"Super Intelligence"
Wegen Trump: Weltweiter Ansturm auf Sloweniens Internet-Endung
In der globalen Tech-Branche bahnt sich nach dem jahrelangen Boom um die Karibik-Endung .ai die nächste spektakuläre Entwicklung auf dem Domain-Markt an. Auslöser des aktuellen Hypes ist ausgerechnet US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der den Begriff "Super Intelligence" wiederholt für seine persönliche Vision einer hochentwickelten künstlichen Intelligenz ins Spiel gebracht hat. Dieser sprachliche Vorstoß hat weltweit Unternehmen, Investoren und Spekulanten auf den Plan gerufen, die sich nun massenhaft Internetadressen mit der Endung .si sichern.
Auch interessant
Was viele nicht wissen: Das Kürzel gehört völkerrechtlich als offizielle Top-Level-Domain zu unserem Nachbarland Slowenien. Experte Fabian Ledl vom heimischen Provider Domaintechnik.at beobachtet die Situation genau. Seine Auswertungen zeigen ein erstaunliches Bild: Seit dem 22. September wurden an jedem einzelnen Tag mehr .si-Domains registriert als Adressen mit der bisherigen Boom-Endung .ai, die eigentlich für Artificial Intelligence steht.
Die Rekordzahlen des slowenischen Domain-Runs
Wie rasant die Kurve nach oben schoss, belegen die offiziellen Zahlen der Registrierungsstellen. An einem gewöhnlichen Septembertag verzeichnete Slowenien im Schnitt rund 100 Neuregistrierungen. Am 23. September explodierten die Zugriffe förmlich, als innerhalb von nur 24 Stunden exakt 3.234 neue .si-Domains angemeldet wurden.
Die Entwicklung der vergangenen Tage im statistischen Überblick:
- Vergleichszeitraum 23. bis 29. September: In dieser kurzen Spanne kamen insgesamt 17.621 neue .si-Domains hinzu.
- Vergleich zur KI-Endung .ai: Auf der Karibik-Domain wurden im selben Zeitraum nur 7.209 Adressen registriert. Slowenien verzeichnete damit das 2,4-Fache.
- Sprung beim Gesamtbestand: Zwischen dem 19. und 29. September kletterte die Gesamtzahl aller registrierten .si-Domains von 241.846 auf 262.319. Das bedeutet ein massives Plus von 8,5 Prozent binnen zehn Tagen.
Spekulanten hoffen auf Millionengeschäfte
Ein erheblicher Teil dieser neuen Adressen wurde jedoch keineswegs für echte Unternehmensauftritte oder funktionierende Webseiten reserviert. Daten des bekannten Registrars Dynadot belegen, dass rund 52 Prozent der dort frisch gesicherten .si-Domains unmittelbar nach dem Kauf direkt wieder auf Handelsplattformen zum Weiterverkauf angeboten wurden.
Besonders eine Adresse sticht dabei ins Auge: Die Web-Adresse "build.si" steht derzeit für astronomische 10 Millionen US-Dollar zum Verkauf. Branchenkenner betonen allerdings, dass ein solches Angebot reine Verhandlungssache ist und die utopische Preisvorstellung des Verkäufers widerspiegelt, keineswegs aber eine garantierte Kaufsumme darstellt.
Kein Geldsegen wie in der Karibik
Der Hype weckt unweigerlich Erinnerungen an das britische Überseegebiet Anguilla. Die Karibikinsel besitzt die Länderkennung .ai und verwandelte diese in eine gigantische Einnahmequelle für den Staatshaushalt. Allein im Jahr 2025 spülten die .ai-Domains sagenhafte 85,3 Millionen US-Dollar in die Kassen der Insel – was rund 47 Prozent des gesamten Staatshaushalts ausmachte.
Für Slowenien ist ein derartiger Geldregen jedoch nicht in Sicht. Die zuständige Vergabestelle Register.si trat Berichten über Millionengewinne bereits entschieden entgegen. Der finanzielle Mehrerlös durch den September-Boom wird in Ljubljana auf verhältnismäßig bescheidene 300.000 Euro geschätzt. Die Abkürzung .si bleibt schlicht die nationale Endung des Landes und keine künstlich geschaffene Marken-Domain. Ob der Hype von Dauer ist oder das Interesse bald wieder auf das Normalmaß abflaut, werden die kommenden Wochen zeigen.