"Iss deinen Spinat, der macht dich stark!" oder "Trink bloß kein Wasser zu den Kirschen!", solche Sätze haben viele von uns schon als Kinder gehört. Manche Ernährungstipps werden über Generationen weitergegeben, ohne dass jemand ihre Richtigkeit hinterfragt. Andere klingen wissenschaftlich, sind aber nur teilweise richtig. Wir zeigen dir, welche zehn Ernährungsmythen du getrost hinterfragen kannst.
1. Kaugummi bleibt sieben Jahre im Magen
Wer als Kind versehentlich einen Kaugummi verschluckt hat, bekam vielleicht Angst vor einem jahrelangen Aufenthalt im Bauch. Doch Entwarnung: Der Körper kann die Kaugummibasis zwar nicht wie gewöhnliche Nahrung verdauen, sie wandert aber normalerweise durch den Verdauungstrakt und wird wieder ausgeschieden.
2. Nach Kirschen darf man kein Wasser trinken
Diese Warnung kennen viele noch von ihren Großeltern: Wer Kirschen isst und anschließend Wasser trinkt, bekommt Bauchschmerzen. Wissenschaftlich belegt ist diese Behauptung nicht. Die Verbraucherzentrale Bayern sieht keinen Grund, nach dem Kirschenessen auf Wasser zu verzichten.
Eine mögliche Erklärung für den alten Mythos ist die früher teilweise mangelhafte Trinkwasserqualität. Heute kannst du Kirschen also grundsätzlich mit einem Glas Wasser genießen.
3. Spinat ist eine wahre Eisenbombe
Popeye hat es uns jahrzehntelang vorgemacht: Dose Spinat auf, Muskeln an. Tatsächlich enthält Spinat Eisen, ist aber nicht ganz der Superstar, als der er oft dargestellt wird.
Das Problem ist nicht, dass Spinat kein Eisen enthält, sondern dass der Körper pflanzliches Eisen weniger gut aufnimmt als Eisen aus tierischen Lebensmitteln. Außerdem können bestimmte Inhaltsstoffe wie Polyphenole die Aufnahme hemmen. Spinat bleibt trotzdem ein nährstoffreiches Gemüse und liefert unter anderem Folat und Carotinoide.
4. Schokolade verursacht unreine Haut
Du hast einen Pickel entdeckt und verdächtigst sofort die Schokolade vom Vorabend? Ganz so einfach ist es nicht. Akne entsteht durch mehrere Faktoren, darunter Hormone, Talgproduktion und Entzündungsprozesse. Die Ernährung kann dabei eine Rolle spielen, die Forschung ist aber noch nicht eindeutig.
Eine Übersichtsarbeit zu Ernährung und Akne fand Hinweise auf mögliche Zusammenhänge mit bestimmten Lebensmitteln, darunter Schokolade. Die Studienlage erlaubt jedoch keine pauschale Aussage, dass Schokolade bei allen Menschen Pickel verursacht.
5. Kaffee entzieht dem Körper Wasser
Der morgendliche Kaffee zählt nicht als Flüssigkeit? Doch! Koffein kann zwar harntreibend wirken, aber bei Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, führt ein moderater Konsum nicht automatisch zu einer Dehydrierung.
Eine Studie mit gesunden, gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinker fand bei moderatem Kaffeekonsum keine Hinweise auf eine schlechtere Flüssigkeitsversorgung im Vergleich zum Trinken von Wasser.
6. Glutamat ist grundsätzlich ungesund
Glutamat hat einen schlechten Ruf und wird oft pauschal als ungesunder Geschmacksverstärker bezeichnet. Dabei kommt Glutamat auch natürlicherweise in Lebensmitteln wie Tomaten und bestimmten Käsesorten vor. Als Zusatzstoff wird es verwendet, um den herzhaften Umami-Geschmack zu verstärken.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Menge unproblematisch wäre. Glutamate sind in der EU als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für zugesetzte Glutamate eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge festgelegt. Bei bestimmten Bevölkerungsgruppen kann die geschätzte Aufnahme diesen Wert überschreiten.
7. Vitamin D gibt es nur aus tierischen Lebensmitteln
Vitamin D ist vor allem durch Fisch, Eier und bestimmte tierische Produkte bekannt. Daraus entsteht schnell der Eindruck, dass eine pflanzliche Ernährung keine Vitamin-D-Quellen bieten kann. Ganz stimmt das nicht.
Pilze können Vitamin D₂ enthalten. Wie viel davon vorhanden ist, hängt unter anderem von der UV-Lichtexposition ab. Manche Pilze werden gezielt mit UV-Licht behandelt, um ihren Vitamin-D-Gehalt zu erhöhen.
8. Tiefkühlgemüse ist weniger gesund als frische Ware
Frisch ist immer besser? Nicht unbedingt. Obst und Gemüse verlieren nach der Ernte abhängig von Lagerung, Temperatur und Zeit bestimmte Nährstoffe. Tiefkühlprodukte werden häufig kurz nach der Ernte verarbeitet und eingefroren, wodurch viele Nährstoffe gut erhalten bleiben können.
Laut der Harvard T. H. Chan School of Public Health können tiefgekühlte und konservierte Produkte deshalb durchaus mit frischer Ware mithalten. Bei manchen Lebensmitteln können sie sogar mehr bestimmte Nährstoffe enthalten als lange gelagerte Frischware.
9. Weißbrot ist ungesund
Weißbrot wird häufig verteufelt, während Vollkornbrot als die einzig gesunde Wahl gilt. Tatsächlich enthält Vollkornbrot meist mehr Ballaststoffe und bestimmte Nährstoffe, weil bei der Herstellung das ganze Getreidekorn verarbeitet wird. Bei Weißmehl werden hingegen Kleie und Keimling entfernt.
Trotzdem ist Weißbrot nicht automatisch ungesund. Es liefert Energie und kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Wer regelmäßig Weißbrot durch Vollkornvarianten ersetzt, nimmt allerdings meist mehr Ballaststoffe auf, die unter anderem für die Verdauung wichtig sind.
10. Konserven enthalten kaum noch Nährstoffe
Ob Bohnen aus der Dose, Tomaten aus der Konserve oder Mais aus dem Glas: Konservierte Lebensmittel gelten oft als minderwertige Alternative zu frischen Produkten. Dabei können sie durchaus wichtige Nährstoffe liefern.
Durch das Erhitzen bei der Konservierung können zwar hitzeempfindliche Vitamine verloren gehen. Andere Nährstoffe bleiben aber weitgehend erhalten. Tomaten aus der Dose liefern beispielsweise weiterhin Carotinoide, und Hülsenfrüchte aus der Konserve sind eine praktische Quelle für pflanzliches Eiweiß und Ballaststoffe.