Serienversion vorgestellt

Cooper SE: Elektro-Mini ist ziemlich günstig

10.07.2019

Während Modelle der Briten normalerweise teuer sind, ist der Stromer fast schon ein Schnäppchen. 

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© Mini / BMW Group
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Kurz nachdem Mini mit den Facelift-Versionen von John Cooper Works (JCW) Clubman und Countryman  die stärksten Modelle der Marken-Geschichte vorgestellt hat, wurde nun endlich auch der mit Spannung erwartete Elektro-Mini präsentiert. Dessen Studie „Electric Concept “ geistert ja schon seit einigen Jahren auf diversen Automessen herum. Doch nun haben die Briten die Serienversion namens Cooper SE enthüllt. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten hat die BMW-Tochter auch schon den Preis und den genauen Starttermin verraten. Mit dem 2017 eingeführten Cooper S E Countryman ALL4 (Plug-in-Hybrid) hatte Mini bisher nur ein elektrifiziertes Auto im Angebot.

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Design

Optisch nimmt der neue Cooper SE zwar Anleihen an der Studie, wirkt insgesamt aber dennoch überraschend normal. Viele Verkehrsteilnehmern wird es wohl gar nicht auffallen, dass es sich dabei um ein reines Elektroauto handelt. Ähnlich machen es auch Opel beim Corsa-e  und Peugeot beim e-208 . VW geht beim bewusst futuristisch designten ID.3  hingegen einen anderen Weg. Zu den Haupterkennungsmerkmalen des Elektro-Mini zählen die diversen, in Gelb ausgeführten Elektro-Logos. Sie finden sich in den Side Scuttles (Einleger der seitlichen Blinkleuchten), an der Heckklappe und am Kühlergrill. Letzterer weist auch beim Cooper SE die markentypische hexagonale Kontur auf, ist jedoch geschlossen. Ein gelber Ziersteg auf dem Grill und die im gleichen Farbton lackierten Außenspiegelkappen komplettieren das modellspezifische Design. LED-Scheinwerfer zählen zur Serienausstattung. Der Ladeanschluss befindet sich oberhalb des rechten Hinterrads und damit exakt dort, wo bei den Verbrennermodellen der Tankstutzen seinen Platz hat. Ein echter Hingucker sind die optionalen 17 Zoll großen und in einem asymmetrischen Design gehaltenen Leichtmetallräder. Die spezifisch gestaltete Heckschürze soll den Luftwiderstand reduzieren. Einen Auspuff gibt es freilich nicht. Da die Batterien T-förmig im Unterboden verbaut sind, es sich jedoch um keine eigens entwickelte E-Plattform handelt, wurde der Elektro-Mini um 18 mm höher gelegt. Die Höherlegung wird durch weiter heruntergezogene Seitenschweller jedoch kaschiert. Die weiteren Abmessungen und das Platzangebot entsprechen der herkömmlichen dreitürigen Variante. Auch das Kofferraumvolumen beträgt – wie beim 3-Türer mit Verbrennungsmotor – 211 Liter und wächst nach dem Umklappen der Fondsitzlehnen auf bis zu 731 Liter.

Antrieb und Reichweite

Dreh- und Angelpunkt eines Elektroautos sind natürlich der Antrieb und der Akku. Hier treffen wir beim Cooper SE auf alte Bekannte. Der Motor wird nämlich eins zu eins aus dem Konzernbruder BMW i3s  übernommen. Beim Elektro-Mini steckt der Motor jedoch unter der Fronthaube und treibt auch die Vorderachse an (i3/i3s: Heckantrieb). Die E-Maschine bietet eine Höchstleistung von 135 kW (184 PS) und ein maximales Drehmoment von 270 Nm. Die Kraftübertragung erfolgt über ein einstufig ausgelegtes Getriebe mit integriertem Differenzial. So gerüstet, stürmt der immerhin 1.365 Kilogramm schwere Cooper SE in 7,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bei Ampelstarts dürfte der Elektro-Mini die Nase fast immer vorne haben: Für den Spurt aus dem Stand auf 60 km/h benötigt er nämlich nur 3,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird zu Gunsten der Reichweite auf 150 km/h limitiert. Die Hochvoltbatterie besteht aus Lithium-Ionen-Zellen und bietet einen Brutto-Energiegehalt von 32,6 kWh. Mini verspricht eine realistische Reichweite von 235 bis 270 Kilometern. Der Energieverbrauch wird mit 15,0 bis 13,2 kWh pro 100 km angegeben. Die Beheizung des Innenraums erfolgt serienmäßig mithilfe einer Wärmepumpe. Geladen wird wahlweise über herkömmliche Haushaltssteckdosen, an einer Wallbox oder an  öffentlichen Ladestationen. Der Ladeanschluss ist für das Wechselstrom- und das Gleichstrom-Laden (Typ 2 und CCS Combo 2) konzipiert. An einer Wallbox mit einer maximalen Leistung von 11 kW lässt sich der Akku innerhalb von zweieinhalb Stunden zu 80 Prozent und innerhalb von dreieinhalb Stunden zu 100 Prozent aufladen. Das Ladegerät des Cooper SE ist bei Gleichstrom auf eine maximale Ladeleistung von 50 kW ausgerichtet, sodass die 80-Prozent-Ladung an einer Schnellladesäule in 35 Minuten absolviert werden kann.

