Trotz Export-Verbot
EU-Autos gelangen über China nach Russland
12.02.2026Trotz Sanktionen gelangen Zehntausende Fahrzeuge westlicher und asiatischer Hersteller nach Russland.
Sie werden aus China exportiert, das sich dabei zur Drehscheibe für diesen "Graumarkt" entwickelt, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Zulassungsdaten und Insider herausgefunden hat.
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Ein blühender Handel mit diesen Fahrzeugen - von Toyota bis hin zu deutschen Luxusmodellen - existiert, teilweise über Netzwerke, über die russische Händler sie über chinesische Zwischenhändler bestellen können, wie die Aussagen von Insidern und Daten des russischen Analysehauses Autostat zeigen.
"So ist der Export einfacher"
Ein zentraler Mechanismus zur Umgehung der Exportverbote ist die Umdeklarierung von Neuwagen und ihr Export als "Gebrauchtwagen" mit null Kilometern Laufleistung. Über dieses Vorgehen hatte Reuters bereits im vergangenen Jahr berichtet. Durch die Zulassung in China können die Autoproduzenten und Händler ihre Verkaufszahlen nach oben treiben und Subventionen kassieren. Zudem müssen Händler, die Autos ausländischer Marken von China nach Russland exportieren, bei Gebrauchtwagen keine Genehmigung der Hersteller für Verkäufe nach Russland einholen, sagte Zhang Ai Jun, früher Exporteurin bei einem Autohändler in Sichuan. "So ist der Export einfacher."
In Russland werden für diese Autos Preise auf Neuwagen-Niveau gezahlt, wie ein russischer Händler sagte und wie Dokumente, die Reuters einsehen konnte, zeigen. Dmitry Zazulin, Verkaufsleiter des Moskauer Autohauses Panavto-Zapad, sagte, viele Kunden wollten ausschließlich Autos westlicher Marken wie Mercedes fahren. "Wir können sie derzeit jedoch nur über parallele Kanäle einführen."
Hersteller: Gehen gegen unerlaubte Exporte vor
Mercedes-Benz, BMW, Volkswagen und andere Hersteller teilten mit, Verkäufe nach Russland zu verbieten und gegen unerlaubte Exporte vorzugehen. Verstöße aufzuklären sei aber schwierig. Dies sei "zeitaufwendig und komplex", teilte Mercedes mit. BMW erklärte, man habe den chinesischen Einzelhandel angewiesen, Exporte nach Russland strikt zu unterbinden. Sollten dennoch Fahrzeuge als Graumarkt-Importe nach Russland gelangen, geschehe dies "außerhalb unseres Einflussbereichs und ausdrücklich gegen unseren Willen". Ein russischer Händler aus Wladiwostok sagte Reuters, seine Firma habe die Autos nicht vorrätig, kaufe sie aber auf Wunsch von Kunden über Mittelsmänner einzeln ein.
Das deutsche Wirtschaftsministerium in Berlin erklärte, der Zoll gehe Hinweisen auf Sanktionsverstöße regelmäßig nach. Japan verwies ebenfalls auf Exportkontrollen. Das südkoreanische Handelsministerium teilte mit, es gehe gegen indirekte Exporte von Gebrauchtwagen nach Russland vor. Die Sanktionen der EU, der USA, von Südkorea und Japan gegen Russland wegen dessen Angriff auf die Ukraine verbieten in der Regel den Verkauf von Autos über einer bestimmten Preisgrenze, Fahrzeugen mit großem Hubraum sowie Elektroautos und Hybriden nach Russland. Die Autokonzerne sagten zudem zu, ihr Russland-Geschäft einzustellen oder stark einzuschränken.
Mehr Autos westlicher Marken aus China in Russland
Die Daten von Autostat zeigen, dass sich die Zahl der in China gebauten Fahrzeuge westlicher, japanischer und südkoreanischer Marken in Russland seit 2023 mehr als verdoppelt hat. Sie machen fast die Hälfte der knapp 130.000 Fahrzeuge aus, die dort 2025 von Herstellern aus Ländern mit Sanktionen gegen Russland verkauft wurden. Toyota war im vergangenen Jahr nach chinesischen Marken die meistverkaufte ausländische Marke in Russland. Den Daten zufolge wurden fast 30.000 Toyotas gekauft, fast 24.000 davon wurden in China hergestellt. Der Konzern erklärte, keine Neuwagen nach Russland zu exportieren. Sebastiaan Bennink, Sanktionsexperte der Anwaltskanzlei Bennink Dunin-Wasowicz, sagte, es gebe so viele Möglichkeiten zur Umgehung der Handelsbeschränkungen, dass es "fast unmöglich" sei, zu verhindern, dass bestimmte Autos in Russland landeten.
Auch deutsche Autos sind begehrt: Von fast 47.000 neu zugelassenen Fahrzeugen der Konzerne BMW, Mercedes und Volkswagen in Russland stammen den Autostat-Daten zufolge mehr als 20.000 aus chinesischer Produktion. Der Rest wurde in Europa gefertigt, gelangte aber laut Analysten und einem Insider wahrscheinlich über China nach Russland. Ein beliebtes Modell bei der russischen Elite ist die Mercedes G-Klasse, die in Österreich gebaut wird und für rund 120.000 Euro verkauft werden kann, wie Felipe Munoz von der Researchfirma Car Industry Analysis sagte. Frachtpapiere, die Reuters einsehen konnte, belegten zudem den Transport von Modellen wie dem Mercedes GLC 300 und dem BMW X1 von China nach Russland. Angesichts des wachsenden Autohandels zwischen Russland und China liege der Schluss nahe, dass viele aus Deutschland nach China importierte Autos letztlich in Russland landeten, sagte Munoz.