Protest
Schüler demonstrieren gegen die Wehrpflicht
Der vierte bundesweite "Schulstreik gegen Wehrpflicht" richtete sich gegen die verpflichtende Musterung junger Männer und die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. In Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben rund 2.400 Menschen am Leopoldplatz in Wedding. Die Kundgebung verlief friedlich.
Die Initiative "Schulstreik gegen Wehrpflicht" sprach von mehr als 45.000 Teilnehmenden in 100 Städten. Die Polizei veröffentlicht keine bundesweiten Gesamtzahlen, nannte aber regionale Angaben: In Kiel kamen etwa 600 Menschen zusammen, in Hamburg mehrere Hundert am Hachmannplatz, in Frankfurt am Main 180. Auch in Leipzig, Dresden, Flensburg, Lübeck und weiteren Orten gab es Demonstrationen. In Hamburg protestierten die Jugendlichen zusätzlich gegen die zeitgleich laufende Bundeswehrübung "Red Storm Charlie".
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"Halbes Jahr wird geklaut"
"Wir wollen nicht zur Wehrpflicht gezwungen werden und nicht in den Krieg ziehen. Wir kämpfen weiter gegen die Wehrpflicht und Militarisierung", erklärten die Veranstalter. Ein 16-jähriger Schüler in Hamburg namens Elias sagte: "Besonders ist unsere Sorge, dass uns mindestens ein halbes Jahr geklaut wird, damit uns gezeigt wird, wie man auf Menschen schießt. Wir sollen verwertbar gemacht werden für Interessen, die nicht unsere sind." Viele Demonstranten kritisierten, dass Milliarden in die Bundeswehr fließen, während Schulen und soziale Infrastruktur unterfinanziert seien.
Die Bundesregierung und das Verteidigungsministerium betonen, der neue Wehrdienst setze zunächst auf Freiwilligkeit. Ziel ist der Aufwuchs der Bundeswehr auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservisten bis 2035. Sollten die Rekrutierungsziele nicht erreicht werden, kann der Bundestag eine "Bedarfswehrpflicht" beschließen. Die allgemeine Wehrpflicht war 2011 ausgesetzt worden.