Nach OP

Doskozil überrascht mit tieferer Stimme

Mann im weißen Hemd sitzt bei einer Pressekonferenz, Mikrofone vor ihm, ernster Ausdruck.
© APA/HANS KLAUS TECHT
Burgenlands Landeschef Doskozil ist nach der  Kehlkopfentfernung mit tieferer Stimme zurück. Er habe keine Atemprobleme mehr, aber sich über bundespolitische Themen "viel geärgert".
OE24 auf Google bevorzugen

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat sich nach seiner Kehlkopfentfernung im April am Freitag zum ersten Mal öffentlich zu Wort gemeldet. Doskozil besitzt nun eine Stimmprothese und klingt damit recht tief. Das Luftholen, das ihm vor der Operation bereits sehr schwer fiel, fällt nun weg. Der Landeshauptmann erklärte, sich laufend mit der Nachrichtenlage auseinandergesetzt und sich mitunter geärgert zu haben - etwa über die Gesundheitspolitik.

"Keine leichte Entscheidung"

Der Landeshauptmann erläuterte, aufgrund der Verknöcherung des Kehlkopfs im April erneut in die Klinik nach Leipzig gefahren zu sein. Dabei habe er mit einer weiteren Operation gerechnet. Dann jedoch musste er sich mit der Option der gänzlichen Entfernung auseinandersetzen.

Ein Mann sitzt während einer Pressekonferenz neben Mikrofonen und Flaggen in einem hellen Raum.
Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Freitag, 24. Juli 2026, im Rahmen einer Pressekonferenz in Eisenstadt. © APA/HANS KLAUS TECHT

"Es war keine leichte Entscheidung, weil ich nicht wusste, was da auf mich zukommt." Es gebe unterschiedliche Erfahrungswerte, manche Betroffene würden rasch wieder eine Stimme erlangen, bei anderen gelinge dies überhaupt nicht, weil etwa die Prothese nicht angenommen wird. Für rund zwei Monate nach dem Eingriff durfte er überhaupt nicht sprechen. Bei einer Kontrolle Anfang Juni habe man gesehen, dass alles in Ordnung sei, und nach wenigen Tagen konnte Doskozil mit dem Sprachtraining beginnen. Logopädie mache er auch jetzt noch einmal die Woche, das beste Training sei aber das tägliche Sprechen im Alltag, meinte er.

Große Pläne: Radtour, intensive Termine

"Ich bin sehr positiv überrascht, dass es in dieser Weise funktioniert, und das ist eine neue Lebensqualität." Dies bezieht sich vor allem darauf, dass er vor der Operation bereits große Probleme mit dem Atmen gehabt habe: "Ich konnte keinen Sport machen." Nun plant er sogar eine Radtour für den Herbst - ohne E-Bike. Mit dem Fortschritt zeigte sich der Landeshauptmann äußerst zufrieden: "Das schaut ausgezeichnet aus. Ich mache Bürotermine, teilweise intensive, das funktioniert alles."

Über Gesundheitspolitik im Bund verärgert

Die politischen Themen habe er alle mitverfolgt "und mich hat vieles geärgert". Dies motiviere ihn, wieder in den politischen Alltag einzusteigen. Er nannte hier etwa die Gesundheitspolitik und warnte einmal mehr vor Spitalsschließungen. Gefragt nach seiner Meinung in der Causa Ruck erklärte er, froh zu sein, "gewissen Verbindungen" immer fern geblieben zu sein.

Gedanken darüber, ob er sich die Politik noch weiter antun solle, habe er sich in der Form nicht gemacht, es sei eher darum gegangen, ob das Reden wieder funktioniert und er weitermachen kann. Ambitionen auf die Bundespolitik hat er aktuell keine. Grundsätzlich könnte er aber aus medizinischer Sicht auch dort tätig sein - dies heiße aber nicht, dass er vorhabe, bundespolitisch tätig zu sein. Die Fragestunde im Landtag im September will er wieder absolvieren: "Es gibt keine Handicaps im täglichen Ablauf."

Das Sprechen selbst sei für ihn nun wesentlich einfacher als zuletzt. Die Stimmlage werde sich noch ein bisschen ändern, wobei es eine "tiefe Stimme" bleiben werde. Das System wird regelmäßig gereinigt, dies sei bereits eine tägliche Routine. Eine Kanüle soll noch im Herbst entfernt werden und schlussendlich werde es auch nicht mehr notwendig sein, mit der Hand gegen das System zu drücken - "freihändiges Sprechen" soll ihm dann wieder möglich sein. Bei den Medien bedankte sich der Landeshauptmann für die Fairness in den vergangenen Monaten: "Das ist in Zeiten wie diesen nicht selbstverständlich." Sowie bei seiner Frau für die Unterstützung: "Sie hat viel auf sich genommen."

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden