Kunden-Abzocke
Vorsicht vor der "Taxi-Mafia" in Wien
Fahrgäste berichten am Hauptbahnhof immer wieder von dubiosen Praktiken beim Taxistand. Eine Wienerin, die mit ihren Nichten unterwegs war, sollte für eine Strecke nach Grinzing im 19. Bezirk 85 Euro bezahlen, schildert die Presse einen Vorfall einer genervten Kundin.
Normalerweise kostet diese Fahrt nur etwa ein Drittel dieses Betrags. Vor Ort spielte sich eine Frau als inoffizielle Zuteilerin auf, obwohl Fahrgäste ihre Taxiwahl frei treffen dürfen. Als die Kundin verlangte, das Taxameter einzuschalten, verweigerten die Fahrer dies und gaben an, wegen angeblich zu viel Gepäcks niemanden mitnehmen zu können. Ein Taxilenker, der die Fahrt schließlich regelkonform durchführte, sprach von einem systematischen Druck vor Ort: Wer dort stehe, müsse bei der Masche mitmachen.
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Abzocke seit Jahren bekannt
Die Schilderungen sind kein Einzelfall. Auf Diskussionsplattformen wie Reddit teilen bis zu 200 Personen ähnliche Erfahrungen über Wucherpreise und Abzocken am Standplatz. Bereits vor zwei Jahren gab es Berichte über unzulässige Fixpreise, abgelehnte Kunden und selbsternannte Standplatz-Chefs. Die Taxi-Zentrale 40100 bestätigt gegenüber der Presse, dass es immer wieder zu solchen Vorfällen kommt und gesetzestreue Fahrer den Hauptbahnhof meiden. Gesetzlich ist geregelt, dass bei einem spontanen Einstieg ausschließlich der Tarif des Taxameters gilt. Nur bei Vorbestellungen per App oder Telefon darf ein Fixpreis vereinbart werden, der den Standardtarif um höchstens 20 Prozent abweichen lässt.
Maßnahmen und scharfe Kontrollen
Die Taxi-Innung der Wirtschaftskammer Wien bezeichnet solche Vorfälle als Verstöße einzelner schwarzer Schafe und verweist auf wöchentliche Sitzungen ihrer Beschwerdekommission. Seit Juli 2024 sind in den Fahrzeugen Hinweise zu den Fahrgastrechten sowie ein QR-Code für Online-Bewertungen verpflichtend vorgeschrieben. Bei einer Schwerpunktaktion der Finanzpolizei im April standen Steuerdelikte und Sozialbetrug im Fokus. Dabei wurden zwei Fahrzeuge wegen offener Steuerschulden gepfändet und eine Person ohne Sozialversicherung festgenommen. Die Einhaltung der Taxitarife fällt jedoch nicht in den Zuständigkeitsbereich der Finanzpolizei.
Behörden sehen keine Häufung
Die Polizei teilt mit, dass ihr am Wiener Hauptbahnhof derzeit keine Häufungen strafrechtlich relevanter Sachverhalte im Zusammenhang mit Taxiunternehmen bekannt seien. Für die Kontrolle und Ahndung verwaltungsrechtlicher Verstöße bezüglich der Taxitarife verweist die Exekutive auf die Zuständigkeit der Stadt Wien.