Belgier besorgt
Wegen Dürre: Droht jetzt die Pommes-Krise?
Kartoffeln, kaum größer als Tischtennisbälle: Was Landwirt Mathieu Comijn derzeit auf seinen Feldern in Amay nahe Lüttich aus der Erde holt, hat mit einer normalen Ernte wenig zu tun. Dabei baut er mit der Sorte Bintje ausgerechnet jene Kartoffeln an, die sich besonders gut für lange, goldgelbe Pommes frites eignen.
Normalerweise müssten die Knollen zu diesem Zeitpunkt ein Vielfaches ihrer aktuellen Größe erreicht haben. Nur wenige Wochen vor der geplanten Ernte sieht es danach allerdings nicht aus, berichtet er der Nachrichtenagentur AFP.
Extremwetter setzt Kartoffeln zu
Schuld ist eine ungünstige Kombination aus Wetterextremen. Ende des Frühjahrs sorgten zunächst heftige Regenfälle und Gewitter für Probleme. Danach folgten außergewöhnlich heiße und trockene Wochen.
Die Folge: Der Boden trocknete aus und verhärtete sich zu kompakten Klumpen. Darin können sich die Kartoffeln schlechter entwickeln und erreichen nicht ihre übliche Größe.
Für Comijn ist die Situation außergewöhnlich. Einen derart problematischen Sommer habe er auf dem Betrieb noch nicht erlebt. Auch sein Vater Stéphane, der seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft tätig ist, erinnert sich kaum an vergleichbare Bedingungen – höchstens an den historischen Hitzesommer 1976.
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Vorräte aus dem Vorjahr retten die Bauern
Für die Familie ist das besonders problematisch, denn auf rund 500 Hektar werden Kartoffeln angebaut und bestehende Lieferverträge müssen trotz der schlechten Ernte erfüllt werden.
Zumindest teilweise kommt nun Hilfe ausgerechnet aus dem vergangenen Jahr. 2025 fiel die Kartoffelernte so üppig aus, dass noch große Mengen eingelagert sind. Teile davon sollten ursprünglich bereits entsorgt werden, um Platz für die neue Ernte zu schaffen. Jetzt werden die alten Vorräte plötzlich wieder wertvoll.
Das Problem betrifft dabei nicht nur einzelne Landwirte. Belgien gilt als weltweit größter Exporteur von tiefgekühlten Pommes frites. Eine schwache Kartoffelernte kann sich deshalb auch weit über die Landesgrenzen hinaus bemerkbar machen.
Pommes könnten teurer werden
Sollten die verfügbaren Mengen tatsächlich knapp bleiben, dürften auch die Preise steigen. Zudem könnten Hersteller gezwungen sein, verstärkt auf Kartoffelsorten auszuweichen, die sich weniger gut für klassische Pommes eignen.
In Belgien wäre das beinahe eine nationale Krise. Bernard Lefèvre, Präsident des belgischen Verbands der Pommesstände und Vertreter von rund 4.500 Betrieben, nimmt die Situation dennoch mit Humor: Kaum eine Nachricht treffe die Belgier so hart wie steigende Preise für ihre geliebte Portion Pommes.
Ganz pessimistisch ist die Branche allerdings nicht. Schwankende Ernten gehören zum Geschäft – einmal gibt es zu viele Kartoffeln und die Preise fallen, im nächsten Jahr werden sie knapp. Bisher habe man noch jedes Jahr eine Lösung gefunden.