Drohung an Europa
Trump-Botschafterin: "Können jede Regierung stürzen"
Laut Recherchen des "Wall Street Journal" soll Guilfoyle bei einem Abendessen am 18. März in der US-Botschaft in Athen mit Blick auf die politische Krise in Rumänien gesagt haben: "Wir können das in jedem Land machen, in dem wir wollen. Wir können das auch hier."
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Gemeint war offenbar die Möglichkeit, eine Regierung zu Fall zu bringen. Der griechische Energieminister Stavros Papastavrou soll darauf erwidert haben, dass die USA eine demokratisch gewählte Regierung nicht einfach stürzen könnten. Guilfoyles Anwalt weist die Darstellung zurück. Eine Tonaufnahme oder ein schriftliches Protokoll des Gesprächs wurde bislang nicht veröffentlicht.
Für zusätzliche Brisanz sorgt eine weitere Recherche der "Financial Times". Demnach reiste Guilfoyle kurz nach dem Treffen nach Bukarest und sprach dort unter anderem mit führenden Vertretern der rumänischen Sozialdemokraten (PSD), darunter Parteichef Sorin Grindeanu und der damalige Energieminister Bogdan Ivan. Wenige Wochen später zerbrach die Regierungskoalition, die PSD ging in die Opposition und beteiligte sich später an dem parlamentarischen Vorgehen gegen Premierminister Ilie Bolojan.
Einen direkten Zusammenhang zwischen Guilfoyles Kontakten und dem Sturz der Regierung gibt es allerdings bislang nicht. Die "Financial Times" betont, dass nicht geklärt sei, ob die US-Botschafterin die PSD tatsächlich zum Verlassen der Koalition gedrängt habe. Grindeanu weist eine Absprache mit Washington zurück.
Energie als möglicher Hintergrund
Eine wichtige Rolle spielt offenbar auch die Energiepolitik. Guilfoyle setzt sich laut den Berichten für den sogenannten "Vertical Corridor" ein, über den US-Flüssiggas von Griechenland über Südosteuropa bis in Richtung Ukraine transportiert werden soll. Bei ihren Gesprächen in Bukarest soll sie zudem auf größere Käufe von US-LNG durch Rumänien gedrängt haben.
Der damalige Regierungschef Bolojan unterstützte den Ausbau des Korridors grundsätzlich, wollte wegen der eigenen rumänischen Gasvorkommen aber offenbar keine deutlich höheren LNG-Importe aus den USA. Laut "Financial Times" gehörte dieser Streit zu den Spannungen innerhalb der damaligen Koalition.
Zusätzliche Aufmerksamkeit richtet sich auf den griechisch-amerikanischen Energielobbyisten Christos Marafatsos. Laut "Wall Street Journal" begleitete er Guilfoyle mehrfach zu hochrangigen Treffen. Marafatsos ist als Lobbyist für das griechische Bauunternehmen Aktor Group registriert und ist kein Mitarbeiter der US-Botschaft. Guilfoyles Anwalt und Aktor weisen Vorwürfe eines unzulässigen Einflusses zurück.
In Griechenland und Rumänien werden nun Forderungen nach Aufklärung laut. Die griechische Regierung weist eine Drohung gegen die eigene Regierung zurück. Regierungssprecher Pavlos Marinakis erklärte, es habe "niemals eine Bedrohung gegen die griechische Regierung gegeben". Eine solche Entwicklung werde "niemals toleriert". Gleichzeitig verlangt die Opposition Aufklärung darüber, was bei dem Treffen in Athen tatsächlich gesagt wurde.