Echter Patriotismus und Fußball-Folklore - oder doch einfach peinliches Buhlen um die Stimmen von Fußballfans? Österreichs Top-Politiker überschlagen sich derzeit auf Instagram und Co mit Videos zur Fußball-WM. Gehört wohl dazu - auch wenn sich so mancher im Publikum wohl fragen wird, ob wirklich alles so sein muss. Ein kleiner Überblick.
Meinl-Reisinger als Gaberl-Meisterin
Am aktionistischsten geht NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger an. Im Österreich-Dress (Nr. 16) liefert sie sich mit Teamverteidiger Phillipp Mwene ein Gaberl-Duell - das sie mit kräftiger KI-Hilfe auch noch gewinnt. Das Video hat zweifellos Shitstorm-Potenzial, so mancher wird's auch lustig finden. Damit hat es sich aber auch für die NEOS-Chefin - zu einem Spiel wird sie nicht in die USA fliegen.
Babler mit Video- und Selfie-Offensive
Andreas Babler muss man zugutehalten: Er ist als Sportminister wenigstens zuständig - ob ihn das geschmacksicherer macht? Auf Instagram startet er eine Video- und Selfie-Orgie, von einem Foto mit David Alaba bis zu einem Video vor dem Team-Flieger wird nichts an Klischees ausgelassen. Nicht einmal das etwas abgenutzte "Auf geht’s, Burschen!" kann sich Babler verkneifen.
Das Team kommt auch in den Genuss der direkten Unterstützung Bablers: Er wird beim Jordanien-Spiel - dem ersten Match Österreichs - in San Francisco dabei sein.
Kanzler feiert schon mal den WM-Titel
Christian Stocker erweist sich überhaupt als Überpatriot - auf Instagram überlegt der Kanzler schon mit Team-Legende Marko Arnautovic, an welchem Termin der Feiertag angesetzt wird, wenn Österreich Weltmeister wird. Soll beim Publikum gut ankommen - tatsächlich scheut auch Stocker vor großen Herausforderungen nicht zurück: Persönlich Daumen drücken wird er ausgerechnet beim Match gegen Argentinien, der schwersten Aufgabe des Teams, Stocker jettet dafür nach Dallas, Texas.
Präsident kommt als Fanderbellen daher
Alexander Van der Bellen ist als Bundespräsident natürlich Fan Nr. 1, auch er ist zum Flughafen gefahren, ein Handshake mit Marko, Talk mit Ralf Rangnick sowie eine kurze Rede. "Fanderbellen" ist da wohl am wenigsten peinlich.
Kickl lässt die Nachtspiele aus
Auffallend ruhig ist es indes bei der FPÖ. Auf oe24-Anfrage teilt Parteichef Herbert Kickl mit: "Angesichts der unterschiedlichen Spielzeiten wird es live wohl in erster Linie das Match Österreich gegen Argentinien sein, das ich mir ansehen werde. Ansonsten werde ich eher Zusammenfassungen anschauen", macht er klar, dass er die Nachtspiele auslassen wird. Eine USA-Reise ist offenbar kein Thema, aber: "Ich halte die Daumen dafür, dass das Team möglichst lange mit dabei ist. Ich drücke natürlich dem rot-weiß-roten Team die Daumen. Auch hier gilt: Österreich zuerst!"