Gesundheit
Wien kocht: Grüne verlangen Hitzeschutzplan
Die Wiener Grünen fordern von der Stadtregierung anlässlich der aktuellen Hitzewelle rasche Soforthilfe und einen langfristigen Hitzeschutzplan. SPÖ und NEOS hätten aus der vergangenen Hitzewelle Ende Juni nichts dazugelernt, kritisierten Peter Kraus, Parteivorsitzender der Grünen Wien, und Michael Luxenberger, Bezirksvorsteher Margareten, am Mittwoch bei einem Pressetermin. Die am Dienstag von der Stadt angekündigten Maßnahmen seien gut, würden aber nicht ausreichen.
Auch interessant
Hitze stelle ein enormes Gesundheitsrisiko dar, sagte Parteivorsitzender Kraus. Das würden Daten zur Übersterblichkeit zeigen: Die Hitzewelle in Westeuropa Ende Juni hatte zu mehr als 10.000 zusätzlichen Todesfällen geführt. In Wien habe die Berufsrettung Ende Juni mit knapp viertausend Einsätzen die drei einsatzstärksten Tage ihrer Geschichte verzeichnet. Seither sind mehrere Wochen vergangen, "passiert ist aber viel zu wenig", kritisierte Kraus. Er habe den Eindruck, dass die Stadtregierung im Sommer "abgetaucht ist". Sie müsse das Wegschauen beenden und "in die Gänge kommen", sagte Kraus.
Sofortmaßnahmen der Stadt für Grüne nicht ausreichend
Die am Dienstag von der Stadt angekündigten Maßnahmen - längere Öffnungszeiten in ausgewählten Bädern und zusätzliche "Coole Zonen" - seien gut, aber nicht ausreichend. Bei den "Coolen Zonen" gebe es "gerade einmal drei Standorte mehr", außerdem hätten nur fünf von 37 auch am Wochenende geöffnet. Bei den öffentlichen Bädern sei Wien "weit davon entfernt, was andere Städte machen", sagte Kraus. Zagreb hätte beispielsweise Freibäder an Hitzetagen gratis zugänglich gemacht. Auch mobile Beschattung und das Bereitstellen von Ventilatoren seien Mittel, um der Bevölkerung während einer Hitzewelle schnell Abhilfe zu schaffen.
Eine zentrale Forderung der Wiener Grünen an die Stadtregierung war, einen Hitze-Krisenstab einzurichten, der einen verbindlichen Hitzeschutzplan mit klaren Prioritäten umsetzen soll. Der Krisenstab solle über Ressortgrenzen hinweg agieren und Maßnahmen zentral steuern. "Wir müssen Hitze endlich als das behandeln, was sie ist - eine Katastrophe", sagte Luxenberger. Das Thema Hitzeschutz sei keine Zukunftsfrage, sondern für viele Menschen Alltag.
Bezirke: Budget und Förderungen fehlen
Aus Bezirkssicht brauche es niederschwellige Angebote, besonders für vulnerable Gruppen wie Ältere, Kinder, Kranke oder Obdachlose. Als Beispiele nannte Luxenberger längere Öffnungszeiten der "Coolen Zonen" auch am Wochenende. So habe das Amtshaus in Margareten zwar als "Coole Zone" geöffnet. Doch damit diese Abkühlungsmöglichkeit auch außerhalb der Bürozeiten zur Verfügung stehen kann, müsse die Magistratsabteilung 34 (Bau- und Gebäudemanagement) als "Hausherrin" die Rahmenbedingungen schaffen.
Die Bezirke stünden zudem vor der Herausforderung, dass die Budgets eingefroren und Förderungen gestrichen wurden. Doch es seien Investitionen notwendig, um den öffentlichen Raum an die Hitze anzupassen, etwa durch Beschattung, Begrünung und Entsiegelung. In der vergangenen Periode von 2020 bis 2025 wären 20 Millionen Euro jährlich im Rahmen der Förderung "Klimafitte Musterstadt" zur Verfügung gestanden, sagte Kraus am Rande der Pressekonferenz zur APA. Diese wurde gestrichen, sei aber nach wie vor notwendig, um den öffentlichen Raum klimafit zu machen.
Kühlungskonzepte für Schulen und Gesundheitseinrichtungen
Handlungsbedarf sahen die Wiener Grünen auch in pädagogischen Einrichtungen und im Gesundheitsbereich: Die Stadt müsse die Sommerferien nützen, um Schulen hitzeresistent zu machen. Für Kindergärten brauche es ein Kühlungskonzept, für Krankenhäuser und Pflegeheime forderte die Partei etwa kühle Aufenthalts-, Arbeits-und Ruheräume. Hitzeschutz sei kein "Nice to have", sondern schütze Menschen vor einer realen Gefahr, appellierten die Wiener Grünen an die Stadtregierung.
Für den öffentlichen Verkehr forderten Kraus und Luxenberger zusätzliche Beschattung für besonders exponierte Öffi-Stationen sowie einen transparenten Plan für die vollständige Klimatisierung.
SPÖ betont Hitzeschutzmaßnahmen
Den Vorwurf, nicht zu handeln, wies man in der Wiener SPÖ am Mittwoch zurück. Die Hitze-Situation werde im Rahmen des AMAS (Austrian Multi-Hazard Advice Service) und städtischer Koordinierungseinrichtungen laufend präzise beobachtet. Ein permanenter Krisenstab, wie ihn die Grünen fordern, sei "reine Panikmache, die den Menschen überhaupt nichts bringt", hieß es in der Aussendung der Wiener SPÖ-Abgeordneten Nina Abrahamczik und Omar Al-Rawi.
Sie verwiesen unter anderem auf die "Coolen Zonen", die längeren Bäderöffnungszeiten sowie auf die Begrünungs- und Entsiegelungsoffensive "Raus aus dem Asphalt". Zudem arbeite man "längst an der klimafitten Modernisierung von Spitälern, Pflegeeinrichtungen und der Bahnhofsvorplätze". (APA)