Kehrtwende
Plötzlich spricht der Kreml von einem "echten Krieg"
Der russische Angriff auf die Ukraine wurde offiziell ausschließlich als "militärische Spezialoperation" bezeichnet. Wer in Russland dennoch öffentlich von einem Krieg sprach, musste sogar strafrechtliche Konsequenzen befürchten. Nun vollzieht Moskau überraschend eine sprachliche Kehrtwende.
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Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Konflikt in einem Interview mit dem staatlichen russischen Nachrichtendienst Vesti erstmals offen als "echten Krieg". "Es herrscht Krieg – ein echter Krieg", sagte der Vertraute von Präsident Wladimir Putin.
Westen ist Schuld
Als Begründung führte Peskow die zunehmende Unterstützung der Ukraine durch westliche Staaten an. Zu Beginn habe es sich um eine "militärische Spezialoperation" gehandelt, inzwischen sei daraus jedoch ein Krieg geworden, weil Länder wie Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Norwegen und auch die USA Kiew umfassend unterstützten. Nach Darstellung des Kremls liefern diese Staaten nicht nur Waffen, sondern helfen der Ukraine auch bei der Aufklärung und Zielerfassung. Mithilfe westlicher Satelliten und Infrastruktur würden russische Ziele identifiziert und Angriffe koordiniert, behauptete Peskow.
Die Wortwahl markiert einen bemerkenswerten Kurswechsel. Seit dem Beginn der Invasion im Februar 2022 hatte die russische Führung den Begriff "Krieg" bewusst vermieden. Die Bezeichnung "Spezialoperation" sollte den Eindruck eines begrenzten Militäreinsatzes vermitteln und wurde zur offiziellen Sprachregelung des Staates. Wer diese infrage stellte oder öffentlich von einem Krieg sprach, konnte nach den russischen Gesetzen wegen der "Diskreditierung der Armee" oder der Verbreitung angeblicher Falschinformationen verfolgt werden.
Dass der Kreml nun selbst von einem "Krieg" spricht, dürfte als Signal gewertet werden. Beobachter sehen darin den Versuch, die russische Bevölkerung auf einen langwierigen Konflikt einzustimmen und die zunehmende militärische Unterstützung der Ukraine durch den Westen als Rechtfertigung für eine weitere Eskalation und eine mögliche Ausweitung der eigenen Kriegsanstrengungen zu nutzen.