Fernwärmeleitung

Schönbrunn schickt Riesen-Gaskessel in Pension

© Bubu Dujmic
Die Wien Energie hat ihr Fernwärmenetz im Bezirk Hietzing erweitert und dabei unter anderem den Tiergarten Schönbrunn angeschlossen. Künftig versorgt die Fernwärme neben den Zooanlagen auch das Verwaltungsgebäude, die Gastronomie und das Wüstenhaus vor den Toren des Tiergartens
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Im Tiergarten Schönbrunn ist die Ära der Gasheizung vorbei. Wien Energie hat den ältesten noch bestehenden Zoo der Welt an das Fernwärmenetz angeschlossen. Die bisherige Gaskesselanlage mit einer Leistung von zehn Megawatt ist bereits demontiert. Sie war die größte noch aktive Anlage dieser Art bei einem Kunden von Wien Energie. Auf dem 17 Hektar großen Gelände werden künftig die Tieranlagen, das Verwaltungsgebäude und die Gastronomie mit Fernwärme beheizt. Auch das Wüstenhaus vor den Toren des Tiergartens hängt nun am Netz.

Warme Gehege für Giraffen und Co.

Für die tierischen Bewohner bringt die Umstellung eine neue Wärmeversorgung, für den Tiergarten selbst mehr Planungssicherheit. "Gerade im Winter sind viele unserer Tiere auf eine verlässliche Wärmeversorgung angewiesen", erklärt Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck. Ein weiterer Vorteil sind die mittelfristig besser kalkulierbaren Heizkosten.

"Dass sich Giraffen & Co hier in Zukunft mit klimaschonender Fernwärme einkuscheln können", freut Stadtwerke-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Für Wien Energie-Geschäftsführer Sascha Zabransky steht vor allem die langfristige Versorgungssicherheit im Vordergrund. "Gemeinsam schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Wiens Wärmeversorgung Schritt für Schritt unabhängiger von Gas wird", unterstreicht Zabransky.

Mehr als 60 weitere Gebäude profitieren

Bezirksvorsteherin-Stellvertreter Marcel Höckner (SPÖ), Energiesprecher Joe Tauscher (SPÖ), Wien Energie-Geschäftsführer Sascha Zabransky, Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), Tiergarten Schönbrunn-Geschäftsführer Stephan Hering-Hagenbeck, Bezirksvorsteherin Johanna Zinkl (ÖVP) und Energiesprecher Stefan Gara (Neos). © Bubu Dujmic

Doch nicht nur der Tiergarten soll von dem Ausbau profitieren. Entlang der Maxingstraße hat Wien Energie eine neue Fernwärmeleitung verlegt. Dadurch besteht künftig auch für mehr als 60 weitere Gebäude in der Umgebung die Möglichkeit, ihre bisherigen Heizsysteme durch Fernwärme zu ersetzen. Damit könnten zahlreiche Haushalte in Hietzing ebenfalls aus Gas aussteigen. Ob und wann die einzelnen Gebäude tatsächlich angeschlossen werden, hängt allerdings von den jeweiligen Eigentümern ab.

Die Fernwärmeleitung wurde im Abschnitt zwischen Montecuccoliplatz und Trauttmansdorffgasse über die Volkgasse, Hanselmayergasse und Maxingstraße verlegt. © TBauer

"Die Umstellung des alten Heizsystems auf Fernwärme ist eine erfreuliche Entwicklung für Hietzing und unsere Umwelt", unterstreicht Bezirksvorsteherin Johanna Zinkl (ÖVP). Gleichzeitig bedankt sich die Bezirkschefin bei den Bewohnern für ihre Geduld während der umfangreichen Bauarbeiten.

NEOS-Energiesprecher Stefan Gara verweist vor allem auf die Dimension des Projekts. Mit der Stilllegung der alten Anlage fallen zehn Megawatt fossile Heizleistung weg. SPÖ-Klubvorsitzender Josef Taucher sieht ein Beispiel dafür, wie auch historische Einrichtungen auf eine neue Wärmeversorgung umgestellt werden können.

Fernwärme stammt noch zur Hälfte aus Gas

Ganz ohne fossile Energieträger kommt die neue Wärmeversorgung allerdings noch nicht aus. Zwar benötigt der Tiergarten selbst keine Gasheizung mehr, doch rund die Hälfte der Wiener Fernwärme wird derzeit noch in gasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erzeugt.

Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Wien Energie baut das Fernwärmenetz bereits seit den 1960er-Jahren aus und versorgt mittlerweile mehr als 480.000 Wohnungen mit Heizung und Warmwasser. Künftig sollen vor allem Tiefengeothermie, Großwärmepumpen und die Nutzung von Abwärme den Gasanteil reduzieren.

Ein zentraler Baustein dafür entsteht derzeit in der Seestadt Aspern. Dort errichtet Wien Energie gemeinsam mit der OMV die erste Tiefengeothermieanlage, die ab 2029 rund 25.000 durchschnittliche Haushalte mit erneuerbarer Wärme versorgen soll. Bis 2040 könnten bis zu sieben solcher Anlagen Wärme für umgerechnet 200.000 Haushalte liefern. Bereits bestehende Großwärmepumpen in Spittelau, Simmering und bei der Kläranlage ebswien können zusammen Wärme für rund 100.000 Haushalte bereitstellen.

Milliarden für den Ausstieg aus Gas

Für den weiteren Ausbau und die Umstellung der Fernwärme auf klimafreundlichere Energiequellen plant Wien Energie in den kommenden Jahren Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Weitere 1,7 Milliarden Euro fließen in den Ausbau von Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. Damit will der Energieversorger die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten verringern und die Auswirkungen internationaler Preisschwankungen auf die Energieversorgung langfristig reduzieren.