Direktoren

Pigs-ORF-Team im Porträt

© APA/MAX SLOVENCIK
Am kommenden Dienstag wird sich der Stiftungsrat mit den Vorschlägen des neu gewählten ORF-Generaldirektors Clemens Pig für seine Führungsriege befassen.
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Das 13-köpfige Wunschteam des ab 1. Jänner 2027 amtierenden Chefs des öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens ist bereits bekannt. Sechs Personen sollen in ihren Funktionen wiederbestellt werden, sieben neue Namen sind dabei. Das Geschlechterverhältnis beträgt fünf Frauen und acht Männer. Im Folgenden Kurzporträts.

Harald Kräuter, Direktor für Technologie und Innovation:

Harald Kräuter wurde am 7. Juni 1970 in Kärnten geboren. Der gelernte Nachrichtentechniker, der später auf dem Gebiet der Kommunikationswissenschaft dissertierte, begann bereits 1990 als Tonmeister im ORF-Funkhaus, 1999 wurde er technischer Leiter des Landesstudios Niederösterreich. Ab 2002 war er Chef des Facility Managements, ab 2007 Leiter des Investitionsmanagements und schließlich Vize in der technischen ORF-Direktion, für die er sich 2011 erfolglos bewarb. Zwei Jahre später übernahm Kräuter die ORF-Gebührentochter GIS - in Zeiten vor Einführung der Haushaltsabgabe zuständig für die Einhebung der gerätegekoppelten Rundfunkgebühr.

Unter ORF-Chef Roland Weißmann wurde er zum Direktor für Technik und Digitalisierung bestellt. Clemens Pig will Kräuter weiter in dieser Funktion sehen - wobei das Aufgabengebiet künftig als "Technologie und Innovation" ausgewiesen wird.

Michael Krön, Direktor für Programm und Brands:

Michael Krön, Jahrgang 1972, ist fast schon sein halbes Leben für den ORF tätig. 2000 dockte er beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk an, wo er zunächst als Produzent in der Programmwirtschaft des ORF-Sports tätig war. Zwischen 2007 und 2010 war er programmwirtschaftlicher Leiter der ORF-Information, danach führte er zwei Jahre lang die Abteilung Bildung und Zeitgeschehen. 2012 wurde er Leiter von Programmentwicklung und Qualitätsmanagement der Bereiche Information, Dokumentation, Sport und Kultur, sechs Jahre später übernahm er die Finanzen der ORF-Programmdirektion.

Als Roland Weißmann 2022 ORF-Generaldirektor wurde, trat Krön in dessen Fußstapfen. Er übernahm die Funktion des ORF-Chefproducers, die zuvor Weißmann innehatte. Damit war Krön auch Herr über ein jährliches Programmbudget von mehreren Hundert Millionen Euro. Erstmals ins Rampenlicht trat Krön im heurigen Jahr im Zuge des Eurovision Song Contest in der Host-City Wien. Als Executive Producer stemmte er das Megaevent als eine Art Gesamtprojektleiter und machte dabei durchaus gute Figur. Unter Clemens Pig soll Krön nun zum Direktor für Programm und Brands aufsteigen.

Silvia Lieb, Direktorin für Finanzen und Verwaltung:

Die Tirolerin Silvia Lieb (55) studierte Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck und arbeitete nach ihrem Abschluss zunächst im Produkt- und Vertriebsmanagement in einem Tiroler Medizintechnik-Unternehmen. Ihre Karriere in der Moser Holding begann 1998 als Assistentin der Geschäftsleitung, bald stieg sie zur Geschäftsführerin des Radiobereichs der Holding auf und verantwortete u.a. den Aufbau des Funkhaus Tirol.

2001 übernahm sie die Geschäftsführung der Bezirksblätter Tirol, im Jahr darauf wurde sie zusätzlich zur Personalleiterin und kaufmännischen Leiterin des Unternehmens. In dessen Vorstand wurde sie 2004 berufen, zu dessen Vorsitzenden 2024 ernannt. Darüber hinaus fungiert Lieb als Präsidiumsmitglied des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Vizepräsidentin der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) und Vorsitzende des Vereins der Tiroler Journalismusakademie. Nach dem Verkauf der Moser Holding an die Russ Media und dem Auslaufen ihres Vertrags mit Ende des Jahres soll sie nun als Direktorin für Finanzen und Verwaltung in den ORF wechseln.

