Neue Strategie
Pröll über KI: "Befinden uns an einem Kipppunkt"
Alexander Pröll (ÖVP), Staatssekretär im Bundeskanzleramt, steht vor der Aufgabe, einen neuen Plan für den Umgang mit KI zu erarbeiten. Im ersten Halbjahr 2027 soll diese - aufgrund des raschen Fortschritts bei der Entwicklung - "adaptive Strategie" stehen, sagte er im Gespräch mit der APA. Er plädiert zugleich für einen sachlichen Umgang mit Künstlicher Intelligenz und meint angesichts der enormen Fortschritte: "Wir befinden uns an einem Kipppunkt".
Auch interessant
Die neue KI-Strategie soll die bisherige, bekannt unter "Artificial Intelligence Mission Austria 2030" (AIM AT 2030) aus dem Jahr 2021 ablösen. Beauftragt worden war Pröll damit von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Die alte Strategie sei entwickelt worden, als es die Anwendung ChatGPT noch nicht gab, argumentiert der Staatssekretär den Bedarf eines neuen Kurses. Und auch die neue Strategie werde wohl nie ganz in Stein gemeißelt sein, bedenkt man die enormen Entwicklungsschritte.
Größere Erfindung als Auto und Internet
"Ich glaube, dass KI die größte Disruption, die größte Veränderung unserer Zeit ist", so Pröll. "Viel größer als die Erfindung des Internets oder die Erfindung des Autos." Fakt sei: "Die Technologie ist gekommen, um zu bleiben." Allerdings bedeute die rasante Entwicklung und die möglichen Szenarien weder den "Weltuntergang" noch sei "alles super", meint der Staatssekretär. "Und ich glaube, die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen." Man befinde sich eben an einem "Kipppunkt": "Unser Ziel als Menschheit muss es sein, dass wir uns die KI untertan machen und sie einfach nutzen."
"Im ersten Schritt werden wir die Hemmnisse herausarbeiten, also jene Punkte, wo es Probleme gibt", beschreibt Pröll den Fahrplan zur neuen Strategie. Zweiter Schritt werde die Maßnahmenebene sein, also die strategischen Ableitungen. "Im Wesentlichen geht es um drei Themenbereiche: Wie nutzen wir ungenutztes Potenzial? Wie können wir die Menschen ausbilden und schützen? Und wie schaut es aus mit Sicherheit und Handlungsfähigkeit des Staates?" Ein weiteres Thema werde aber auch der ethische und moralische Umgang mit der Technologie sein.
Österreich eine Stimme von vielen
Auch im internationalen Umgang mit Künstlicher Intelligenz könne Österreich mitspielen, glaubt Pröll - "und das werden wir uns auch ansehen". Dabei sei man "eine Stimme von sehr vielen Stimmen". Weltweit - aber auch konkret auf EU-Ebene - brauche es "eine smarte weltweite KI-Regulatorik". Dabei müssten aber auch sämtliche Staaten dabei sein, betont Pröll, also auch die USA und China. "Ich glaube, es muss so ähnlich sein wie beim Thema Atomwaffenabrüstung."
Zuständig für die Erarbeitung der neuen heimischen KI-Strategie sind Prölls Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kanzleramt. Aber auch Know-how von außen werde man sich dabei natürlich holen, betont der Staatssekretär. Etwa Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, aber auch etwa der Sozialpartner. Allerdings werde das Papier keine Sammlung aus unterschiedlichen Meinungen, betont Pröll. "Wir clustern das und wollen dann die Richtung vorgeben."
Auswirkungen auf Arbeitsmarkt unklar
Was die Auswirkungen der neuen Technologie auf die Beschäftigung betrifft, bleibt der Staatssekretär vorsichtig: "Ich bin im Austausch auch mit führenden Wissenschaftern aus den USA, die bei den großen bekannten Unternehmen arbeiten", berichtet er. "Und selbst sie wissen nicht genau, was das für den Arbeitsmarkt der Zukunft bedeutet." Prölls persönliche These: "Es wird nicht mehr Arbeitsplätze geben. Auch hier muss man, glaube ich, die Wahrheit aussprechen." Klar sei auch, dass sich die Arbeitsplätze ändern werden.
Dennoch hatte der Staatssekretär bei vielen Gelegenheiten auch betont, dass KI Rückgänge bei Arbeitskräften, etwa durch anstehende Pensionierungswellen im öffentlichen Dienst, ausgleichen könne. "Es geht darum, wie ein immer kleiner werdender Teil an arbeitsfähigen Menschen einen immer größer werdenden Teil auch erhalten kann", merkt er dazu an. "Das heißt, dieser kleiner werdende Teil muss oder sollte im Idealfall auch produktiver werden. Und ich glaube, dass hier KI massiv unterstützen wird können."