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Fahrdynamik und Rekuperation

Der Elektro-Mini ist das erste elektrifizierte Modell des BMW-Konzerns, in dem der Fahrer den Wirkungsgrad der Rekuperation beeinflussen kann. Das geschieht über einen Schalter neben dem (gelben) Start-Stopp-Knopf in der "Toggle"-Leiste unterhalb des großen Rundinstruments. Auf höchster Stufe kann das Auto dabei mit nur einem Pedal (One-Pedal-Drive) gefahren werden. Vor allem im Stadtverkehr wird, sobald der Fahrer den Fuß vom Fahrpedal nimmt, eine spürbare Verzögerung des Fahrzeugs ausgelöst. Der Umfang, in dem in Schubphasen Bremsenergie zurückgewonnen und gleichzeitig das Fahrzeug verzögert wird, lässt sich über den Schalter jederzeit anpassen. Ein Mini muss einfach Fahrspaß bereiten. Da darf auch die elektrische Variante - trotz höherem Gewicht und Höherlegung – keine Ausnahme machen. Die Briten versprechen jedenfalls auch für den Cooper SE das legendäre Gokart-Feeling. Dafür sollen vor allem die bessere Gewichtsverteilung (53:47) sowie der um mindestens 30 Millimeter tiefere Schwerpunkt sorgen. Beide Eigenschaften resultieren aus der Unterbringung der Batterie. Das spezifisch abgestimmte Fahrwerk, die präzise Lenkung sowie die für den Elektroantrieb abgestimmte Antriebsschlupfregelung sollen den Cooper SE zum agilen Kurvenräuber machen. Im Elektro-Mini stehen dem Fahrer vier Modi (Sport, MID, Green und Green+) zur Auswahl. Während im Sport-Modus das gesamte Fahrzeug auf Angriff ausgelegt ist, werden bei Green+ neben einer gedrosselten Leistung sogar Komfortfunktionen wie Heizung, Klimatisierung und Sitzheizung eingeschränkt beziehungsweise deaktiviert, um die Reichweite zu erhöhen.

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Innenraum

Während sich die Änderungen beim Exterieur in Grenzen halten, gibt es im Cockpit eine wirklich große  Neuheit. Zwar bleibt auch hier das grundlegende Layout erhalten, hinter dem Lenkrad sitzt jedoch erstmals in einem Modell der Marke ein digitales Kombiinstrument. Dabei handelt es sich um ein 5,5 Zoll großes Farbdisplay. In dessen Zentrum wird die Fahrgeschwindigkeit in Ziffernform sowie mit einem umlaufenden Skalenband dargestellt. Das Geschwindigkeitsband wird parallel dazu auch im Lichtring des bekannten Zentralinstruments angezeigt – je nach Fahrmodus in Rot (Sport), Weiß (MID) oder Grün (Green/+). Weitere digitale Anzeigen im Instrumentenkombi informieren über den Ladezustand, den aktuellen Fahrmodus, den Status der Fahrerassistenzsysteme und Check-Control-Meldungen. Außerdem werden Angaben über die verfügbare Reichweite, die aktuelle Antriebsleistung, die Außentemperatur, die Uhrzeit, Verkehrszeichen und Hinweise des Navigationssystems angezeigt. Zu den weiteren Besonderheiten im Innenraum gehört der modellspezifische Getriebewählhebel auf der Mittelkonsole, diverse gelbe Zierelemente sowie eine elektrische Parkbremse, die mit einer Taste auf der Mittelkonsole aktiviert wird.

