Trauriger Rekord
Verletzte Tauben überlasten Erstaufnahme
Verletzte Tiere, gebrochene Flügel und völlig entkräftete Tauben beschäftigen derzeit den Wiener Tierschutzverein. Mehr als 150 Tiere müssen in der Erstaufnahme in Vösendorf intensiv versorgt werden. So viele Tauben gleichzeitig gab es dort nach Angaben des Vereins in seiner 180-jährigen Geschichte noch nie. Insgesamt befinden sich derzeit rund 250 Tauben in Betreuung.
Für zusätzliches Entsetzen hat kürzlich ein Fall im Bereich der der U-Bahn-Station Spittelau gesorgt. Dort wurden mindestens lebende Tauben mit Geschossen im Körper gefunden. Wegen des Verdachts der Tierquälerei wurde Anzeige erstattet. In der Erstaufnahme landen unterdessen Tiere mit offenen Wunden, Infektionen, Brüchen oder starker Abmagerung. Manche von ihnen wären ohne intensive Betreuung innerhalb kurzer Zeit nicht überlebensfähig.
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Nur vier Taubenschläge für rund 50.000 Tiere
Gleichzeitig wächst auch in den Bezirken der Druck, das Taubenproblem besser in den Griff zu bekommen. Hotspots gibt es etwa rund um den Julius-Tandler-Platz, den Leopoldauer Platz oder den Bahnhof Wien Mitte. Die Stadt setzt dabei unter anderem auf betreute Taubenschläge. Dort bekommen die Tiere geeignetes Körnerfutter, während ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden. So soll der Bestand langfristig sinken.
Für die zumindest 50.000 Stadttauben gibt es derzeit allerdings nur vier betreute Schläge. Mehrere Bezirke wollen deshalb nachziehen. Am Alsergrund und in Floridsdorf wird nach geeigneten Flächen gesucht, auch die Innere Stadt hat Interesse angemeldet. In Margareten, Rudolfsheim-Fünfhaus und Währing befinden sich bereits konkrete Standorte in Planung. Auch Landstraße beschäftigt sich wegen der Situation rund um den Bahnhof Wien Mitte mit einem möglichen Taubenschlag. Zusätzlich verschwinden immer wieder bisherige Rückzugsorte der Tiere.
Zuletzt musste der Wiener Tierschutzverein acht Tauben von einem Dachboden retten. Werden Dachböden ausgebaut oder Nistplätze geschlossen, weichen die Tiere auf Bahnhöfe, U-Bahn-Bereiche oder Häusergesimse aus.
Kritik am Fütterungsverbot
Der Wiener Tierschutzverein fordert deshalb mehr betreute Taubenschläge, einen kontrollierten Eieraustausch und geeignetes Körnerfutter statt Brot oder Speiseresten. Auch tierquälerische Methoden zur Vertreibung der Tiere lehnt der Verein ab. Dass Verbote allein das Problem lösen können, bezweifeln die Tierschützer. In Linz beschloss der Gemeinderat am 24. September ein ganzjähriges Fütterungsverbot für Straßentauben. Bei Verstößen drohen dort Strafen von bis zu 218 Euro. Ausnahmen für betreute Taubenschläge oder den Taubenschutz sind nicht vorgesehen. "Wir können nicht Intensivstation, Auffangbecken und Alarmsirene zugleich sein, während draußen weiter geschossen, verbaut und verboten wird", kritisiert Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins. "Noch so viele Verbote machen diesen Kurs nicht besser."
Wo Taubenfüttern erlaubt ist
In Wien ist das Füttern von Tauben mit artgerechtem Futter auf Privatgrund erlaubt, sofern der Eigentümer zustimmt. Das teilte Florian Hutz vom Wildtierservice der MA 49 auf Anfrage mit. Auf Straßen mit öffentlichem Verkehr sowie auf öffentlich zugänglichen Grün- und Wasserflächen darf laut Wiener Reinhaltegesetz hingegen kein Futter ausgebracht werden. Die MA 49 weist zudem darauf hin, dass Futter Tauben anlockt und dadurch größere Ansammlungen entstehen können.