Angelika Simma-Wallinger, Direktorin für Audience und Plattformen:

Die Journalistin und Medienmanagerin Angelika Simma-Wallinger (Jahrgang 1974) wurde in Innsbruck geboren und studierte nach ihrer Matura in Dornbirn Publizistik und Politikwissenschaften in Wien sowie Kommunikation an der Donauuniversität Krems. Beim ORF arbeitet sie ab 1999 u.a. als Redakteurin für Ö3, verantwortete das Konsumentenmagazin "konkret" auf ORF 2 und konzipierte das Diskussionsformat "contra | der talk" in ORF eins.

Nach ihrer Tätigkeit als Büroleiterin in der Fernsehdirektion ab 2012 wechselte sie 2015 als Kommunikationschefin zur Caritas. Von 2019 bis 2022 unterrichtete sie an der FH Vorarlberg und kehrte im Herbst 2022 wieder zurück in den ORF, wo sie derzeit als Chefredakteurin im Landesstudio Vorarlberg wirkt und die redaktionelle Leitung von Nachrichten und Programm für TV, Radio, Online und Social Media innehat. Sie soll nun Direktorin für Audience und Plattformen werden.

Edgar Weinzettl, Landesstudio Wien:

Edgar Weinzettl wurde am 9. November 1965 in St. Pölten geboren. Er studierte Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie und arbeitete bei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen. Seine ORF-Karriere startete 1996 bei Radio Wien. 1998 wurde Weinzettl stellvertretender Leiter der Magazin-Redaktion von Radio Wien, 1999 stellvertretender Sendungsverantwortlicher von "Wien heute". Im Jahr 2000 wechselte er als stellvertretender Leiter in die Wortredaktion des Regionalradios, deren Leitung er 2002 übernahm. Im selben Jahr wurde er stellvertretender Chefredakteur des Landesstudios Wien.

2012 stieg er zum Ressortleiter der Radio-Innenpolitik auf, was damals für heftige Aufregung am Küniglberg sorgte - u.a. deshalb, da er als "parteipolitisch gewünschter Kandidat" der SPÖ galt. Weinzettl wies dies stets zurück, Kritik an seiner Arbeit als Innenpolitikchef gab es danach nicht. Roland Weißmann bestellte Weinzettl dann per Anfang 2022 zum Wiener Landesdirektor. Pig will den 60-Jährigen nun für eine weitere Periode ab 2027 verlängern.

Alexander Hofer, Landesstudio Niederösterreich:

Alexander Hofer ist seit April 2023 Landesdirektor des ORF Niederösterreich. 1992 begann er als Redakteur im Aktuellen Dienst des Landesstudios. Von 1999 bis 2007 war er als Außenstellenmoderator, Redakteur und Wetter-Präsentator der Vorabendsendung "Willkommen Österreich" tätig. Anschließend übernahm er die Redaktionsleitung der Gesellschaftsmagazine und die Sendeleitung von "Seitenblicke".

2018 wurde er zum Channelmanager von ORF 2 ernannt. Ab 2014 war Hofer als stellvertretender Unterhaltungschef aktiv, von 2015 bis 2018 als Projektleiter für "Guten Morgen Österreich" verantwortlich. 2019 übernahm er die Funktion des ORF-Unterhaltungschefs. Der 54-Jährige ist Vater von zwei Söhnen.

Klaus Obereder, Landesstudio Oberösterreich:

Klaus Obereder wurde am 1. Juli 1967 in Linz geboren. Er studierte mehrere Jahre Rechtswissenschaften, wechselte aber ohne Abschluss in den Journalismus. 1989 begann er als freier Mitarbeiter im ORF-Landesstudio in Linz und arbeitete zunächst im Radio und später auch im Fernsehen. 1993 wurde er als Redakteur im ORF angestellt. Seitdem agierte er in Oberösterreich regelmäßig als Chef vom Dienst in Radio und Fernsehen sowie als Sendungsplaner, wobei er seine Schwerpunkte in Politik und Wirtschaft hatte.

Dem Fernsehpublikum wurde er als Moderator der Sendung "OÖ heute" bekannt. Im Mai 2021 stieg er vom stellvertretenden Chefredakteur zum Chefredakteur auf, am 16. September wurde er dann Landesdirektor für Oberösterreich. Für den 59-Jährigen beginnt jetzt die zweite Amtsperiode.

