Zitterpartie

Winter-Wetterkarten leuchten dunkelrot über den Alpen

© APA/BARBARA GINDL
Schlechte Nachrichten für Österreichs Wintersportler und Tourismusregionen: Die neuesten meteorologischen Langfristmodelle berechnen einen deutlich zu milden Winter im gesamten Alpenraum. Vor allem niedrig gelegene Skigebiete müssen um den rechtzeitigen Saisonstart bangen, während die höchsten Gipfel im Neuschnee versinken könnten.
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Grüne Hänge statt tief verschneiter Winterlandschaften, Regen statt Pulverschnee: Der bevorstehende Winter könnte für viele Skiregionen zur echten Belastungsprobe werden. Diplom-Meteorologe Dominik Jung hat gegenüber dem Portal "merkur.de" die aktuellen Modellberechnungen für Dezember, Jänner und Februar analysiert und zeichnet ein ernüchterndes Bild für alle Schneefans.

Die Vorhersagekarten der Wetterdienste fallen extrem ins Auge: Über den gesamten Alpen dominieren dunkelrote Signalfarben. "Ich habe mir die neuesten Langfristberechnungen für Dezember, Januar und Februar angeschaut, und für Wintersportler sind das keine schönen Bilder. Über den Alpen leuchtet die Karte dunkelrot", erklärt Wetter-Experte Jung. Den Berechnungen zufolge droht der gesamte Winter im Alpenbogen um zwei bis drei Grad wärmer auszufallen als im langjährigen Schnitt. Bereits für den November signalisieren die Wettercomputer eine massive Temperaturabweichung von rund drei Grad nach oben.

Problem für Saisonstart: Wenn Schneekanonen streiken müssen

Das Timing dieser Wärmewelle trifft die heimische Seilbahnwirtschaft empfindlich. Zahlreiche Skigebiete in Österreich planen ihren traditionellen Saisonauftakt für Ende November oder Anfang Dezember. Doch genau in dieser entscheidenden Phase drohen die überdurchschnittlich milden Temperaturen zur unüberwindbaren Hürde zu werden.

Fehlt die weiße Pracht von oben, setzen Bergbahnen üblicherweise auf technische Beschneiung. Doch auch moderne Schneekanonen stoßen an physikalische Grenzen:

  • Warme Nächte verhindern Schneeerzeugung: Bleiben die nächtlichen Temperaturen zu hoch, können die Beschneiungsanlagen gar nicht erst hochgefahren werden.
  • Nutzlose Reserven: Selbst prall gefüllte Speicherteiche und modernste Schneilanzen nützen nichts, wenn die Kälte für die Kristallbildung fehlt.
  • Akute Probleme im Tal: Vor allem niedrig gelegene Wintersportorte in Tälern, den Voralpen und Mittelgebirgen drohen Schwierigkeiten zu bekommen, rechtzeitig fahrbare Pisten anzubieten.

Heftige Niederschläge: Oben Schneechaos, unten Dauerregen

Ein weiterer Faktor verschärft die Ausgangslage zusätzlich: Die aktuellen Wetterkarten prognostizieren für den gesamten Alpenraum signifikant mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel. Auf den ersten Blick klingt das nach perfekten Bedingungen für Skifahrer, die Realität sieht jedoch komplizierter aus.

Durch die überdurchschnittliche Wärme klettert die Schneefallgrenze weit nach oben. In den Tälern sowie in mittleren Lagen droht der Niederschlag überwiegend als Regen niederzugehen. Das hätte verheerende Folgen: Vorhandene Altschneedecken werden durch Regengüsse rasch aufgeweicht oder komplett weggespült. Völlig gegensätzlich gestaltet sich die Situation auf den Bergen: In den höchsten Lagen sorgt dieselbe Wetterkonstellation für gewaltige Neuschneemassen. Zudem bringen die häufigen Tiefdruckgebiete stürmische Winde mit sich, die den Liftbetrieb auf den Bergen empfindlich stören können.

Was Urlauber jetzt beachten müssen: Die Tipps der Experten

Wer bereits für die kommenden Monate einen Urlaub im Schnee plant, sollte seine Strategie anpassen. Gletschergebiete und Skidestinationen mit Pisten deutlich über der 2.000-Meter-Marke bieten bei solch milden Großwetterlagen ungleich bessere Chancen auf perfekte Pisten. Niedrig gelegene Wintersportorte stehen hingegen besonders rund um die Weihnachtsfeiertage vor einem erhöhten Risiko ungünstiger Schneeverhältnisse.

Meteorologe Dominik Jung rät Ski-Urlaubern zu maximaler Flexibilität:

  • Storno-Bedingungen prüfen: Bei der Buchung gezielt Unterkünfte mit flexiblen oder kostenlosen Stornomöglichkeiten bevorzugen.
  • Kurzfristige Prüfung: Die reale Schneelage vor Ort erst unmittelbar vor Reiseantritt detailliert analysieren.

Jung betont abschließend, dass der Skiwinter keineswegs vorab abgeschrieben werden muss. Auch innerhalb eines insgesamt übertemperierten Winters sind markante Kälteperioden jederzeit möglich. Entscheidend wird sein, wann und wie nachhaltig die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken, damit die Beschneiungsanlagen die unverzichtbare Grundbeschneiung sichern können.