Alle Jobs weg
Pleite! Papierfabrik muss nach 300 Jahren zusperren
Das Schicksal des nächsten Traditionsunternehmens ist besiegelt: Die Schleipen Paper GmbH mit Produktionssitz im deutschen Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) und Verwaltungssitz in Kappelrodeck (Baden-Württemberg) hat Ende August im Zuge der Insolvenz den Betrieb eingestellt. Nachdem bereits vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass es für die Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH keine Investorenlösung gibt, trifft es nun die nächste Papierfabrik. Alle verbleibenden Beschäftigten erhielten die Kündigung.
Endgültiges Aus nach langer Historie
Die Fabrik in Bad Dürkheim bestand seit 1737 und war bis zuletzt der Hauptproduktionsstandort. Im Jahr 2021 übernahm die in Kappelrodeck ansässige LENZ-Gruppe das Unternehmen und gliederte es ein. Am 24. Juni eröffnete das Amtsgericht Baden-Baden erneut ein vorläufiges Insolvenzverfahren über das Vermögen der Schleipen Paper GmbH. Eine Rettung gab es dieses Mal nicht mehr.
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Investor zog Angebot überraschend zurück
Das Amtsgericht hatte den Freiburger Rechtsanwalt André Berbuer zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Am 26. August musste er mit der Eröffnung des Regelinsolvenzverfahrens das Ende des Traditionsbetriebs verkünden. Den 73 Mitarbeitern musste gekündigt werden, was dem Juristen vor allem für die Belegschaft leidtue. Zunächst hatte sich noch eine Lösung abgezeichnet, da ein Interessent ein Angebot für den Cutting-Bereich abgegeben hatte. Die Papierproduktion für den Buchdruck war da bereits eingestellt. Mitte August zog sich der potenzielle Investor jedoch zurück.
Hohe Energiekosten belasten die Produktion
Als Grund für die Schieflage wurde eine Kombination von Faktoren genannt. Neben anhaltendem Auftragsmangel kämpfte der Betrieb mit hohen Energiekosten. Man müsse eigentlich ein eigenes Kraftwerk betreiben, erklärte Berbuer. Auf dem internationalen Markt sei man aufgrund der hohen Kosten nicht konkurrenzfähig, es handle sich um einen Albtraum. Thorsten Zangerle, Gewerkschaftssekretär der IGBCE im Landesbezirk Rheinland-Pfalz/Saarland, bezeichnete die Insolvenz eines Standorts mit fast 300-jähriger Geschichte als weit mehr als einen betriebswirtschaftlichen Vorgang. Die Betriebseinstellung wird auch kritisiert, weil die Mitarbeiter laut Gewerkschaft nicht ausreichend informiert wurden.