Werner Herics, Landesstudio Burgenland:

Der burgenländische Landesdirektor Werner Herics geht in die Verlängerung, er wurde erstmals 2016 zum Direktor des Landesstudios bestellt und bereits 2021 in dieser Funktion bestätigt. Herics wurde 1965 in Oberwart geboren, arbeitete nach dem Studium der Geschichte und der Geografie zunächst für den ORF im Landesstudio Burgenland und später als Moderator und Regisseur bei Ö1. Von 1997 bis 1999 leitete er das ORF-Korrespondentenbüro in Belgrad. Ab 2000 war er Koordinator der Beratungs- und Ausbildungsprogramme der OSZE für Medien im Kosovo sowie als OSZE-Delegierter im Kosovo und in Mazedonien tätig.

2001 ging er zurück zum ORF, wo er bis 2006 unter anderem stellvertretender Ö1-Info-Chef war. 2007 bis 2010 war Herics Geschäftsführer aller Verlagsbeteiligungen der WAZ in Serbien und danach Vorstand der RMA in Wien. 2013 kehrte er abermals in den ORF zurück, wo er mit der Organisation des zukünftigen Medienstandortes ORF befasst war, bevor er 2016 Direktor des Landesstudios wurde. Seine Freizeit verbringt der Landesdirektor gerne am Golfplatz und auf Reisen. Er genießt auch Musik und Literatur. Wohnhaft ist Herics in Wien und bzw. am Nebenwohnsitz im Südburgenland.

Gerd Schneider, Landesstudio Salzburg:

Neuer Landesdirektor in Salzburg soll Gerd Schneider, bisher Chefredakteur des ORF Salzburg, werden. Für den 62-Jährigen dürfte das als fast logischer Schritt in einer Karriere scheinen, die vor 38 Jahren mit einem Praktikum im ORF begann. Zwar folgt mit ihm kein Mann oder keine Frau mit frischem Blick von außen, doch kaum jemand kennt wohl das Landesstudio so gut wie er: Der gebürtige Oberösterreicher, Sohn eines Zeitungsjournalisten, wuchs in Salzburg auf und blieb nach einem Studium der Publizistik und Sportwissenschaften dem ORF Salzburg während seines gesamten Berufslebens treu.

Nach dem Praktikum 1988 arbeitete Schneider zunächst als freier Mitarbeiter, bevor er als Redakteur fest angestellt wurde. 2012 übernahm er die Chefredaktion und verantwortet seither die gesamte Information in TV, Radio und online. Gleichzeitig wurde er stellvertretender Landesdirektor. Einem breiterem Publikum ist Scheider wegen seiner regelmäßig veröffentlichten politische Analysen auf ORF Salzburg bekannt. Sein Vertrag ist dem Vernehmen nach nur bis zu seinem Pensionsalter befristet. Damit hätte auch mit ihm kein Landesdirektor oder keine Landesdirektorin in Salzburg seit 2002 länger als eine Amtszeit gedient.

Sigrid Hroch, Landesstudio Steiermark:

Die bisherige Programmchefin von Radio Steiermark des ORF, Sigrid Hroch, ist ein klassischer ORF-"Eigenbau". Die am 17. Dezember 1966 im obersteirischen Leoben Geborene bewarb sich Ende der 1980er auf einen Aufruf hin für die ORF-Lehrredaktion - und wurde genommen. Seit gut 40 Jahren beim Landesstudio tätig, hat die Mutter zweier Söhne fast alle Redaktionsbereiche durchlaufen. Seit 1990 angestellt, erlebte sie 1991 zu Beginn der jugoslawischen Unabhängigkeitskriege eine Feuertaufe. Hroch berichtete von beiden Seiten der Grenze, ihre Aufsager-Position über dem Grenzübergang Spielfeld war quasi Anlaufstelle für Journalisten.

Hroch arbeitete als Reporterin, Moderatorin, Beitragsgestalterin in Radio und TV und zuletzt als Programmchefin. Ihre unaufgeregte und freundliche Art und ihre Kompetenz spielt sie auch als Präsidentin des Steirischen Presseclubs aus. Ihre in einem CV von ihr selbst genannte "größte Schwäche", ein "aufbrausendes Temperament", war bisher in der Öffentlichkeit nicht wahrnehmbar. Privat liebt sie Reisen in europäische romanischsprachige Länder, Bücher und Filmklassiker wie "Es war einmal in Amerika". Ihre ausgeprägte Vorliebe für Musik und die hiesige Musikszene floss auch in ihre Programmgestaltung ein.

