Kulturelles Erbe

Stadt Wien kauft Jelinek-Archiv um 600.000 Euro

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Kurz vor dem 80. Geburtstag von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek am 20. Oktober hat die Stadt Wien bekanntgegeben, einen Teilvorlass der Autorin für die Wienbibliothek im Rathaus anzukaufen.
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Für den "erhaltenen Teil des literarischen Archivs" werden 600.000 Euro bezahlt. Diese Summe wurde entsprechend den Erwerbungsrichtlinien auf Grundlage eines internen und eines externen Gutachtens ermittelt. Der Antrag wird am Dienstag im zuständigen Gemeinderatsausschuss behandelt.

Der Bestand umfasst laut einer Aussendung Werkmanuskripte und Typoskripte, Korrespondenzen, Lebensdokumente sowie von Jelinek selbst angelegte Sammlungen zur Rezeption ihres Werks von ihren publizistischen Anfängen bis in die 2000er-Jahre. Die Bestände sollen wissenschaftlich erschlossen und öffentlich zugänglich gemacht werden.

Ludwig: "Ein kulturelles Erbe von Weltrang"

"Elfriede Jelineks Werk wird auf der ganzen Welt gelesen, gespielt und diskutiert. Dass ihr literarisches Archiv in Wien bewahrt und für kommende Generationen gesichert wird, ist für uns als Kulturstadt von großer Bedeutung. Wien übernimmt damit Verantwortung für ein kulturelles Erbe von Weltrang", wurde Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zitiert. Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) nannte den Ankauf einen "großen Gewinn für Wien und die internationale Literaturforschung".

"Die Wienbibliothek im Rathaus versammelt seit rund 150 Jahren Bestände bedeutender Schriftsteller und Schriftstellerinnen, von Franz Grillparzer, Marie von Ebner-Eschenbach über Karl Kraus bis zu Friederike Mayröcker", so Direktorin Anita Eichinger. "In dieser Reihe wird die Übernahme der Materialien Elfriede Jelineks einen Höhepunkt darstellen."

FPÖ kritisiert Ankauf

Kritik übte der Kultursprecher der FPÖ Wien, Lukas Brucker, in einer Aussendung. "An allen Ecken und Enden muss gespart werden, besonders im Kulturbereich. Und dann werden für Elfriede Jelinek einfach 600.000 Euro locker gemacht. Das ist eine Provokation für alle Wiener, die sich das Leben nicht mehr leisten können, aber auch für die unter der Sparpolitik der Ludwig-SPÖ leidenden Kulturschaffenden", so Brucker, der eine Gemeinderatsanfrage ankündigte.