Für die Untersuchung wurden mehr als 11.000 Menschen betrachtet. Sie trugen zunächst eine Woche lang einen Sensor am Handgelenk, der erfasste, wie viel Licht sie nachts ausgesetzt waren.
Rund drei Jahre später wurden ihre Herzen per MRT untersucht. Dabei zeigten sich bei Menschen mit besonders hoher nächtlicher Lichteinwirkung messbare Unterschiede bei der Herzstruktur und -funktion.
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Vor allem die linke Herzkammer war stärker ausgeprägt. Die Teilnehmer hatten unter anderem eine höhere Herzmuskelmasse und dickere Herzwände. Gleichzeitig gab es Hinweise auf eine schlechtere Pumpfunktion des Herzens.
Auch die rechte Herzkammer und der linke Vorhof wiesen Veränderungen auf.
Je mehr Licht, desto ungünstiger
Besonders auffällig war die sogenannte Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr nächtliches Licht gemessen wurde, desto ungünstiger fielen bestimmte untersuchte Herzwerte aus.
Ein Teil dieses Zusammenhangs ließ sich statistisch durch eine kürzere Schlafdauer erklären.
Die Forscher untersuchten außerdem, ob nächtliches Licht mit später auftretenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhing. Dabei zeigte sich über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren ein erhöhtes Risiko für mehrere Erkrankungen.
Bei Menschen mit stärkerer nächtlicher Lichteinwirkung lag das Risiko im Vergleich zu Menschen ohne nächtliche Lichteinwirkung demnach bei:
- 29 Prozent höherem Risiko für Herzinsuffizienz
- 15 Prozent höherem Risiko für Vorhofflimmern
- 24 Prozent höherem Herzinfarktrisiko
- 33 Prozent höherem Schlaganfallrisiko
- 26 Prozent höherem Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben
Forscher warnen vor falschen Schlüssen
Studienleiter Lu Qi bezeichnete die Untersuchung als erste ihrer Art, die mithilfe einer Herz-MRT den Zusammenhang zwischen nächtlichem Licht und Veränderungen von Herzstruktur und -funktion untersucht.
Die beobachteten Veränderungen seien typisch für Reaktionen auf chronischen Stress oder Verletzungen des Herzens.
Allerdings bedeutet die Studie nicht, dass ein beleuchtetes Schlafzimmer nachweislich Herzkrankheiten verursacht. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Ergebnisse zeigen daher einen möglichen Zusammenhang, beweisen aber keine Ursache.
Experten fordern mehr Aufmerksamkeit für Dunkelheit
In einem begleitenden Kommentar im "European Heart Journal" bewerten Thomas Münzel vom Universitätsklinikum Mainz und seine Kollegen die Ergebnisse deutlich positiver.
Die Untersuchung sei "mehr als nur eine interessante Beobachtung". Besonders die Dosis-Wirkungs-Beziehung sei auffällig: Mehr nächtliches Licht ging mit schlechteren Ergebnissen einher.
Ihre Schlussfolgerung: Dunkelheit sollte stärker als Faktor für die Herz-Kreislauf-Gesundheit berücksichtigt werden.