Martin Weberhofer, Landesstudio Kärnten:

Martin Weberhofer soll der nächste Direktor des ORF-Landesstudios Kärnten werden. Der 53-jährige St. Veiter folgt damit auf Karin Bernhard, die diesen Posten seit dem Jahr 2012 innehat und nun in Pension geht. Weberhofer ist seit 2007 Programmchef von Radio Kärnten, womit er für sämtliche Programmflächen des Radios verantwortlich ist. Neben der redaktionellen und personellen Koordination ist Weberhofer aber auch als Moderator zu hören, etwa beim "Quiz der 1.000 Fragen". Außerdem gestaltet er Beiträge und ist als Reporter unterwegs.

Für den Journalismus schlug sein Herz schon während der Schulzeit - damals war er Herausgeber einer Schülerzeitung und Mitarbeiter bei verschiedenen Printmedien, heißt es auf dem Internetauftritt des ORF Kärnten. Nach der Matura 1991 studierte Weberhofer Betriebswirtschaft an der Universität Klagenfurt, arbeitete aber bereits parallel als freier Mitarbeiter im Landesstudio Kärnten. Er gestaltete Beiträge und Sendungen für Ö1 und Ö3, war als Moderator und vor allem als Live-Reporter tätig. 2004 wurde er angestellt, wurde Stellvertreter des Programmchefs und übernahm die Funktion als alleinverantwortlicher Programmchef mit Anfang 2007.

Esther Mitterstieler, Landesstudio Tirol:

Die seit 2022 als Landesdirektorin des ORF Tirol amtierende Esther Mitterstieler wird den Posten auch in den kommenden fünf Jahre bekleiden. Beim ORF hatte die am 8. September 1968 geborene Südtirolerin im Jahr 2019 angedockt, als sie als Ressortleiterin "Wirtschaft" der ORF-Radio-Information bestellt wurde. Auf Vorschlag von Roland Weißmann wurde sie 2021 als Landesdirektorin des ORF Tirol gewählt und folgte damit Robert Unterweger nach.

Mitterstieler studierte Literatur, Zeitgeschichte und Philosophie. 1993 begann sie ihre Karriere im Journalismus als Wirtschaftsredakteurin bei der Tageszeitung "Dolomiten" in Bozen. Fünf Jahre später wechselte sie zum "Standard", ab 1999 war sie auch Wien-Korrespondentin der Frankfurter "Börsen-Zeitung". 2005 wurde sie stellvertretende Chefredakteurin bei "medianet", 2009 wechselte sie in gleicher Funktion zum "Wirtschaftsblatt", wo sie 2012 zur Chefredakteurin aufstieg. 2014 erhielt sie den Dr. Karl-Renner-Publizistikpreis in der Kategorie "Print". 2015 heuerte Mitterstieler bei "News" an, wo sie 2017 zur Chefredakteurin aufstieg, ehe sie zwei Jahre später beim ORF landete. Neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin schrieb sie das 2014 erschienene Buch "Stoppt die Banken: Wie Finanzinstitute unsere Zukunft verzocken".

Julia Ortner, Landesstudio Vorarlberg:

Vorarlbergs neue ORF-Landesdirektorin Julia Ortner hat im heimischen Journalismus einen klingenden Namen und hat seit 1998 sowohl im Print-Bereich als auch beim Rundfunk Karriere hingelegt. Die 54-Jährige arbeitete etwa als Politikredakteurin bei "Die Presse", "Falter" und "News" und nahm dabei Leitungsfunktionen ein, beim ORF war sie im Redaktionsteam der "ZiB2" und moderierte die "Pressestunde". Nach fünfjähriger Unterbrechung kehrte sie im August 2020 als Redakteurin beim Politikmagazin "Report" zum ORF zurück.

Seit 1. April 2024 ist sie Redaktionsleiterin von ORF.at. Ortner ist darüber hinaus Gründungsmitglied des Podcasts "Ganz offen gesagt", wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet und erfährt große Wertschätzung als Kolumnistin. Sie hat zwar den größten Teil ihres Berufslebens in ihrer Geburtsstadt Wien verbracht, ihre Familie hat aber Vorarlberger Wurzeln. Sowohl ihr in Götzis geborener Großvater Franz als auch ihr Vater Thomas waren Chefredakteure bei den "Vorarlberger Nachrichten".