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Ausstattung und Vernetzung

Während bei Mini normalerweise so gut wie jedes noch so kleine Komfortdetail extra kostet, fällt die Serienausstattung des Cooper SE richtig üppig aus. Zur Serienausstattung gehören u.a. eine 2-Zonen-Klimaautomatik inklusive Standheizungs- und Standklimatisierungsfunktion (auch per App aktivierbar), ein vernetztes Navigationssystem mit 6,5 Zoll Touchscreen und Services von MINI Connected. Auf der Navigationskarte kann ein Reichweitenkreis dargestellt werden, der den vom jeweiligen Batterieladezustand abhängigen Aktionsradius des Cooper SE aufzeigt. Über den Touchscreen im runden Zentralelement können auch Verkehrsdaten in Echtzeit, das Internet-Portal (MINI Online) und die Smartphone-Integration via Apple CarPlay genutzt werden. Außerdem werden über die Mobilfunkverbindung Navigationskarten-Updates automatisch ins Fahrzeug übertragen. Die ebenfalls serienmäßigen Remote Services ermöglichen es dem Fahrer, sich über die Connected App auf seinem Smartphone Infos über den Batterieladezustand und die Reichweite des Fahrzeugs anzeigen zu lassen. Ebenso ist eine Kartenansicht abrufbar, in der auch öffentliche Ladestationen im Umkreis des Fahrzeugs dargestellt werden. Darüber hinaus lassen sich nicht nur Lichthupe, Fernhupe sowie das Ver- und Entriegeln der Türen, sondern auch die Vorkonditionierung des Innenraums aus der Ferne aktivieren. Die optionale Ausstattung Connected Navigation Plus beinhaltet zusätzlich ein 8,8 Zoll großes Touch-Display und eine induktive Ladeschale zum kabellosen Aufladen des Mobiltelefons.

Wie alle Mini-Modelle lässt sich auch der Cooper SE stark personalisieren. Das gilt sowohl für das Exterieur wie auch für das Interieur. So gibt es neben den Paketen Salt, Pepper und Chili auch die Ausstattungspakete Trim S, Trim M, Trim L und Trim XL.

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Verfügbarkeit und Preis

Bis zum Marktstart des ersten Elektro-Mini dauert es zwar noch etwas, doch zumindest nennen die Briten einen konkreten Termin. Andere Hersteller sprechen bei ihren kommenden Elektroautos hingegen häufig nur von Anfang oder Mitte 2020, was natürlich großen Spielraum bietet. Die Markteinführung des Cooper SE soll hingegen genau am 7. März 2020 erfolgen. Und auch beim Preis macht Mini eine rühmliche Ausnahme. Statt zu sagen, der Stromer wird ab rund 30.000 Euro zu haben sein, gibt es hier den exakten Einstiegspreis: Los geht es ab 32.950 Euro. Das ist für ein kleines Auto zwar viel Geld, doch bei näherer Betrachtung und mit Blick zur Konkurrenz relativiert sich das Ganze ziemlich schnell. Zum Vergleich: der dreitürige Cooper S mit 192 PS Benziner und Doppelkupplungsgetriebe kostet mindestens 29.425 Euro – ohne Navi, 2-Zonen-Klima & Co. Doch der Cooper SE ist nicht nur im eigenen Stall vergleichsweise günstig. Auch Opel, VW, Renault (ZOE ) oder Peugeot verlangen für ihre teils deutlich schwächeren Stromer mindestens 30.000 Euro. Dafür beträgt bei ihnen die Reichweite aber um die 330 km. Härtester Mini-Gegner dürfte jedoch der ebenfalls auf Lifestyle getrimmte Honda e  werden, der 150 PS leistet und „nur“ rund 200 km Reichweite bietet. Auch der Nippon-Stromer wird über 30.000 Euro kosten. BMW verkauft den i3s, der über den selben 184 PS Elektromotor wie der Cooper SE verfügt, übrigens ab knapp 44.000 Euro. Bei einem Mehrpreis von 11.000 Euro dürften dann doch viele Interessenten ins Grübeln kommen.

Alle Infos zu den Mini-Modellen finden Sie in unserem Marken-Channel.

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