Bitter
Türkei-Traumstand wird zur Plastik-Hölle
Das Çukurova-Delta ist für seine außergewöhnliche Natur bekannt und beherbergt zahlreiche Zugvogelarten sowie Schildkröten. Dieses Ökosystem wird jedoch zunehmend durch Abfälle aus dem Ausland bedroht, die eigentlich recycelt werden sollen. Über Wasserläufe wie den Fluss Seyhan gelangt Plastikmüll ins Mittelmeer und wird an Strände gespült. Der Seyhan und angrenzende Gewässer leiten schätzungsweise 5,3 Milliarden Mikroplastikpartikel pro Stunde ab.
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Adana als Zentrum für Recycling
Nach Chinas Einfuhrverbot im Jahr 2018 nahm die Türkei 2025 die Rekordmenge von 503.000 Tonnen Plastik aus der EU auf. Ein Großteil gelangt in die rund 200 Recyclinganlagen in Adana. Aktivisten und Wissenschaftler berichten jedoch, dass Müll wegen mangelnder Aufsicht deponiert, verbrannt oder in Flüsse eingeleitet wird. Unbehandeltes Abwasser gelangt in Kanäle, die Landwirte zur Bewässerung nutzen, was zu Mikroplastik in Agrarböden führt. Zudem entstehen durch Verbrennungen giftige Gase, und im Meer sind Fischbestände wie der Rote Pandora oder die Seezunge betroffen.
Künftige EU-Regeln ab Ende November
Ende November tritt die überarbeitete EU-Verordnung über die Verbringung von Abfällen in Kraft. Der Ausfuhr von Plastikmüll in Nicht-EU-Länder wird verboten, ausgenommen sind jedoch OECD-Mitglieder wie die Türkei. Die neuen Vorschriften verlangen ausdrückliche Genehmigungen, Prüfungen durch Dritte und erlauben Lieferstopps bei Entsorgungsfehlern. Kritiker wie Berk Butan von Greenpeace Türkei befürchten dennoch steigende Importmengen und fordern ein dauerhaftes Importverbot.
Kapazitäten und illegale Einfuhren
Nach Angaben des türkischen Umweltministeriums verfügen 1263 Anlagen in der Türkei über eine Gesamtkapazität von rund 1,125 Millionen Tonnen. Allerdings stehen dem jährliche Müllimporte von etwa 1,3 Millionen Tonnen sowie 3,3 Millionen Tonnen inländischer Plastikabfall gegenüber. Zudem schlüpfen durch unzureichende Zollkontrollen immer wieder nicht recycelbare Abfälle wie Hausmüll ins Land. Behörden gaben an, dass zwischen Januar 2021 und Februar 2025 fast 30.000 Inspektionen durchgeführt wurden, was zu 227 Stilllegungen und Geldstrafen führte.