Historisches Rätsel

Jesus-Leichentuch: Neue DNA-Spuren sorgen für Wirbel

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Ob es tatsächlich Jesus war, der in das berühmte Leinentuch gehüllt war? Eine aktuelle DNA-Analyse bringt neue Details zum Turiner Grabtuch ans Licht.
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Es gilt als die berühmteste Ikone der Christenheit: das Turiner Grabtuch, das von zahlreichen Gläubigen als Leichentuch Jesu verehrt wird. Das weltberühmte Leinentuch, die Sacra Sindone, zeigt die Ganzkörperabdrücke eines gegeißelten und gekreuzigten Mannes. Ob es sich dabei tatsächlich um Jesus handelt, ist bis heute umstritten. Auch für Gläubige in Österreich bleibt das Objekt faszinierend. Das Grabtuch wird seit 1578 im Dom von Turin aufbewahrt und nur selten öffentlich gezeigt. Mit einer Länge von 4,40 Metern und einer Breite von 1,13 Metern zählt es zu den am intensivsten untersuchten archäologischen Objekten der Welt. Neue DNA-Analysen zeichnen nun ein komplexes Bild seiner Geschichte. Die im Juli in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlichte Studie identifizierte Erbgut von Menschen, Tieren und Pflanzen aus unterschiedlichen Regionen. Die Untersuchung liefert jedoch keine Antwort auf die Frage nach Alter oder Herkunft des Tuchs.

DNA-Analyse deckt Verunreinigungen auf

Stattdessen zeigen DNA-Spuren in Fragmenten des Grabtuchs, die 1978 entnommen und jetzt mit modernen Methoden erneut analysiert wurden, zahlreiche Verunreinigungen auf, die sich im Laufe der Jahrhunderte auf dem Leinentuch angesammelt haben. Die Analysen ergaben unter anderem, dass die Probenentnahme damals ohne Handschuhe und somit nicht unter sterilen Bedingungen erfolgte. Nachgewiesen wurden DNA-Spuren von Karotten, Weizen und Mais, von Haustieren wie Hunden, Katzen, Rindern und Schweinen sowie von der im Mittelmeer heimischen Roten Edelkoralle.

"Trotz der Schwierigkeiten aufgrund der geringen Menge und Qualität des untersuchten Materials konnten wir DNA extrahieren und Genomsequenzen aus sieben der verfügbaren Fragmente gewinnen", erklärte Nicola Rambaldi Migliore von der Universität Pavia, Erstautor der Studie gemeinsam mit Gianni Barcaccia und Giovanni Gabelli von der Universität Padua.

Forscher decken Aschkenasische Linie auf

Die Forscher identifizierten eine vorherrschende genetische Linie, die typisch für aschkenasische Juden ist und exakt mit dem DNA-Profil von Pierluigi Baima Bollone übereinstimmt – jenem Wissenschaftler, der die Proben 1978 entnommen hatte. Der Nachweis von Hautproteinen bestätigte zudem, dass die Probennahme ohne Handschuhe erfolgt war.

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Neben pflanzlicher und tierischer DNA fanden die Wissenschaftler auch ein vielfältiges Mikrobiom. Dieses umfasst nach Angaben des Mitautors Andrea Squartini von der Universität Padua Mikroorganismen, die typisch für die menschliche Haut sind, sowie Gemeinschaften von Archaeen, Bakterien und Pilzen, die mit salzhaltigen Lebensräumen in Verbindung stehen.

Neue genetische Profile entdeckt

Die bei der Probenentnahme entstandenen Verunreinigungen überdeckten einen Großteil der älteren genetischen Spuren. Dennoch konnten die Forscher weitere menschliche DNA-Linien identifizieren, darunter ein in West-Eurasien weitverbreitetes Profil sowie ein selteneres, vor allem im Nahen Osten vorkommendes Profil. Eine zeitliche Einordnung dieser genetischen Linien sei allerdings nicht möglich, erklärte Mitautor Antonio Torroni von der Universität Pavia.

Die katholische Kirche hat sich nie offiziell zur Echtheit des Grabtuchs geäußert. Es gilt daher nicht als Reliquie im strengen kirchenrechtlichen Sinn. Vertreter der Kirche betonen immer wieder, dass die Frage der Datierung für den Glauben nicht entscheidend sei. Die bislang letzte große öffentliche Ausstellung des Grabtuchs fand 2015 statt. Zuletzt wurden 1988 Gewebeproben für wissenschaftliche Untersuchungen entnommen.

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Sindonologie erforscht Ursprung des Tuchs

Die wissenschaftliche Erforschung des Turiner Grabtuchs hat inzwischen sogar eine eigene Bezeichnung: Sindonologie. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort sindon für Leinentuch und der Endung -logie für Lehre oder Wissenschaft ab. Es handelt sich um ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, das Erkenntnisse aus Archäologie, Geschichte, Textilwissenschaft, Chemie, Physik, Biologie, Genetik, Forensik und Theologie miteinander verbindet.

Ziel der Sindonologie ist es, Herkunft, Alter und Geschichte des Grabtuchs zu erforschen sowie die Entstehung des rätselhaften Körperbildes und die Frage zu klären, ob es sich tatsächlich um das Grabtuch Jesu handeln könnte. Dazu werden unter anderem das Leinengewebes, Pollen und andere biologische Spuren, chemische Eigenschaften des Materials sowie historische Quellen untersucht.

Echtheit bleibt weiterhin umstritten

Die Sindonologie bleibt jedoch ein kontroverses Forschungsfeld. Während eine Radiokarbondatierung aus dem Jahr 1988 das Tuch ins Mittelalter datierte, vertreten einige Wissenschaftler die Auffassung, dass die untersuchten Proben durch Verunreinigungen oder spätere Reparaturen beeinflusst worden sein könnten. Neuere Untersuchungen, etwa zu DNA-Spuren oder Mikroorganismen, liefern zwar zusätzliche Erkenntnisse über die Geschichte und den Erhaltungszustand des Grabtuchs. Seine Echtheit können sie bislang jedoch weder eindeutig bestätigen noch widerlegen.