Manipulations-Skandal

ADAC-Präsident verspricht Reformen

22.01.2014

Die Kritik um die geschönten Zahlen bei der großen Autowahl reißt nicht ab.

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© APA/dpa-Zentralbild/Arno Burgi
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Als Reaktion auf den Skandal um gefälschte Zahlen beim Autopreis "Gelber Engel" hat ADAC-Präsident Peter Meyer ein Reformprogramm für den Autoclub versprochen. Er werde der Hauptversammlung im Mai Vorschläge unterbreiten, "die dauerhaft für mehr Offenheit, höhere Transparenz und direktere Mitgliedereinbindung sorgen sollen", sagte Meyer am Mittwoch in einer persönlichen Erklärung. Der Autoclub nehme die aktuelle Kritik sehr ernst - "auch wenn diese manchmal sehr pauschal war". Oberstes Gebot sei jetzt, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

Überstürzte Handlungen werde es nicht geben
Reformen im Hauruck-Verfahren plane man nicht: "Für diesen Prozess brauchen und nehmen wir uns die erforderliche Zeit, Gründlichkeit, Sorgfalt und sicherlich auch externen Rat, um auf die berechtigten Kritikpunkte der öffentlichen Diskussion angemessen zu reagieren."

Hintergrund ist der Skandal um geschönte Zahlen beim ADAC-Mitgliederpreis "Lieblingsauto der Deutschen". Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte eingeräumt, die Zahlen frisiert zu haben und seine Ämter beim Autoclub niedergelegt. Die ADAC-"Motorwelt", deren Chefredakteur Ramstetter war, ist nach neuen Zahlen Deutschlands Zeitschrift mit den weitaus meisten Lesern. Nach der am Mittwoch veröffentlichten Media-Analyse kommt die "Motorwelt" auf eine Reichweite von 15,74 Millionen Menschen (ab 14 Jahre).

Kritiker fordern mehr Transparenz
Unmittelbar vor Meyers Erklärung hatte es weitere Forderungen aus der Politik nach mehr Transparenz beim ADAC gegeben. Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) forderte zudem Mindeststandards für Prüfverfahren. Er hoffe, dafür keine gesetzliche Regelung zu benötigen. "Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass man das mit den Organisationen auch unterhalb der Gesetzgebungsschwelle erreichen kann", sagte er im Deutschlandfunk.

Auch die politische Rolle des ADAC muss nach Ansicht des Vorsitzenden des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD), auf den Prüfstand stellen. In der vergangenen Wahlperiode sei der Club bei fünf Expertenanhörungen des Ausschusses dabei gewesen. "Da ist auch Vertrauen angeknackst." Er verwies darauf, dass der ADAC etwa für eine Freigabe des deutschen Fernbusmarkts eingetreten sei und nun zusammen mit der Post Fernbuslinien anbiete. "Da gibt es eine Verquickung. Das müssen wir uns politisch sicherlich anschauen, welchen Stellenwert er in Zukunft haben wird bei Anhörungen."

Die gefälschten Zahlen beim Autopreis "Gelber Engel" hätten viel Vertrauen in den ADAC zerstört. "Das Engelskostüm ist beschmutzt", sagte Burkert. "Ich kann nur bitten, dass der ADAC jetzt Wort hält und völlige Transparenz walten lässt."

Für die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn, sollte es mehr Aufsicht beim Automobilclub geben. "Der ADAC täte gut daran, die ehrenamtlichen Sachen wirklich zu trennen von denjenigen, wo sie wirtschaftlich von profitieren", sagte die Grünen-Politikerin in der Sendung "Das Duell bei n-tv".

Scharfe Kritik von Bosch
Auch aus der Autobranche gibt es weiter Kritik. Bosch-Chef Volkmar Denner warf dem Club einen schlechten Umgang mit den Manipulationen beim "Gelben Engel" vor. "Ich war enttäuscht, muss ich ganz ehrlich sagen. Zutiefst enttäuscht", sagte Denner am Dienstagabend vor Journalisten in Stuttgart. "Wahrscheinlich wäre es das Richtige gewesen, die Preisverleihung einfach zu verschieben." Der ADAC hatte die Manipulationsvorwürfe zunächst vehement zurückgewiesen.

Bosch war vom ADAC mit einem "Gelben Engel" in der Kategorie "Innovation und Umwelt" für eine Motorrad-Stabilitätskontrolle ausgezeichnet werden. Die Auszeichnung an sich stellt der Technikkonzern nicht infrage.

Seiner Führungsspitze zahlt der ADAC jährlich insgesamt rund 1,6 Millionen Euro. Einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung bestätigte der ADAC am Mittwoch auf Anfrage. Laut ADAC fließen davon rund 336.000 Euro als Aufwandsentschädigung an die Mitglieder des Präsidiums. Die acht Männer erhalten demnach pro Monat im Durchschnitt 3.500 Euro. Die übrigen knapp 1,3 Millionen Euro bekommen die vier Geschäftsführer des ADAC, die als Manager Verein und Konzern mit rund 8.600 Mitarbeitern wirtschaftlich führen. Im Schnitt verdient ein Geschäftsführer damit rund 319.000 Euro pro Jahr.

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