großbritannien wiederum stellte mit der "No 3 Space Effects Squadron" eine neue Spezialeinheit auf. Diese nutzt bodengestützte Störsender, um feindliche Spionagesatelliten vorübergehend zu blenden. Eigene Waffen im All lehnt London bisher als rücksichtslos ab.