Todeskampf

Untere Lobau kämpft ums Überleben

© APA/HARALD SCHNEIDER
Extreme Trockenheit und Hitzewellen haben dem einzigartigen Schutzgebiet einen verheerenden Schlag versetzt – Naturschützer sprechen von einem regelrechten Todeskampf der Au.
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„Extrem schlecht" – Alarmstufe Rot

Braune Wiesen, abgestorbene Weiden, Pegel, die längst kein Wasser mehr erreichen: Die zwölf trockensten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen haben tiefe Narben hinterlassen. „Wenn ich in der Lobau, die ein Viertel des Nationalparks Donau-Auen ausmacht, solche Zustände habe, dann gefährde ich Lebensräume der Arten, die hier ihr letztes Refugium haben", warnt WWF-Experte Michael Stelzhammer eindringlich.

„Todesstoß" durch fehlendes Wasser

Der Grund für das Drama liegt über 150 Jahre zurück: Seit der Donauregulierung 1870 ist die Untere Lobau fast völlig von der Donau abgeschnitten – und verlandet seither schleichend. „Das Fehlen des Wassers ist ein Todesstoß, der nicht schnell geht, sondern sich über Jahrzehnte hinzieht", so Stelzhammer. Die Diagnose ist eindeutig, doch die Rettung lässt auf sich warten.

Stadt zögert – Naturschützer laufen Sturm

Während der WWF eine sofortige Wasserzuleitung aus der Donau als Akutmaßnahme fordert, verweist die Stadt auf ein Grundwasserströmungsmodell, das erst Ende des Jahres erste Ergebnisse liefern soll. Der Grund: Angst vor verunreinigten Trinkwasserbrunnen. Für Stelzhammer ist das nichts als Verzögerungstaktik: „Seit den Nullerjahren macht man eine Studie nach der anderen und beobachtet. Aber wie man sieht, läuft der Lobau die Zeit davon!"

Selbst Nothilfe reicht nicht aus

Selbst wenn Wasser aus der Oberen in die Untere Lobau fließt, wie es das marode Staudiglwehr künftig ermöglichen soll – in einer Dürreperiode wie dieser wäre das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Verschärfend kommt hinzu: Die fortschreitende Eintiefung des Donaubetts lässt den Wasserstand in der Au zusätzlich sinken. „Wenn sich die Donau weiter eintieft, entkoppelt sich das System", warnt der WWF-Mann.

Brüssel-Chance verpasst?

Brisant: Im EU-Renaturierungsplan, den Österreich bis 1. September einreichen muss, fehlt die Untere Lobau komplett – und damit auch mögliche EU-Fördergelder. Die Stadt hält dagegen: Man wolle die Fläche im nächsten Verhandlungszyklus nachmelden, sollte das Grundwassermodell grünes Licht geben.

In zehn Jahren nur noch Geschichte?

Die Warnung der Naturschützer könnte dramatischer nicht sein: Ohne rasches Handeln drohe der Lobau in zehn Jahren das endgültige Aus als echtes Augebiet – sie würde aussehen „wie jede andere Landschaft in Österreich auch". Dabei hätte längst gerettet werden können, was jetzt verloren zu gehen droht: Schon in den frühen 2000er-Jahren gab es konkrete Renaturierungspläne inklusive Wasserzuleitung und Trinkwasseraufbereitung. Das Projekt wurde gestoppt – warum, ist bis heute ein Rätsel.

Zusätzlicher Druck: Besucheransturm und Feuergefahr

Als wäre die Dürre nicht genug, wächst auch der Andrang von Erholungssuchenden Jahr für Jahr. Immer mehr Menschen zieht es in die Au – und immer öfter abseits der erlaubten Wege. Erst Anfang August sorgte vermutlich eine achtlos weggeworfene Zigarette für einen Vegetationsbrand. Die bittere Pointe: Bereits am nächsten Tag waren wieder Besucher mit Zigarette in der Lobau unterwegs.