Lichtenberger-González: "Muschelkalk rot" 2021
Martin Lichtenberger und Adriana González – diese burgenländisch-galizische Kombination ist bereits seit vielen Jahren eine große Bereicherung der österreichischen Winzerszene. Von Martins ursprünglich 2 ha elterlicher Rebfläche in Breitenbrunn bis zu den heutigen 10 ha war es ein beharrlicher und im wahrsten Sinne des Wortes steiniger Weg. Passend dazu prägen Muschelkalk und Schiefer die Böden und sorgen für die perfekte Unterlage ihrer Weine. Im Weingarten setzten die beiden auf möglichst viel Natürlichkeit, im Keller auf wenig Intervention.
Die Trauben vergären spontan und dürfen lange auf der Hefe bleiben, ehe es unfiltriert in die Flasche geht. Vinifiziert werden neben der weißen "Leithaberg-Vielfalt" die fast schon unter Raritäten laufenden Muskat Ottonell und Neuburger. Bei dieser Mannigfaltigkeit ist natürlich der Blaufränkisch mehr als nur dabei. Wie alle Weine fällt auch dieser in seiner Stilistik unter das Motto: "Herkunft zählt, Haltung auch!" Schon beim Einstiegswein "Muschelkalk rot" 2021, einer Mischung aus Blaufränkisch und Zweigelt, zeigt sich die Eigenschaft ihrer Weine. Die hauen nicht auf den Tisch, sondern sind eher zurückhaltend, dafür aber sehr tiefgründig. Im großen Holz ausgebaut, zeigt der Wein spürbares Tannin, gleichzeitig eine seidig schlanke Struktur, Eleganz und eine tolle Frische. www.lichtenbergergonzalez.at
Was Lichtenberger-González mit ihrem "Muschelkalk rot" zeigen, findet bei Kolfok eine weiße Entsprechung: Frische, Eleganz und Tiefgang brauchen keine große Geste. Mit seinem Welschriesling "Nolens Volens" 2023 eröffnet Stefan Wellanschitz einen neuen Blick auf das Mittelburgenland.
Vom "Kolfok" - ungefilterte Ansage!
In Sachen Wein zeigt der Trend stark zu schlanken, frischeren und im Alkohol moderateren Exemplaren. Herkunft, Terroir und Typizität sind gefragt. Daher wirken die typisch kräftigen Rotweine aus dem Mittelburgenland samt internationaler Stilistik schon etwas "angestaubt". Mut zur Veränderung wäre angesagt. Stefan Wellanschitz aus Neckenmarkt hat es jedenfalls durchgezogen. Mit seinem Weingut Kolfok (www.kolfok.com) verpasst er den weißen Rebsorten der Region einen selbstbewussten Auftritt. Welschriesling, Grüner Veltliner, Weißburgunder und sogar Furmint bekommen hier Bühne, die ihnen lange verwehrt blieb. Die alten Weingärten werden biologisch bewirtschaftet, und im Keller ist Minimalismus angesagt - kein Pumpen, keine Schönung und Schwefel gegen null. In Summe zeigt er damit, wie markant und charaktervoll Weine aus dem Mittelburgenland sein können. Selbst beim Welschriesling "Nolens Volens" 2023 wird das Image der Trivialität dieser Rebsorte vollkommen entkräftet. Schon die Nase überrascht – Apfel und Quitte treffen auf Kamille und einen Hauch Mango. Die Kalk- und Schieferböden liefern dem Wein eine geniale Tiefe und feine Mineralik. Der Säurebogen zieht sich am Gaumen durch und bringt viel Frische. Dichte, Präzision und Eleganz. Ein ziemlich überzeugendes Statement dafür, dass das Mittelburgenland mehr kann als kräftiges Rot!