FALL DER WOCHE
Schock-Mord an junger Lehrerin - in der Schule
OÖ. Eins vorweg: Niemand will der 28-Jährigen aus dem Bezirk Braunau, deren Leiche vor einer Woche nun schon in der Schulbibliothek der Bilger-Breustedt-Mittelschule in Taufkirchen an der Pram auch nur einen Funken Schuld zuweisen. Sie musste sterben, weil ein Lehrer - der Bibliothekar, Deutsch-, Geschichte- und Sportlehrer sowie stellvertretender Direktor der Schule war -, wie es eine Userin auf oe24 auf den Punkt bringt "ein Problem mit Gewalt, Kontrolle, Besitzdenken und Akzeptanz von Zurückweisung hatte".
Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus Eifersucht aus. Nicht nur in Lehrerkreisen war bekannt, dass der groß gewachsene 29-jährige Pädagoge, der in der Pandemie in Rekordzeit die Masterprüfung für das Lehramt geschafft hat, schon seit Längerem in die Kollegin (die Mathematik, Geo, Englisch und ebenfalls Sport unterrichtete) schwer verliebt war. Sein Drängen muss jedenfalls extrem gewesen sein, wenn der Direktor der Schule es in einem Interview so ausdrückt: "In letzter Zeit haben die beiden wieder gut zusammengearbeitet, ihr kollegiales Verhältnis war nicht zerrüttet" - so heißt das auch, dass es davor anders und vor allem für die bedrängte Frau echt belastend gewesen sein muss - mit jemandem, der sie vermutlich bis hin zum Stalking mit unerwiderten Gefühlen bombardierte, auf so engem Raum - wie es eine Schule nun mal ist - kooperieren zu müssen.
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Wie auch die Parte der verstorbenen Tochter, Schwester, Enkelin, Nichte und Cousine bestätigt, war die beliebte Lehrerin - die wohl wie alle gedacht bzw. gehofft hatte, dass sich der Kollege mit der Situation abfand - seit kurzem in einer Beziehung mit einem Mann, der jetzt als gebrochener Freund den schrecklichen Mord an seiner Partnerin kondolieren muss. Denn: In Wahrheit hatte der Bibliothekar die Zurückweisung mitnichten verkraftet. Und schon länger einen finalen Schlusstrich geplant.
Erst im Frühjahr besorgte sich der groß gewachsene Oberösterreicher aus Freinberg - der am Ende ebendort mit dem Auto gegen einen Baum raste - Waffenschein und Pistole. Und auch einen Dolch, mit dem er dann unbarmherzig fünf Mal auf die Frau einstach, die er angeblich unsterblich liebte - und ihr doch nur den Tod brachte, weil er sie nicht haben konnte und niemand sie haben sollte.
Drei Mal auf bereits getötete Frau geschossen
Davon überzeugt, seinen (Perspektiv-)Verlust mit Blut rächen zu müssen, passte der 29-jährige Innviertler seine Kollegin nach deren Unterrichtsende am Freitag um 12.35 Uhr ab und lockte sie unter einem Vorwand in die Bibliothek. Kinder und andere Pädagogen waren keine mehr im Gebäude, als er die Frau mit dem zweischneidigen Dolch tötete - das ergab die vorläufige Obduktion.
Verstörend: Als das Reinigungspersonal am Nachmittag in die Schule kam, erklärte der Täter, dass in der Bibliothek nicht geputzt werden müsste, er selbst hatte sich inzwischen umgezogen, gewaschen und seine blutverschmierte Kleidung in einen Plastiksack gesteckt. Jüngsten Erkenntnissen nach könnte er daraufhin sogar weggefahren sein, möglicherweise um zu flüchten, erkannte aber schnell, wie sinnlos es war. Er kam zurück und schoss jetzt dreimal auf die bereits tote Lehrerin - die Wut und der Hass haben nun endgültig die Oberhand über die Gefühlswelt des offenbar völlig gestörten Liebenden gewonnen - der jetzt sie verantwortlich machte, wofür nur er selbst alle Verantwortung zu tragen hatte.
Ganz am Ende siegte dann das Selbstmitleid: Anstatt sich zu stellen, fuhr er 22 Kilometer entfernt in seiner Heimatgemeinde mit Hochgeschwindigkeit gegen einen Baum, während er sich eine Kugel durch den Kopf jagte. Abschiedsbrief gibt es keinen, die Welt soll sich brausen, der Narziss hatte nicht bekommen, was er wollte. Und wenn das Weltbild von hunderten Kindern dabei erschüttert und zerstört wird, ihn kümmert es keine Sekunde - so wie einen Ex-Direktor ebenjener Schule, der (woran sich nur noch wenige außerhalb von Taufkirchen erinnern) 2012 seinen Enkel (18) dazu brachte, seine eigene Großmutter mit einer Axt und einem Messer zu ermorden. Motiv: Der Opa wollte seine Ehefrau loswerden. In beiden - die nicht zusammenhängenden Fällen - passt das Motiv "Mann". Doch so schnell manche zu einem Pauschalurteil kommen - es ist der gestörte Mann, den es zu erkennen gilt - und zu verhindern, dass Buben zu solchen werden!
Hilfe im Krisenfall
In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, u. a. Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter 0800-222-555, Frauenhelpline.at, beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter Aoef.at sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren unter 0800/700-217, Gewaltschutzzentrum.at, beim Polizeinotruf 133 sowie in Oberösterreich beim Autonomen Frauenzentrum - Frauennotruf OÖ unter 0732/602200. Der Männernotruf (0800 246 247) bietet Männern in Krisen– und Gewaltsituationen eine erste telefonische Anlaufstelle. Auch die Krisenhilfe Oberösterreich ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0732 2177 erreichbar und bietet Unterstützung.
Berichte über (mögliche) Suizide können bei Personen, die sich in einer Krise befinden, die Situation verschlimmern. Österreichweit und in den Bundesländern gibt es Anlaufstellen, die Rat und Unterstützung im Krisenfall anbieten. Die österreichweite Telefonseelsorge ist ebenfalls jederzeit unter 142 gratis zu erreichen. Hilfe für Jugendliche und junge Erwachsene bietet auch Rat auf Draht unter der Nummer 147.