Seit 1972 wurde die koordinierte Weltzeit (UTC) insgesamt 27-mal durch eine zusätzliche Schaltsekunde angepasst. Damit wird die Weltzeit möglichst nahe an der tatsächlichen Erdrotation gehalten.
Doch genau diese Korrekturen sind für moderne Computersysteme zunehmend problematisch. Eine zusätzliche oder fehlende Sekunde kann bei digitaler Infrastruktur zu Störungen führen – etwa bei Telekommunikation, Finanzsystemen, Energieversorgung oder Verkehr.
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Noch schwieriger wäre eine negative Schaltsekunde: Statt eine Sekunde einzufügen, müsste eine Sekunde übersprungen werden. Eine solche Korrektur hat es bisher noch nie gegeben.
Erde dreht sich schneller
Der Hintergrund: Die Erdrotation schwankt ständig. In den vergangenen Jahren hat sie sich zeitweise beschleunigt. Dadurch könnte erstmals eine negative Schaltsekunde notwendig werden.
Genau dieses Risiko wollen die internationalen Experten vermeiden. Das BIPM weist darauf hin, dass eine negative Schaltsekunde für kritische Infrastrukturen ein erhebliches technisches Risiko darstellen könnte.
Entscheidung fällt in Versailles
Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) tagt vom 13. bis 15. Oktober 2026 in Versailles. Am letzten Konferenztag steht das Thema "Continuous UTC" – also eine durchgehend laufende Weltzeit ohne Schaltsekunden – ausdrücklich auf der Tagesordnung.
Nach dem vorliegenden Entwurf soll die neue Regelung am 20. Mai 2027 wirksam werden. Künftig dürfte die Differenz zwischen UTC und der astronomischen Zeit bis zu 3.600 Sekunden – also einer Stunde – betragen. Dadurch soll die Weltzeit für mehrere Jahrhunderte ohne Schaltsekunden auskommen.
Im Alltag merken wir davon kaum etwas
Für die meisten Menschen ändert sich dadurch zunächst praktisch nichts. Die Uhr am Smartphone, am Computer oder an der Wand läuft ganz normal weiter.
Schon heute entspricht unsere gesetzliche Uhrzeit nicht exakt der jeweiligen Sonnenzeit. Zeitzonen und die Sommerzeit sorgen dafür, dass die Uhrzeit je nach Ort deutlich von der tatsächlichen Position der Sonne abweichen kann.
Für Astronomen ist die Änderung wichtiger
Spürbarer ist die Umstellung für Wissenschaftler, die mit der Erdrotation und astronomischer Zeit arbeiten. Dazu gehören unter anderem Astronomen und Fachleute der Geodäsie.
Für die digitale Welt überwiegen dagegen die Vorteile: Eine kontinuierliche Weltzeit soll komplizierte Zeitsprünge vermeiden und damit die Gefahr von Fehlern in technischen Systemen reduzieren. Genau deshalb wird die Abschaffung der Schaltsekunde seit Jahren vorbereitet.