Höhen und Tiefen
Ullrich-Rivale packt über Depressionen und Geldnot aus
1996 konnte Bjarne Riis seinen größten Erfolg in seiner sportliche Karriere feiern. Er gewann die Tour de France vor seinem Teamkollegen Jan Ullrich. Gegenüber der französischen Sporttageszeitung "L’Equipe" sagt der Däne, dass er über jene Tour "gemischte Gefühle" hat.
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Riis erklärt: "Eine Mischung aus Stolz und Bedauern. Da ist zum einen die Tour selbst, mein Sieg, das Gelbe Trikot, meine Leistung, der Triumph, die Champs-Élysées. So viele fantastische Momente. Und dann natürlich das, was danach geschah. Es hat mich ganz klar sehr beeinflusst, auf verschiedene Weise, und mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, im Guten wie im Schlechten. Es waren sehr schwierige Zeiten, aber so ist es nun mal, ich kann es nicht ändern. Es gehört zu mir."
Doping-Geständnis 2007
Seit seinem historischen Erfolg kämpfte der Däne gegen Pleite, Depressionen und Doping. 1999 beendete Riis seine Karriere und wurde Sportlicher Leiter bei Rennställen. Er besaß mit CSC sogar sein eigenes Team. 2007 gab er zu, von 1993 bis 1998 mit Epo gedopt zu haben. In der Zeit feierte er seinen einzigen Tour-Erfolg. Heute meint Riis: "Ich habe meinen Frieden gefunden. Ich habe all diese Prüfungen durchgemacht. Aber die Menschen haben immer noch großen Respekt vor mir, und ich weiß das zu schätzen. Es ist wichtig, standhaft zu bleiben, auch wenn es schwerfällt."
Vor 15 Jahren verkündete der Däne, dass er an Depression litt. Riis sagt: "Ich stand viele Jahre unter Druck, das war nicht einfach. Die Anschuldigungen, all das. Irgendwann reicht es einfach, und der Körper kann nicht mehr." Einer der Auslöser war seine finanzielle Probleme. Sein Team Saxo Bank war in einem Finanzskandal verwickelt. Verantwortlich dafür war der Sponsor IT Factory. Riis schildert: "Ich verlor viel Geld, 20 Millionen Euro in vier Jahren, auch mein eigenes."
Verkaufte 2013 sein Team
Er brauchte dringend eine Käufer. Riise fand ihn 2013: "Ich kämpfte darum, das Team über Wasser zu halten. Das gelang mir, bis ich es im Dezember 2013 an Oleg Tinkov verkaufte, weil ich den Druck nicht mehr aushielt. All das zusammen war hart. Ich fiel in diese Depression. Es hat Jahre gedauert, aber ich habe es geschafft, da rauszukommen, und ich würde sagen, ich stehe heute auf der richtigen Seite."
In den 90ern Jahren wurde im Radsport systematisch gedopt, aber beim Team Telekom. Riis ist weiterhin überzeugt, dass er seinen Erfolg von 1996 wegen der "Gleichheit der Waffen" in der Doping-Ära zu recht gewonnen hat. Riis betont: "Natürlich bin ich stolz darauf, die Tour gewonnen zu haben. Ich dem Jahr war ich der Stärkste. Bereue ich die Umstände? Ja, das tue ich. Wir sollten sie alle bereuen, alle, die im Radsport aktiv sind. Aber ich kann sie nicht ändern, ich muss damit leben, und ich denke, der Rest der Welt auch. Leider war es eben so damals."
Mittlerweile lebt der Däne mit seiner Frau, der Handball-Olympiasiegerin und ehemaligen Weltmeisterin Anne Tanderup (54), nicht mehr in der Schweiz sondern in seiner Heimat, in Vejle. Er sitzt derzeit in mehreren dänischen Unternehmen im Aufsichtsrat. Über den Sport erzählt Riis: "Ich verfolge den Radsport, ich kommentiere auch Rennen, aber ich habe andere Interessen und möchte jetzt andere Dinge tun."