Nach dem Lebensmittelgipfel:

Billa-Chef Haraszti wirft Regierung Rufschädigung vor

25.05.2023

Billa-Chef Marcel Haraszti platzt nach dem Lebensmittelgipfel der Bundesregierung der Kragen.

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© APA/GEORG HOCHMUTH
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Wien. Marcel Haraszti, der CEO des Rewe-International-Konzerns (Billa, Billa- Plus, Bipa, Penny, Adeg), übt im am Freitag erscheinenden Wirtschaftsmagazin "trend" harte Kritik an der Vorgehensweise der Bundesregierung. Die hatte den Lebensmittelhandel als einen der Preistreiber in eine Reihe mit den Energieunternehmen gestellt.

Haraszti: "Wir sind sehr ernüchtert, dass so ein politischer Populismus in Österreich möglich ist. Er ist rufschädigend und inhaltlich schlicht falsch. Wir sind weder raffgierig noch Abzocker, im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) arbeiten wir mit Margen von 0,5 bis 2 Prozent – man muss im Handel zwischen Umsatz und Gewinn unterscheiden." Die angedachte Transparenzmaßnahme, ähnlich wie in Frankreich Einkaufspreise zu veröffentlichen, hält er für "Schattenboxen, eine aktionistische Maßnahme, die genau nichts bringen wird".

Den Vorwurf eines besonderen Oligopols im Lebensmittelhandel wiederum bezeichnet er als "Unsinn". Schweiz oder Norwegen, Finnland, Belgien, Schweden oder Dänemark sind bezüglich der Konzentration im LEH durchaus mit Österreich vergleichbar.

Haraszti: Hoher Anteil heimischer Lebensmittel 

Haraszti verweist auf den hohen Anteil heimischer Lebensmittel im Sortiment und warnt vor mehr Importware. "Bemerkenswert finde ich, wie Landwirtschaftsfunktionäre die Supermärkte wegen mangelndem Wettbewerb kritisieren. Wir können gerne noch mehr Preiswettbewerb machen, aber das ginge nur mit ausländischen Produkten. Das will niemand und wir als Billa schon gar nicht", sagt er im Gespräch mit "trend".

Grundsätzlich sei der Preisunterschied zu Deutschland durch die Rahmenbedingungen fixiert: "Deutschland etwa hat nur sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel, Österreich zehn. Der Aktionsanteil liegt in Deutschland bei 10 bis 15 Prozent, in Österreich durchschnittlich bei 30 bis 40 Prozent. Wir haben eine viel ländlichere Filialstruktur als in Deutschland, wo es mehr Ballungszentren gibt. Unsere Lohnkosten sind hier bei einem flächendeckenden Kollektivvertrag viel höher. In Deutschland gilt gerade einmal für ein Viertel der Mitarbeiter im Handel ein freiwilliger Tarifvertrag."

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