Saubere Energie

So speist Wien Sonnenstrom aus dem Klärbecken

© Christian JOBST
Die Wiener Kläranlage setzt den nächsten Schritt Richtung Energie-Unabhängigkeit und baut über einem Klärbecken ein innovatives Solarfaltdach zur Stromgewinnung.
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Aus Abwasser wird in Wien längst nicht nur sauberes Wasser, sondern auch nachhaltige Energie. Nun setzt die Wiener Kläranlage einen weiteren Meilenstein: Über dem Becken "Vorklärung West 2" entsteht durch ebswien bis Juni 2027 ein modernes Solarfaltdach. Die bewegliche Konstruktion erzeugt umweltfreundlichen Sonnenstrom, ohne dafür zusätzliche Flächen zu benötigen. Die Solarmodule hängen an einer Seilkonstruktion und können wie ein Vorhang geöffnet beziehungsweise geschlossen werden. So bleibt das darunterliegende Klärbecken jederzeit zugänglich.

"Wien hat sich als erstes Bundesland mit einem eigenen Klimagesetz dazu verpflichtet, bis 2040 klimaneutral zu werden. Dazu bauen wir unsere Energieversorgung in großen Schritten um – weg von fossilen Brennstoffen hin zu umweltfreundlicher Energie wie Sonnen- und Windkraft. Das reduziert die Erwärmung in der Stadt und sorgt für stabile Energiepreise für die Wienerinnen und Wiener und die Wiener Wirtschaft.", erklärt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ).

Bürgermeister Ludwig und StR Czernohorszky bei der Besichtigung der Solaranlage (ebswien). © Christian JOBST

"Großflächige Investitionen machen Wien schon jetzt zur drittgrößten Windstrom-Produzentin und zur größten Sonnenstrom-Produzentin Österreichs. Gleichzeitig setzt Wien auch auf kreative und innovative Lösungen. Das faltbare Sonnenstrom-Dach über den Becken der Wiener Kläranlage zeigt diesen Innovationsgeist eindeutig. Wiens Kläranlage sorgt nicht nur für eine saubere Donau, sie erzeugt bereits heute mehr Energie, als für die Abwasserreinigung benötigt wird.", so der Bürgermeister weiter.

Intelligente Wettersteuerung

Mit einer Fläche von 1.750 Quadratmetern soll die Anlage jährlich rund 260 Megawattstunden Strom liefern. Eine intelligente Wettersteuerung sorgt dafür, dass das Dach bei starkem Wind, Hagel oder Schneefall automatisch eingefahren wird. Das Projekt gilt als Testlauf für einen möglichen großflächigen Ausbau. Bewährt sich die Technologie im Alltag, könnten künftig weitere Klärbecken mit solchen Anlagen ausgestattet werden.

"Oberstes Gebot ist für uns, dass die Abwasserreinigung in keiner Weise beeinträchtigt wird.", erläutert Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ): "Das Becken muss jederzeit rasch für Wartungsarbeiten erreichbar sein. Eine fix installierte Sonnenstrom-Anlage wäre daher keine Option. Das Solarfaltdach hingegen lässt sich innerhalb von 30 Sekunden ein- oder ausfahren – das macht diese Lösung so attraktiv."

Schon heute zählt die Wiener Kläranlage zu den Vorreitern Europas. 2025 lag der Eigenversorgungsgrad bei Strom bei 110 Prozent, bei Wärme sogar bei 173 Prozent. Eine aktuelle Machbarkeitsstudie zeigt zudem ein enormes Potenzial: Insgesamt wären 46.000 Quadratmeter Beckenfläche für Solarfaltdächer geeignet, was rund sieben Fußballfeldern entspricht. Damit könnte die Kläranlage ihre Rolle als nachhaltiges Energiezentrum weiter ausbauen und noch mehr sauberen Strom direkt am Standort erzeugen.