Wahlspekulationen

Poker um die ÖBAG: DAS ist der Joker

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Wer beerbt Hlawati? – und warum am Ende ein ganz anderer Name fallen könnte. Der Herbst wird heiß im staatsnahen Bereich, und das heißeste Match steigt bei der ÖBAG. Der Vertrag von Alleinvorständin Edith Hlawati läuft am 31. Jänner 2027 aus. Über hundert Bewerbungen (konkret 123) sind bereits eingegangen. Dabei gibt es einen Kandidaten, der immer mehr an Aufmerksamkeit gewinnt – und quasi ein Kompromiss- und "Flucht-nach-vorne-Kandidat" sein könnte: Florian Beckermann.
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Nur eine Handvoll Namen hat tatsächlich eine Chance, und wer genau hinschaut, erkennt: Am Ende entscheidet nicht der Marktwert, sondern die Machtarithmetik der Koalition.

Favoriten wanken, Außenseiter lauert

Eigentümervertreter ist Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), und der lässt keinen Zweifel daran, dass er die Holding wieder stärker an die Politik binden will. Die Ära der demonstrativen Unabhängigkeit, wie sie Hlawati zelebrierte, dürfte damit auslaufen. Für die Bestellung heißt das: Wer den Job will, braucht vor allem eines – ein gutes Verhältnis zum Minister und zu Aufsichtsratspräsident Günther Ofner, der als Chef des Nominierungsausschusses die Fäden zieht.

Wer sticht die Favoriten aus?

Genannt werden an Favoriten Thomas Gangl, ehemaliger OMV-Vorstand und Borealis-Chef, gut vernetzt in der niederösterreichischen ÖVP, dessen Draht zu Ofner sich zuletzt aber abgekühlt haben soll. Genannt wird Henrietta Egerth, FFG-Geschäftsführerin mit besten Kontakten zu Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Genannt wird auch Hannes Ametsreiter, der Ex-A1-Chef, der fachlich glänzt, aber politisch kaum instrumentalisierbar ist – und genau das dürfte ihn aus dem Rennen werfen.

Steigt Bahnchefin ein?

ÖBB-Chefin Michaela Huber, bei der Bahn für die Operatives Services zuständig (Sicherheit und Sauberkeit an Österreichs Bahnhöfen), gilt unter Insidern auch als Option auf den ÖBAG-Chefposten. Ihre Management-Fähigkeiten hat sie bei der Bahn bereits bewiesen.

Arnoldner: der Mann, der noch hungrig ist

Bleibt noch Thomas Arnoldner, seit Jahren im Vorstand der A1 Telekom Austria und einst Bundesobmann-Stellvertreter der Jungen ÖVP. Seit Alejandro Plater als CEO das Sagen hat, ist Arnoldner an der A1-Spitze nur noch der zweite Mann. Ein Wechsel an die ÖBAG-Spitze würde ihn zweifellos reizen, und in seinem Fall würde die Rechnung sogar aufgehen: ein freiwerdender Posten für einen Mann, der ohnehin kaum noch Gestaltungsspielraum hat. Auch das ergäbe also Sinn.

Cornelius Granig will öffentliches Hearing

Eine interessante Persönlichkeit im Ringen um den ÖBAG-Vorstandsjob ist auch der erfahrene Manager Cornelius Granig. Er fordert via oe24 "ein öffentliches, transparentes Hearing-Verfahren, das jeder mitverfolgen kann in Österreich."

Die Wildcard: Florian Beckermann

Und dann ist da noch ein Name, der in Finanzkreisen immer öfter fällt: Florian Beckermann, Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA). Beckermann kämpft seit Monaten öffentlich für eine KESt-Befreiung nach Behaltefrist bei langfristiger Aktienvorsorge und positioniert sich damit als Stimme der Kleinanleger. Im Börsen-Kurier rechnete er kürzlich vor, was Österreich von echten Staatsfonds lernen könnte: Norwegens Norges erwirtschaftet umgerechnet rund 22.800 Euro Wertzuwachs pro Einwohner und Jahr, Singapurs Temasek rund 4.100 Euro. Die ÖBAG bringt es aktuell auf rund 171 Euro Dividende pro Kopf – bei konsequenterer Ausrichtung wären laut Beckermann 230 bis 250 Euro Wertzuwachs jährlich drin.

Genau diese Mischung aus Marktnähe, Reformrhetorik und politischer Unbelastetheit könnte Beckermann zum idealen Kompromisskandidaten machen, falls sich die Koalition bei den Schwergewichten nicht einigen kann. Ein Flucht-nach-vorne-Kandidat sozusagen: niemand, der einer Fraktion zu sehr gehört, aber jemand, der das Thema Staatsfonds glaubwürdig verkörpert. Sollte sich das Personalkarussell also festfahren, wäre Beckermann die Antwort.