Das legendäre Fünf-Sterne-Hotel du Cap-Eden-Roc im südfranzösischen Antibes ist seit über hundert Jahren der Rückzugsort für Royals, Stars und Superreiche. Doch zuletzt sorgte eine neue Gästegruppe für Unmut: Influencer, die das Nobelhotel zunehmend als Kulisse für ihre Social-Media-Inszenierungen nutzten. Statt Entspannung und Privatsphäre standen offenbar immer häufiger Fotoshootings auf dem Programm. Dem Management platzte nun offenbar der Kragen – mit einer klaren Ansage.
Das Mittagessen als Alibi für den perfekten Post
Laut dem Hotel reservierten immer wieder sogenannte "Schein-Gäste" einen Tisch für das Mittagessen, kreuzten jedoch mit vollgepackten Taschen voller Kleidung und Schmuck auf. Statt das gute Essen zu genießen, nutzten sie die Buchung als Ticket in die Welt der Reichen und Schönen.
Das Essen wurde zur Nebensache, während auf dem malerischen Gelände des Hotels ein stundenlanger Foto-Marathon stattfand, ständige Outfitwechsel inklusive. Einige Content-Creator setzten sich Berichten zufolge nicht einmal an den reservierten Tisch im Restaurant, sondern tigerten auf der Suche nach dem perfekten Instagram-Motiv über das Anwesen.
Gäste fühlten sich gestört
Für das Hotel du Cap-Eden-Roc, das seit seiner Eröffnung im Jahr 1870 auf Diskretion, Eleganz und "Quiet Luxury" setzt, war das ein Albtraum. Hotelmanagerin Sophie Volant zog nach vielen Beschwerden nun die Reißleine. Gegenüber dem Fachmagazin Travel Weekly erklärte sie, dass sich langjährige Stammgäste zunehmend gestört fühlten: "Wir haben viele treue Gäste, die das Hotel nicht als Hotel, sondern als ihr Sommerhaus betrachten", so Volant. „Und sie möchten, dass ihr Sommerhaus privat bleibt. Wir mussten uns eine Lösung überlegen.“
Kein Shooting ohne Erlaubnis
Um den Foto-Wahnsinn zu stoppen, hat das Luxusresort strenge Hausregeln eingeführt. So sind Fotoshootings auf dem gesamten Gelände ab sofort ohne vorherige, offizielle Genehmigung strengstens untersagt. Wer in öffentlichen Bereichen posiert oder sich nicht an die Etikette hält (wie etwa geschlossene Schuhe beim Abendessen), wird zudem vom Personal freundlich, aber bestimmt ermahnt.
Außerdem gilt am Infinity-Pool ein striktes Handy- und Fotoverbot, um die Privatsphäre der anderen Gäste zu schützen. Wer auf den Social-Media-Fame nicht verzichten oder einfach eine schöne Erinnerung an seinen Aufenthalt möchte, muss dennoch nicht verzweifeln: Das Hotel bietet mittlerweile gegen eine Gebühr einen hauseigenen Fotografen-Service an.
Ein weltweiter Trend: Das Ende der Instagram-Kulissen?
Das Hotel du Cap-Eden-Roc ist mit seinem Foto-Verbot nicht allein. Weltweit haben Luxusresorts und Sehenswürdigkeiten genug von der rücksichtslosen Jagd nach Likes. Im berühmten Schweizer Bürgenstock-Resort dürfen Smartphones beispielsweise im Infinity-Pool bereits seit geraumer Zeit nur noch in engen Zeitfenstern (morgens und abends) genutzt werden.Das renommierte britische Privatclub-Netzwerk und weitere Hotels der Spitzenklasse verkleben teilweise sogar die Handykameras ihrer Gäste beim Einlass.
Auch abseits der Luxuswelt haben viele Locations genug vom Selfie-Wahn: Der englische Hofladen The Hollies verbot das Fotografieren tagsüber komplett, nachdem Reality-TV-Stars einen regelrechten Ansturm ausgelöst hatten.
Wahrer Luxus soll heute wieder genau das bedeuten, wofür das Hotel du Cap-Eden-Roc seit jeher steht: Absolute Diskretion und die Fähigkeit, den Moment zu genießen, ganz ohne Filter und Follower.