Ängste reduzieren

Therapiehunde sollen in steirische Klassenzimmer

© Apa/Schneider
Sie sollen Ängste reduzieren, Vertrauen schaffen und bei Konflikten helfen. Die Bildungsdirektion unterstützt die Initiative, ein erster Ausbildungslehrgang ist bereits ausgebucht.
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Steiermark. Prüfungsangst, Mobbing, aggressives Verhalten und steigende Suspendierungszahlen stellen Schulen zunehmend vor Herausforderungen. Die Plattform Tiergestützte Pädagogik fordert deshalb, Tiere stärker in den Schulalltag einzubinden. Besonders ausgebildete Therapiehunde könnten dabei helfen, Konflikte zu entschärfen und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Auch die steirische Bildungsdirektion unterstützt diesen Ansatz.

Bei einem Symposium in Graz wurden die Möglichkeiten der tiergestützten Pädagogik anhand praktischer Beispiele und wissenschaftlicher Erkenntnisse diskutiert.

Hunde können Ängste & Aggressionen abbauen

Laut Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal können Hunde im Klassenzimmer eine positive Wirkung auf das Verhalten und Wohlbefinden von Schülern haben. Sie schaffen Vertrauen, fördern die Motivation und können dazu beitragen, Ängste und Aggressionen zu reduzieren. Besonders deutlich zeige sich dies bei Kindern, die Schwierigkeiten beim Vorlesen haben. Während sie sich vor anderen Menschen häufig unsicher fühlen, fällt ihnen das Vorlesen gegenüber einem Hund oftmals leichter.

Kotrschal betont allerdings, dass Tiere keine Lehrkräfte ersetzen können. Vielmehr sollen sie deren pädagogische Arbeit unterstützen. Auch außerhalb der Schule sieht der Verhaltensbiologe positive Auswirkungen des Zusammenlebens mit Hunden. Laut Studien würden Hundebesitzer um 18 Prozent seltener einen Arzt aufsuchen.

Dass Tiere auch in besonders belastenden Situationen helfen können, zeigte sich nach dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse in Graz. Dort wurden Hunde eingesetzt, um Schüler bei der Verarbeitung des Erlebten zu unterstützen.

Therapiehunde warten auf ihren Einsatz in den steirischen Klassenzimmern. © AFP

Mehr als 200 Suspendierungen in der Steiermark

Der langjährige Schulpsychologe Josef Zollneritsch, Initiator der Plattform Tiergestützte Pädagogik, fordert einen regelmäßigen Einsatz von Tieren an Schulen. Als besonders besorgniserregend bezeichnet er die steigende Zahl der Suspendierungen. Im vergangenen Jahr wurden in der Steiermark mehr als 200 Schüler vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen.

Zollneritsch sieht darin ein deutliches Warnsignal. Tiere könnten seiner Einschätzung nach gerade bei Jugendlichen einen Zugang ermöglichen, die auf pädagogische Maßnahmen von Erwachsenen nur schwer ansprechen. Durch ihre Zuwendung und ihre emotionale Wirkung könnten Hunde helfen, Vertrauen aufzubauen und schwierige Situationen zu entschärfen. Besonders sinnvoll wäre es laut Zollneritsch, wenn entsprechend ausgebildete Tiere regelmäßig im Schulalltag verfügbar wären.

Erster Ausbildungslehrgang bereits ausgebucht

Unterstützung erhält die Initiative von der steirischen Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner. Sie sieht in der tiergestützten Pädagogik eine Möglichkeit, die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. An der Pädagogischen Hochschule Augustinum wird seit diesem Jahr ein entsprechender Lehrgang angeboten. Das Interesse ist groß: Sämtliche 26 Ausbildungsplätze sind bereits vergeben.

Für den Einsatz von Therapiehunden in Schulen gelten allerdings bestimmte Voraussetzungen. Die Tiere benötigen eine entsprechende Ausbildung, außerdem muss ein Hygieneplan vorliegen. Auch die Zustimmung der Eltern ist erforderlich. Tiergestützte Angebote beschränken sich nicht ausschließlich auf Schulen. Entsprechende Therapien werden beispielsweise auch auf sogenannten Green-Care-Bauernhöfen angeboten.

Ein Therapiehund mitten im Klassenzimmer bei den Schülerinnen und Schülern. © APA/Schneider

Schülerinnen & Schüler sollen unterstützt werden

Die Plattform hofft, dass solche Angebote künftig stärker im Bildungsbereich verankert werden. Ziel ist es, Schüler bei emotionalen und sozialen Schwierigkeiten zusätzlich zu unterstützen und das Schulklima nachhaltig zu verbessern.