FALL DER WOCHE

Tochter (4) ertrank im Pool: So kam es zur Tragödie

© Continental, RAI
In Tränen endet der Urlaub einer Kärntner Familie an der Adria in Italien. Am Tag vor der Heimreise ertrinkt die jüngste der drei Töchter im Hotelpool. Neueste Erkenntnisse zeigen, wie es zu der furchtbaren Tragödie kommen konnte.
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Kärnten, Ravenna. Es war der letzte Urlaubstag für eine fünfköpfige Familie aus Villach, die nicht das erste Mal im Hotel Continental in Milano Marittima bei Cervia - in einer Unterkunft in bester Lage gleich direkt am Strand - ihre Ferien verbracht haben. Der Vater soll schon seit seiner eigenen Kindheit immer wieder hierher gekommen sein.

Das Drama nahm nach dem Mittagessen seinen Lauf: Die Mutter war mit den beiden älteren Töchtern aufs Zimmer gegangen, um zu packen, der Vater (55) blieb mit der Jüngsten zunächst im Restaurant zurück.  Aktuellen Berichten informierter Medien vor Ort zufolge war der Kärntner nicht, wie ursprünglich kolportiert, gegen 14 Uhr plötzlich ebenfalls ins Zimmer im Obergeschoß gegangen und hatte die kleine Tochter allein zum Spiel unten gelassen. Was sich tatsächlich zugetragen hat, ist anfangs viel banaler, baut sich aber in kürzester Zeit zur Katastrophe auf.

Das traumhafte Hotel direkt am Strand - hier kam es zur Katastrophe für eine Kärntner Familie. © ??

Mädchen versuchte dreimal zu entwischen

Demnach war der Vater im Speisesaal geblieben, hatte noch etwas konsumiert oder hatte gelesen, als Magdalena (4) ihn um Erlaubnis gebeten haben soll, im Spielzimmer gegenüber, direkt auf der anderen Seite des Restaurants, spielen zu dürfen. Der Vater sagt "Ja, natürlich" - und wird dieses beiläufige Okay wohl für sein Leben lang bereuen. Wie die Überwachungskameras zeigen, versuchte die Kleine daraufhin zweimal, das Hotel zu verlassen, wobei sich die automatische Tür, die mit einer auf Erwachsenengröße kalibrierten Lichtschranke ausgestattet ist, sich jedoch nicht öffnete. Beim dritten Versuch, ins Freie zu entwischen, traf das Kind auf einen Gast, der soeben ins Gebäude hereinkam, und nutzte die Gelegenheit, um hinauszuschlüpfen - der Gast bekam das gar nicht mit.

Ermittlungen beim Pool, in dem die 4-Jährige ums Leben kam. Autopsie bestätigte Tod durch Ertrinken. © RAI TV

Bursche schlief, während Mädchen ertrank

Laut Rekonstruktion fand Magdalena ein Tor zum Pool offen vor - obwohl der Zugang zu dem Schwimmbecken samt anschließendem Kleinkindbereich im Zeitraum von 13 bis 15 Uhr nicht erlaubt war, wie ein Schild anzeigte, was das vierjährige Mädchen vermutlich aber nicht lesen konnte.

Auch ein Teenager-Bursche, der laut italienischen Zeitungsberichten auf einer Liege neben dem Pool geschlafen haben soll, hatte das Verbot ignoriert - er ging kurz daraufhin weg, ohne zu bemerken, dass sich neben ihm Schreckliches abgespielt hatte. Zu seiner Entschuldigung sei angeführt, was Ärzte und Experten wissen und immer wieder davor warnen: Kinder ertrinken leise (da sie reflexartig die Luft anhalten, unter Wasser geraten und nicht mehr aus eigener Kraft auftauchen können. Sie treiben oft reglos oder mit dem Gesicht nach unten an der Wasseroberfläche). Zwei weitere Jugendliche, die vorbeikamen, bemerken dann, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Zunächst hatten sie noch gedacht, dass es eine Puppe wäre, die im Wasser treibt - doch dann sahen sie genauer hin. Geschockt zogen die Jugendlichen das Mädchen aus dem Becken und schlugen Alarm.

Es  war noch keine Viertelstunde vergangen, seit der Vater Magdalena zuletzt gesehen hatte, zwischenzeitlich soll er sogar von den ebenso ahnungslosen Hotelbesitzern, zwei Brüdern  (58 und 68) aus Cervia, gebeten worden sein, gemeinsam etwas zu erledigen. Vermutlich ging es um Formelles wegen des Auscheckens der Familie.

Italienische Medien berichteten über die tragischen Ereignisse in MIlano Marritima. © RAI TV

Dann wurde es immer unruhiger, lauter im Continental. Ein Hotelgast, ein Arzt, der hier Urlaub machte, eilte zum Pool, der Vater und die Hotel-Chefs hinterher, vor Ort war leider nichts mehr zu machen, die Kleine wurde in kritischem Zustand ins Bufalini-Krankenhaus nach Cesena gebracht, wo sie verstarb. Wie auch die Obduktion Mitte der folgenden Woche bestätigte, ist die 4-Jährige nach 7 bis 8 Minuten, die sie im und unter Wasser war, ertrunken.

Ermittelt wird sowohl gegen den Vater, und zwar wegen möglicher Vernachlässigung der Aufsichtspflicht, als auch gegen die beiden Hotelbetreiber - bei ihnen geht es um den Verdacht der fahrlässigen Tötung rund um die zentrale Fragen, ob und warum ein Zugang zum Pool offen war und ob es den Vorschriften entspricht, dass es hier keine Badeaufsicht gibt.

Die völlig verstörten Hinterbliebenen indes sind nach Villach zurückgekehrt und werden sich - nach Überstellung der Leiche von Magdalena - wohl im engsten familiären Kreis von ihrem Engel verabschieden.