Wirtschaftskammer
Rucks Nachfolgerin übernimmt in Wien
Margarete Kriz-Zwittkovits hat am Mittwoch offiziell die Nachfolge von Walter Ruck als Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer angetreten. Kriz-Zwittkovits, zuvor Vize unter Ruck, versprach nach ihrer heutigen Angelobung einen "neuen Stil", nachdem ihr Vorgänger wegen umstrittener Aussagen in einem publik gewordenen Privatgespräch den Hut nehmen musste. Als erste Amtshandlung veranlasste sie laut einer Videobotschaft die Erarbeitung eines Verhaltenskodex für Funktionäre.
In der Mitteilung sprach sie unter anderem von "verspieltem Vertrauen" und einem "gesellschaftlichen Bild", für das "weder die Wirtschaftskammer noch ich stehen". "Ich kann mich nicht für Worte anderer entschuldigen. Aber ich kann etwas anderes tun. Nämlich die Dinge wieder in Ordnung bringen", sagte die neue Frau an der Spitze der Wiener WK, die auch den Posten als Chefin des Wiener-ÖVP-Wirtschaftsbundes übernimmt.
Medienberichte führten zu Parteiausschluss und Rückzug Rucks
Ruck gab Ende Juli seinen Rücktritt bekannt, nachdem Passagen aus einem Gesprächsprotokoll seinen Ausschluss aus der ÖVP bewirkt hatten. Ruck erzählte darin demnach, wie er bei Postenbesetzungen und Listenerstellungen in Wien und in der Wiener Volkspartei mitmischte. Zudem soll er sexistische Äußerungen von sich gegeben und sich wenig schmeichelhaft über ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sowie Vertreter der Industrie geäußert haben.
Erst Rückendeckung, dann Distanz
Kriz-Zwittkovits, die seit 2020 WKW-Vizepräsidentin und zwischen 2021 und 2025 Abgeordnete und Gemeinderätin für die ÖVP in Wien war, hatte Ruck vor wenigen Wochen, als aus den Protokollen zitiert wurde, zunächst noch den Rücken gestärkt. So widersprach sie Berichten, wonach sie auf Rucks Befehl und zugunsten seines Sohnes auf einen ÖVP-Listenplatz bei der Wienwahl verzichtet habe. Später, als die Kammer ihre Nachfolge an der Spitze der WK Wien verkündete, ging sie auf Distanz. Es habe "Irritationen" gegeben, unter ihrer Führung werde es zu einem "Neuanfang" kommen, hieß es unter anderem.
Noch deutlichere Worte fand Kriz-Zwittkovits am heutigen Mittwoch: Die Ereignisse der vergangenen Wochen hätten der Kammer großen Schaden zugefügt, außerdem verstehe sie "bei Gleichstellung und Frauenrechten wenig Spaß". "Wir leben im Jahr 2026", so die Unternehmerin. Deshalb wolle sie auch umgehend einen Verhaltenskodex für Funktionäre der Kammer ausarbeiten lassen.
Kriz-Zwittkovits will "offene Kammer"
Außerdem war die Rede von einer "offenen Kammer", in der "alle Unternehmen gleichermaßen wertgeschätzt werden, egal, ob Ein-Personen-Unternehmen, KMU oder Großunternehmen". Den eingeschlagenen Reformweg, in dessen Rahmen unter anderem Beiträge der Unternehmer gesenkt werden sollen, wolle sie "entschlossen fortsetzen": "Wir können nicht von der Politik Reformen fordern und selbst nicht mitmachen. Das wäre nicht glaubwürdig. Es ist daher völlig klar, dass ich gemeinsam mit Martha Schultz den Reformkurs entschlossen weitergehen werde."
Schultz gratulierte Kriz-Zwittkovits umgehend. Es gelte nun, "gemeinsam nach vorne zu schauen. Die österreichische Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass die Wirtschaftskammern geschlossen, verlässlich und mit voller Kraft für die Interessen der Unternehmerinnen und Unternehmer arbeiten", wurde sie in einer Aussendung zitiert. Zuspruch kam auch vom Präsidenten der Wiener Industriellenvereinigung (IV), Christian Pochtler. Er begrüßte sowohl die Ankündigung des "Neuanfangs" sowie das Bekenntnis zu Reformen.