Tätigkeitsbericht

Wiens Krisenzentren platzen aus allen Nähten

© APA/ROLAND SCHLAGER
Krisenzentren sollen Kinder schützen. Doch in Wien sind die Einrichtungen laut Kinder- und Jugendanwaltschaft überfüllt. Eine Zwölfjährige hat über die Feiertage in drei verschiedenen WGs übernachtet.
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Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien (Kija Wien) hat Mittwoch früh ihren Tätigkeitsbericht 2025 auf ihrer Homepage veröffentlicht. Dabei zeigte sich vor allem ein zentrales Thema, nämlich die Überbelegung in der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11). Die Kija Wien sieht hier bei der Überlastung der Krisenzentren Handlungsbedarf, wie es im Bericht heißt. "Das Jahr 2025 brachte einen alarmierenden Höhepunkt."

"Krisenzentren stehen seit Jahren immer wieder unter hohem Druck", so die Kija Wien. Aber kurz vor Weihnachten 2025 musste ein Aufnahmestopp verhängt werden. "Krisenzentren sind Einrichtungen, in denen junge Menschen während der Gefährdungsabklärung untergebracht werden. Sie müssen Orte des Schutzes und der Stabilität sein", betonte die Organisation.

Schließungen wegen Personalnot

Nachdem über Monate hinweg in allen Kinderkrisenzentren eine Überbelegung - bis zu 15 Kinder statt der vorgesehenen acht - zu verzeichnen war und eines sogar wegen Personalnot schließen musste, wurde als Notmaßnahme ein Aufnahmestopp eingeleitet, kritisierte die Kija Wien. Kinder durften erst aufgenommen werden, wenn es zu einer Entlassung kam. In Notfällen wurde die Aufnahme in einer sozialpädagogischen Einrichtung ermöglicht.

"Überbelag geht immer mit einem Mangel an Betreuung, Aufsicht, Platz und Privatsphäre einher. Das bedeutet, auf Matratzen im Besprechungsraum zu schlafen, keinen Schreibtisch für Hausaufgaben zu haben und in kritischen Gruppenkonstellationen zusammenzuleben", so die Kija Wien. Zudem seien - wie schon in den vergangenen Jahren - die Altersspannen in den Krisenzentren zu groß. So würden in den Kinderkrisenzentren Kinder von drei Jahren bis zum Ende der Schulpflicht Aufnahme finden. "Das führt dazu, dass Kindergartenkinder neben Kindern mit delinquentem Verhalten sowie beeinträchtigten Kindern mit Pflegestufen unter einem Dach betreut werden, und das über viele Monate hinweg", hieß es in dem Bericht. "Kinder und Jugendliche berichteten uns, dass sie sich nicht sicher fühlten, keine Rückzugsmöglichkeiten hätten und auch nicht verstehen würden, warum sie so lange dort bleiben müssen."

Zwölfjährige musste drei Mal umziehen

Um für Sicherheit in den Einrichtungen zu sorgen, wurde 2025 dort wieder vermehrt auf Mitarbeitende aus dem Sicherheitsdienstleistungssektor gesetzt. "Da diese in der Regel weder pädagogisch geschult sind noch Erfahrung im Umgang mit Minderjährigen haben, kam es auch in diesem Zusammenhang zu Kinderrechtsverletzungen", berichtete die Kija Wien. "Unter solchen Umständen lässt sich weder der Schutz von Minderjährigen gewährleisten noch können Krisenabklärungen und Beziehungsarbeit sichergestellt werden." Eine Zwölfjährige berichtete, dass sie kurz vor Weihnachten in eine WG umgezogen sei. Über die Feiertage musste sie in drei verschiedene Wohngemeinschaften übernachten. Nach der Trennung von ihren Eltern und der unruhigen Zeit im Krisenzentrum brauchte sie aber eigentlich Schutz und Stabilität.

Um Krisenzentren wieder zu Orten zu machen, an denen sich junge Menschen in schwierigen Situationen stabilisieren können und wo Perspektiven für sie erarbeitet werden, hat die Kija Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet. Sie plädiert für den Ausbau der Plätze insgesamt, eine weitere Ausdifferenzierung der Altersgruppen, die Gruppenzusammensetzungen nach pädagogischen und nicht allein nach regionalen Aspekten, den Ausbau der intensiven ambulanten Krisenabklärung und die Alternativlösungen für Rückstellungen aus Wohngemeinschaften bzw. von Pflegeeltern.

78 Monitoring-Besuche abgehalten

2025 fanden in den Einrichtungen 78 Monitoring-Besuche statt, davon 19 in Krisenzentren und 59 in Wohngemeinschaften der Wiener Kinder- und Jugendhilfe bzw. von privaten Trägern. Die Besuche erfolgten entweder unangekündigt aufgrund von Beschwerden oder präventiv, damit Kinder und Jugendliche uns kennenlernen konnten. Wahrnehmungen positiver wie negativer Art wurden an die Zuständigen gemeldet.

Weitere zentrale Problemfelder sind die Inklusion in der Elementarpädagogik und Lücken im Kinderschutz an Schulen. Weitere Details will die Kija Wien am Vormittag bei einem Pressegespräch bekannt geben.