Paukenschlag

VW nimmt Audi von der Börse

02.03.2020

Kann so der Slogan "Vorsprung durch Technik" wieder erreicht werden?

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© Getty Images/Robert Hradil
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Volkswagen  vereinfacht seine Konzernstrukturen. Die Oberklasse-Tochter  Audi  und der Münchner Nutzfahrzeug-Hersteller MAN sollen nach Jahrzehnten von der Börse genommen werden, wie der Autobauer beschloss. Während Audi als eigenständige Aktiengesellschaft bestehen bleibt, soll der Traditionskonzern MAN in der Holding Traton aufgehen. Audi soll aber unter dem neuen Chef Markus Duesmann  enger in den Konzern eingebunden werden. Die Abfindung der Kleinaktionäre von Audi und MAN lässt sich der Wolfsburger Konzern voraussichtlich mehr als 400 Millionen Euro kosten.

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"Vorsprung durch Technik" 

Mit dem Rückzug von Audi von der Börse stärkt Volkswagen-Chef Herbert Diess die Rolle seines neuen Forschungs- und Entwicklungschefs Markus Duesmann. Er soll den bekannten Audi-Slogan "Vorsprung durch Technik" wieder mit Leben erfüllen. Die Ingolstädter Tochter, die der Ex-BMW-Manager Duesmann ab April führt, soll künftig auch für die anderen Marken im Konzern entwickeln. "Angesichts der hohen Veränderungsdynamik in der Industrie bündeln wir unsere Kräfte im Konzern und stellen uns wettbewerbsfähig für die Zukunft auf", sagte Diess, der auch Aufsichtsratschef von Audi ist.

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MAN-Schritt erwartet

Mit Volkswagen, Traton und MAN sind im Nutzfahrzeug-Geschäft bisher Mutter-, Tochter und Enkelgesellschaft börsennotiert. Die Bereinigung hatten Experten bereits im Zuge des Börsengangs von Traton im vergangenen Sommer erwartet. "Entfällt die MAN SE als Zwischenholding, kann Traton die Gesamtkonzernstruktur effizienter gestalten und Entscheidungen schneller umsetzen", begründete die Holding für die Lkw- und Bus-Marken MAN, Scania und VW den Schritt. "Zudem kann der Verwaltungsaufwand verringert werden." So spart sich Volkswagen bei MAN und Audi die jährliche öffentliche Hauptversammlung. Die ehemalige MAN-Großdieselmotoren-Tochter Renk hatte VW vor kurzem an den Finanzinvestor Triton verkauft. Auch der von den Familien Porsche und Piech beherrschte VW-Großaktionär Porsche SE ist an der Börse.

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Zwangsabfindung

An der MAN SE hält Traton bereits 94,4 Prozent der Anteile. Die restlichen Aktionäre sollen zwangsweise abgefunden werden (Squeeze-Out). Mit einem Anteil von mehr als 90 Prozent hat die Holding das Recht dazu. Wie viel die Kleinaktionäre bekommen, richtet sich nach dem Durchschnittskurs der vergangenen Monate an der Börse. Zum Schlusskurs vom Freitag sind ihre Anteile zusammen knapp 300 Millionen Euro wert. An der Audi AG gehören Volkswagen 99,64 Prozent. Die übrigen Anteile liegen vor allem bei Spekulanten, die auf eine lukrative Abfindung gesetzt haben. VW will auch sie nun gegen eine Zwangsabfindung hinausdrängen. Formal beschließen muss das die Audi-Hauptversammlung, die auf Juli oder August verschoben wurde.

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