Kammer-Boss

Walter Ruck - Ein Präsident kämpft mit dem Protokoll

© Andreas Tischler / Vienna Press
Von Walter Ruck wird abgerückt. Der 62-Jährige steht seit 2014 an der Spitze der Wiener Wirtschaftskammer.
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Aussagen während eines offenbar launigen Abends im kleinen Kreis, die von Unbekannten aufgezeichnet wurden, haben ihm Ungemach beschert. Zwar hat er sich dazu noch nicht geäußert, es droht ihm nun sogar die Verbannung aus seiner politischen Heimat, der ÖVP.

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Der am 6. August 1963 geborene Wiener ist studierter Bauingenieur sowie Baumeister. Er leitet ein von seinem Vater gegründetes Unternehmen, das vor allem im Bereich Fassadensanierung tätig ist. Spitzenfunktionen bekleidete er auch in der Interessensvertretung bereits einige. 2005 wurde er Bau-Landesinnungsmeister, später fungierte er als Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk.

Folgte auf Kammerchefin Jank

2014 trat die damalige Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank als Chefin des Wiener Wirtschaftsbunds zurück. Ruck ergriff die Gelegenheit und bewarb sich um den Posten in der mächtigen ÖVP-Teilorganisation, wobei es letztendlich zu einer Kampfabstimmung mit einem weiteren Bewerber kam. Ruck gewann das Duell, wenig später wurde er im Juni 2014 als Obmann der stärksten Fraktion auch zum Präsidenten der Wirtschaftskammer gekürt.

Als solcher setzte er in alter Tradition auf ein gutes und partnerschaftliches Verhältnis zur Stadt. Zunächst war hier noch Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) sein Ansprechpartner, der einst auch mit dem früheren Kammerchef Walter Nettig eng war. Mit Häupls Nachfolger Michael Ludwig (SPÖ) wurde die Zusammenarbeit fortgesetzt. Ludwig war zuvor als Stadtrat für Wohnbau zuständig und dem WKW-Chef damit gut bekannt.

Kammer und Stadt waren und sind in Einrichtungen wie der Wirtschaftsagentur oder dem Arbeitsmarktfonds waff gemeinsam engagiert. Zudem wurden in der Ära Ruck eine Vielzahl von Projekten aus der Taufe gehoben. Erst jüngst wurde die Fortsetzung einer "Zukunftsvereinbarung" unterzeichnet. Weder Ruck noch Ludwig verhehlten, dass in ihren Parteien die Partnerschaft oft auch skeptisch beäugt wurde.

Die ÖVP konnte etwa davon nicht unmittelbar profitieren, immer wieder landete sie bei Wahlen unter der 10-Prozent-Marke. In der Stadt und Kammer verweist man hingegen auf Erfolge, etwa auf Wirtschaftsdaten. Dass Wien hier zuletzt ein durchgehendes Wachstum verzeichnet hat, heftete man auf die eigenen Fahnen. Als eines der Highlights der Kooperation gilt wohl das gemeinsam ins Leben gerufene Corona-Testprogramm "Alles Gurgelt".

Übersiedlung in neue Zentrale

Auch in der Wirtschaftskammer setzte Ruck auf Zusammenrücken. Die in der Stadt verteilten Büros wurden in einem zentralen Gebäude am Praterstern versammelt, das 2019 bezogen wurde. Dafür wurde unter anderem der Hauptsitz am Stubenring aufgegeben. Mehr Effizienz und weniger Kosten sollte die Maßnahme bringen. Für Mitglieder wurde vor Kurzem ebenfalls eine Entlastung angekündigt, die Kammerumlage soll bis 2029 um 25 Prozent sinken.

Die Turbulenzen in der Wirtschaftskammer Österreich überstand der passionierte Zigarrenraucher noch ohne gröbere Blessuren. Dass er das höchste Gehalt - genannt Funktionsentschädigung - aller Länderpräsidenten erhält, sorgte nur kurz für Debatten. Die WKW sei unter anderem der größte private Bildungsanbieter in Wien, verteidigte Ruck seine Bezüge.

Für ihn schienen vor nicht allzu langer Zeit sogar noch Karrieresprünge denkbar. So wurde er immer wieder als Wiener ÖVP-Obmann gehandelt. Als diese im Vorjahr nach der Wahlniederlage wieder einmal auf Chefsuche war, dräuten aber auch bereits dunkle Wolken über Rucks Reich - und das nicht nur, weil er den angeblich von ihm unterstützten Kandidaten nicht durchbrachte.

Auch Familie involviert

Es tauchten Ende Jänner Berichte auf, dass er seine beiden Söhne und seine Lebensgefährtin mit Funktionen versorgt hat. Ruck verteidigte die Entsendung seiner Familienmitglieder in die Landesstellenausschüsse der Sozialversicherungsträger. Auch ein Büro im kammereigenen Schloss Herberstein - das als Seminarzentrum dient - war plötzlich Thema. Dass beim Bezug der neuen Zentrale der Immobilienkonzern Signa rund um Rene Benko involviert war, sorgte ebenfalls für Spekulationen.

Die Protokolle machten Ruck endgültig zur "Causa". Er soll sich in trauter Runde in einer Art und Weise abfällig über eine Reihe von Personen geäußert haben. Auch Parteifreundinnen und -freunde wurden offenbar nicht geschont. Er soll sogar darüber geplaudert haben, einer Vizepräsidentin in der Kammer "befohlen" zu haben, nicht für die Wien-Wahl zu kandidieren, damit sein Sohn den begehrten Platz erhält.

Zumindest diese Darstellung hat die Betroffene vehement zurückgewiesen. Ruck selbst hat die Angelegenheit bisher nicht kommentiert.