Insolvenz-Welle

Traditions-Gasthaus in Kitzbühel ist pleite

© Instagram/ schwarzer_adler_jochberg
Ein herber Schlag für die Tiroler Traditionsgastronomie: Über das renommierte Gasthaus "Schwarzer Adler" im Zentrum von Jochberg wurde am Landesgericht Innsbruck ein Insolvenzverfahren eröffnet. Die Geschichte der beliebten Einkehr reicht bis in das Jahr 1482 zurück.
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Wie die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV Europa am Montag bekanntgaben, wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Betreibergesellschaft "Schwarzer Adler Jochberg GmbH" nicht vom Betrieb selbst angemeldet. Stattdessen brachte ein Gläubiger den entsprechenden Antrag bei Gericht ein, woraufhin die rechtlichen Schritte eingeleitet wurden.

Der Traditionsbetrieb beschäftigt derzeit sieben Mitarbeiter, deren berufliche Zukunft vorerst ungewiss ist. Das Landesgericht Innsbruck bestellte den Kitzbüheler Rechtsanwalt Alexander Katholnig zum Insolvenzverwalter, der nun die wirtschaftliche Gesamtsituation durchleuchten muss.

Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 280.000 Euro

Nach ersten Erhebungen ist der Schuldenstand des gastronomischen Betriebs beträchtlich, wenn auch im Rahmen vergleichbarer Verfahren im Mittelstand. Die wichtigsten Eckdaten der aktuellen Insolvenz stellen sich wie folgt dar:

  • 280.000 Euro Passiva: Die Höhe der aushaftenden Verbindlichkeiten beläuft sich nach Eigenangaben der Schuldnerin auf rund 280.000 Euro.
  • 7 Dienstnehmer betroffen: Für die Angestellten der Gastwirtschaft hängt das weitere Vorgehen von den Entscheidungen der kommenden Tage ab.
  • Gläubigerantrag: Das Verfahren wurde nicht eigeninitiativ, sondern durch eine externe Forderung initiiert.
  • Insolvenzverwalter: Rechtsanwalt Alexander Katholnig aus Kitzbühel übernimmt die rechtliche und finanzielle Prüfung des Betriebs.

Zu den konkreten Auslösern, die zur Zahlungsunfähigkeit geführt haben, gibt es derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse. "Über die Gründe dieser Insolvenz liegen uns derzeit noch keine geprüften Informationen vor. Diese Ursachen werden wir in Zusammenarbeit mit der Insolvenzverwaltung erheben", erklärte der KSV1870 in einer ersten Stellungnahme.

Einkehr mit über 540 Jahren Wirtshausgeschichte

Das Gasthaus im Bezirk Kitzbühel gilt als echtes kulturhistorisches Juwel des Landes Tirol. Die Wurzeln des Hauses reichen weit zurück – die Chronik datiert die Anfänge auf das Jahr 1482, mithin eine Dekade vor der historischen Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus.

Auf der eigenen Firmen-Homepage zeichnete die Betreibergesellschaft ein stolzes Bild des Hauses: "Die Geschichte des Schwarzen Adlers begann lange vor der Entdeckung Amerikas. Der Schwarze Adler ist das Wirtshaus der Kaiser & Freiheitskämpfer, damals wie heute! Im Zentrum von Jochberg (Bezirk Kitzbühel) strahlt dieser wunderschöne Ort seit 1482 und begeistert die Gäste mit gut bürgerlicher Wirtshausküche und edlen Tropfen."

Das Konzept setzte konsequent auf Handwerk und Regionalität: "In Zeiten wo gute Wirtshäuser seltener werden, machen wir es umso mehr zum Ziel ein Ort der Begegnung für alle sein. Mit bedingungsloser Qualität und Respekt vor heimischen Lebensmitteln. Ein Ort voller Geschichten und Leben. Ein Ort an dem man sich wohl fühlt! Ein Daheim! Wir wollen das Wissen von Generationen auf den Teller bringen, modern interpretiert, von den Besten produziert. Darum fertigen wir vor Ort - frisch und unverfälscht, mit besten Zutaten und einen eigenem Metzgermeister im Haus."

Ungewisse Zukunft: Fortführung des Wirtshauses wird geprüft

Ob der Betrieb der traditionsreichen Gaststätte in Jochberg trotz des Insolvenzverfahrens aufrechterhalten werden kann, liegt nun in den Händen der Insolvenzverwaltung. Das oberste Ziel der Gläubigerschützer besteht darin, das vorhandene Vermögen zu sichern und Nachteile für Gläubiger abzuwenden.

"Ob die Insolvenzverwaltung den schuldnerischen Betrieb ohne weitere Nachteile für die Gläubiger fortführen kann, wird sich zeigen. Diese Entscheidung wird zeitnah zu treffen sein", betonte der KSV1870. Entscheidend sei nun vor allem, ob die Schuldnerin in der Lage ist, nachvollziehbar darzustellen, dass eine Sanierung und Fortführung auf wirtschaftlich soliden Beinen stehen kann. Eine Richtungsentscheidung über die Zukunft des Traditionshauses wird für die kommenden Wochen erwartet.