Côte d’Azur
Streit um Palais: Mucha ist jetzt Präsident!
Mit einem emotionalen Bericht wandte sich Verleger Christian W. Mucha an die Öffentlichkeit und schilderte einen monatelangen Konflikt um ein geschichtsträchtiges Palais in Nizza. Das prachtvolle Jugendstil-Anwesen an der Côte d’Azur, das insgesamt 17 Miteigentümern gehört, war nach Angaben des Verlegers über Jahrzehnte hinweg Schauplatz fragwürdiger Machenschaften einer alteingesessenen französischen Elite.
Wie Mucha detailliert offenlegte, hatten eine renitente Hausverwaltung und ein skrupelloser Präsident das Gebäude seit Jahren nach eigenem Gutdünken regiert. Internationale Miteigentümer seien regelmäßig schikaniert, beschimpft und mit haltlosen Anzeigen überzogen worden, die jedoch allesamt ohne Verfahren blieben.
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Massive Kostenexplosionen bei Sanierungsarbeiten
Der Stein kam schließlich im Frühjahr ins Rollen, als ein Beschluss für die Sanierung der Außenfassade in Höhe von 1,3 Millionen Euro präsentiert wurde, der noch vor Muchas Erwerb einer der Wohnungen durchgewunken worden war. Die ausgeführten Arbeiten erwiesen sich als mangelhaft. Nachdem der Wiener Verleger zwei Gegenangebote über 720.000 Euro und 740.000 Euro vorgelegt hatte, konnte nach harten Auseinandersetzungen zumindest eine Preisreduktion und Nachbesserung durchgesetzt werden. Ähnlich gelagert war ein Offert für die Innenmalerei über 120.000 Euro, das Mucha auf 72.000 Euro herunterverhandelte.
Angesichts dieser Vorkommnisse begann Mucha eine akribische Recherche. Über 100 Arbeitsstunden investierten er und seine Ehefrau Ekaterina, um sämtliche Eigentümer ausfindig zu machen. Da das Paar neben Deutsch fließend Englisch, Französisch, Italienisch und Russisch beherrscht, führten sie die Verhandlungen in den jeweiligen Muttersprachen der Parteien. Dabei stellte sich heraus, dass die einheimischen französischen Eigentümer in Wahrheit in der Minderheit waren. Eine Koalition aus Österreichern, Engländern, Italienern, Kanadiern, Russen, Kasachen, Ukrainern sowie einem Franko-Libanesen bündelte schließlich 55 Prozent der Anteile.
Tumulte bei der Generalversammlung am 23. September
Am 23. September kam es bei der mit Spannung erwarteten Generalversammlung zum Showdown. Trotz massiver Einschüchterungsversuche, Schreiorgien, fremdenfeindlicher Beschimpfungen und offener Klagsdrohungen setzte die von Mucha geführte Allianz ihre Mehrheit durch. Bei allen 18 Tagesordnungspunkten erzielte das internationale Bündnis ausnahmslos über 55 Prozent der Stimmen. Selbst der Versuch der alten Verwaltung, den gemeinsamen Anwalt der Gruppe von der Sitzung auszuschließen, wurde mit einem juristischen Schachzug vereitelt: Der Jurist übernahm kurzerhand das Mandat eines Eigentümers per Vollmacht und blieb im Raum.
Infolgedessen wurde die bisherige Hausverwaltung mit sofortiger Wirkung abgewählt. In den neu gewählten siebenköpfigen Vorstand zogen neben Mucha fünf seiner Verbündeten ein, wodurch die Reformer über eine komfortable Sechs-zu-eins-Mehrheit verfügen. Die Witwe eines französischen Milliardärs, die sich zuvor noch abfällig darüber geäußert hatte, warum Personen ohne französische Sprachkenntnisse überhaupt stimmberechtigt seien, scheiterte mit lediglich 21 Prozent der Stimmen krachend.
Wahl zum neuen Präsidenten von "Babylon"
Am Freitag folgte die formelle Krönung des Coups: Sechs der sieben Vorstandsmitglieder wählten Christian W. Mucha via Umlaufbeschluss zum neuen Präsidenten der Liegenschaft. Ausschlaggebend war eine flammende Rede des Österreichers, in der er in mehreren Sprachen das Ende der Schikane sowie demokratische Gleichbehandlung aller Bewohner forderte. Als ein französischer Eigentümer dazwischenrief, er sei ein Verräter („Vous êtes un traître“), konterte Mucha schlagfertig, dass alle Bewohner gleich zu behandeln seien, selbst wenn man hier wie im biblischen Babylon zusammenlebe.
Mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet, kündigte der frisch gekürte Präsident an, nun zügig eine neue Hausverwaltung zu bestellen und das Palais im Sinne aller Eigentümer zu sanieren. Bereits am Tag nach der Abstimmung schloss sich ein weiterer französischer Eigentümer der neuen Mehrheit an. Mucha bezeichnete die juristische Auseinandersetzung im französischen Rechtssystem als eine der anspruchsvollsten Aufgaben seines Lebens, blickt der Zukunft des Anwesens nun jedoch mit Zuversicht entgegen.