Regierungskrise
Selenskyj zu Besuch bei Putin-Verbündeter Vučić
Dieser bemüht sich erneut um einen Sieg bei der nächsten Parlamentswahl. Diese soll noch vor Jahresende stattfinden. Seine Anhänger gelten jedoch als ausgesprochen russlandfreundlich. Offizielle Gespräche der beiden Präsidenten sind für Samstag im Präsidentenpalast geplant.
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Der Leiter des Belgrader Zentrums für praktische Politik, Dragan Popovic, glaubt indes nicht, dass Vučić durch den Besuch Selenskyjs Popularitätseinbußen zu befürchten hat. "Vučić ist ein Politiker mit zwei verknüpften Zielen - es geht um die Wahrung der Macht, die zudem möglichst uneingeschränkt bleiben soll", meinte er am Samstag gegenüber der Tageszeitung "Danas". Für die Unterstützung bei seinen Anhängern würde Vučić laut Popovic sorgen, indem er sich als "wichtiger Politiker" ausgebe, der in der Lage sei, eine "ausgewogene Politik gegenüber den Großmächten" aufrechtzuerhalten. "Er tut etwas ähnliches wie (der einstige jugoslawische Präsident Josip Broz,, Anm.) Tito", so Popovic.
Belgrad möchte sich internationalen Sanktionen gegen Russland nicht anschließen
Auch wenn der einstige jugoslawische Staatschef, der von 1945 bis zu seinem Tod im Jahr 1980 an der Macht war, für die jüngeren Generationen in Serbien kaum mehr eine Rolle mehr spielt, gilt dies nicht für die traditionellen SNS-Wähler. Diese sind häufig älter, leben in ländlichen Gebieten und informieren sich über regierungstreue Medien.
Vučić selbst hatte am Vorabend von Selenskyjs Besuchs die Annäherung der zwei Staaten an die EU, die bilaterale Zusammenarbeit sowie jene im Energiebereich als wichtigste Gesprächsthemen ausgegeben. Von möglichen Munitions- und Waffenexporten an die Ukraine sprach er nicht. Gegenüber den Medien versicherte er allerdings, dass Belgrad nicht gedenkt, sich den internationalen Sanktionen gegen Moskau anzuschließen.
Wie der TV-Sender N1 berichtete, waren die Meinungen der Bürger auf den Straßen Belgrads zu dem Besuch durchaus differenziert. Sie bewegten sich von klarer Ablehnung des Besuches - "Wir haben bessere Freunde. Man weiß ja welche." - bis zur Unterstützung für den Besuch - "Grundsätzlich muss man ein jedes Land unterstützen, das angegriffen wird".