Das Band zwischen dem europäischen Fußballverband UEFA und dem Weltverband FIFA scheint endgültig zerschnitten, solange Gianni Infantino an der Macht ist. Obwohl man die Verkaufs-Pläne der WM wieder verworfen hat und sich Infantino öffentlich entschuldigt hatte, bleibt die Boykott-Drohung weiter aufrecht. Damit ist es weiterhin möglich, dass die nächste Endrunde ohne europäischen Teilnehmer stattfindet, sollte der Schweizer an der Spitze der FIFA bleiben.
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Nach einer dpa-Anfrage unterstreicht man, dass die Bedingungen, um die Drohung zurückzunehmen, bisher nicht erfüllt wurden. "Erstens mussten die Vorschläge zum Verkauf der grossen Wettbewerbe zurückgezogen werden. Zweitens mussten Zusicherungen gegeben werden, dass solche Versuche, den Fussball auf diese Weise zu entstellen, nie wieder unternommen werden", lässt man wissen.
Außerdem habe der Präsident, der im März 2027 weiterhin die Wiederwahl anstrebt, sämtliches Vertrauen verspielt. Noch dazu habe Infantino bei der Notfall-Sitzung der FIFA am Mittwoch gleich den nächsten Fehler begangen. Um sich Unterstützung außerhalb Europas zuzusichern, versprach er Marokko, das die WM 2030 mit Spanien und Portugal ausrichtet, die Zusage für die Finale-Austragung.
Spanien will Finale ausrichten
Spaniens Sportminister MIlagros Tolon stellte umgehend klar: "Wir werden weiter daran arbeiten, denn wir wollen und es muss so sein –, dass das WM-Finale in Spanien stattfindet."
Trotz aller Turbulenzen hatte Infantino davor nach der für ihn gelungenen Notfallsitzung ein positives Fazit gezogen und von "einem Tag voller konstruktiver und positiver Gespräche mit Mitgliedern der FIFA-Geschäftsleitung" gesprochen. In einer FIFA-Mitteilung hieß es zudem: "Zur Vermeidung jeglicher Missverständnisse bekräftigen der FIFA-Generalsekretär (Grafström, Anm.) und das anwesende Management Board ihre uneingeschränkte Unterstützung für FIFA-Präsident Gianni Infantino als den einzigen offiziellen Repräsentanten, der von den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden gewählt wurde."
Umgekehrt betonte auch Infantino seine volle Unterstützung für Grafström. Der Schwede hatte zuletzt angesichts des gescheiterten Plans zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren in einer internen Mail an FIFA-Mitarbeiter von einer "traurigen und tadelnswerten Reihe von Ereignissen" gesprochen. Der Weltverband räumte in diesem Zusammenhang Fehler ein. Es herrsche Einigkeit darüber, dass es nicht beabsichtigt gewesen sei, dem FIFA-Rat und den FIFA-Mitgliedsverbänden "das Gefühl zu geben, vom Prozess ausgeschlossen zu sein, und dass der Prozess anders hätte gehandhabt werden sollen."
UEFA bleibt hart
Zugleich gab sich der Weltverband kämpferisch und drohte. "Die FIFA wird keinerlei Angriffe mehr auf ihre Integrität dulden und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um ihren Namen und ihren Ruf zu schützen und zu wahren."
Im März kommenden Jahres wird die FIFA-Chefposition neu gewählt. Infantino ließ in Rabat keinen Zweifel daran, dass er für eine weitere Amtszeit bis 2031 antreten werde. In der Nacht nach dem Krisengipfel postete Infantino die Unterstützungsschreiben aus der Mongolei sowie von den Philippinen. In Europa hatten zuletzt eine Handvoll Nationen angekündigt, den FIFA-Chef nicht mehr unterstützen zu wollen.
Vor allem englische Medien lancieren immer neue Gerüchte, die Infantino schwächen sollen. "The Sun" kommentierte: "Infanti-No GO! Unglaublicherweise wird Infantino von den FIFA-Führungskräften dabei unterstützt, sein Amt weiter auszuführen." Die "Times" schrieb, Infantino habe Marokko die Austragung des WM-Finales versprochen. Die FIFA dementierte dies umgehend. Um den Mann aus dem Wallis zu stürzen, gibt es mehrere Optionen: das aus 37 Mitgliedern bestehende FIFA-Council, bei dem eine Mehrheit eine Krisensitzung einberufen könnte. Oder eine außerordentliche Sitzung des FIFA-Kongresses, für die 43 von 211 Stimmen nötig wären.