Am Mittwochnachmittag wollten die Freien Wähler in einem italienischen Restaurant im Berliner Regierungsviertel die Eröffnung ihres Hauptstadtbüros feiern. Bei der Feier mit 70 Gästen fehlte jedoch der Parteivorsitzende Hubert Aiwanger, der eigentlich die Rede halten sollte. Bereits am Morgen hatte Aiwanger gegenüber Vertrauten über Unwohlsein geklagt. Der bayerische Digitalminister sprang spontan ein und sagte in seiner Rede: "Wir brauchen im Bundestag nicht noch eine Dagegen-Partei, sondern eine positive Kraft, die Zukunft gestalten möchte".
Auch interessant
Sorge um den abwesenden Parteichef
Da Aiwanger stundenlang nicht auf Nachrichten reagierte, eilten Kollegen nach dem Ende der Veranstaltung gegen 17 Uhr in das Hotel "Neuer Fritz" in Berlin-Mitte. Als die Zimmertür geöffnet wurde, entdeckten sie den 55-jährigen Politiker leblos. Um 19 Uhr trafen die Einsatzkräfte der Polizei ein. Aiwanger lag tot in seinem Bett, sein blaues Jackett hung auf einem Kleiderbügel neben der Tür. Hinweise auf ein Verbrechen ergab die Obduktion am Tag danach nicht. Seit Franz Josef Strauß ist es das erste Mal, dass ein bayerischer Regierungspolitiker während seiner Amtszeit verstirbt.
Die letzten Tage des Politikers
In den Tagen zuvor gab es keine Anzeichen für gesundheitliche Probleme. Am Montagmorgen besuchte Aiwanger eine Veranstaltung der Handwerkskammer in Schwandorf zum Thema künstliche Intelligenz im Handwerk. Auf die Frage seines Parteifreundes Martin Scharf, ob es ihm gut gehe, antwortete Aiwanger: "Ja, fralle". Am Dienstag nahm der Wirtschaftsminister an einer Tagung des Zentralverbands der Oberflächentechnik in Niedernberg teil.
Letzte Nachricht vor der Anreise
Am späten Dienstagvormittag schickte Aiwanger seine letzte Kurznachricht auf X. Bezugnehmend auf Krawalle nach Gen-Z-Protesten und eine Berichterstattung über "erlebnisorientierte Jugendliche" forderte er, dass Polizei und Justiz "mit Rückendeckung der Politik dafür sorgen, dass ihnen diese Lust vergeht. Sonst ufert das immer mehr aus." Am Dienstagabend reiste er nach Berlin und checkte im Hotel an der Friedrichstraße ein. In der Nacht zum Donnerstag wurde der Leichnam von der Gerichtsmedizin abtransportiert.