Kostet 716 Euro!
Große Mehrheit gegen Griechen-Hilfe
Kein Tag ohne Hiobsbotschaft zu den Pleite-Griechen: Weil die Finanzkrise größer als angenommen ist, wird die österreichische Hilfe aufgestockt: Am Donnerstag hat die Österreichische Nationalbank vier Milliarden Euro Hilfe zugesagt, die in den IWF-Notfallfonds fließt.
Bereits Mittwochabend hat Finanzminister Josef Pröll angekündigt, dass die Hilfe durch die Regierung – und damit durch den Steuerzahler – mehr als 2 Mrd. Euro betragen soll. Insgesamt macht Österreich also sechs Milliarden für die Pleite-Griechen locker – pro Österreicher sind das 716 Euro!
Ob das Geld jemals zurückfließt, ist unklar.
Fakt ist: Das beliebte Urlaubsland steht mittlerweile mit 300 Milliarden Euro in der Kreide, bis 19. Mai sind 8,5 Mrd. Euro für Staatsanleihen nötig. Und: Laut griechischen Schuldneragenturen sind bis 2012 für 33 fällige Staatsanleihen insgesamt 140 Mrd. Euro nötig.
Das heißt: Die Soforthilfe von 45 Mrd. Euro, die der Internationale Währungsfonds und die 16 Euroländer aufbringen wollen, reicht bei Weitem nicht aus.
„Auch nach Hilfe werden Griechen Schulden haben“
Die Befürchtung in Europa ist groß, dass Griechenland trotz der schnellen Finanzspritze Griechenland sein Finanzfiasko wegen Korruption, Bestechungsgeldern und Steuerhinterziehung nicht in den Griff bekommt.
Investmentbanker Wilhelm Hemetsberger von der Ithuba Capital: „Auch nach der Soforthilfe wird die Staatsverschuldung enorm hoch sein.“
Denn zu den Krediten durch die Euroländer kämen laut von Ökonomen Zinsen in der Höhe von 30 Mrd. Euro pro Jahr auf Griechenland zu. Das Land muss über Jahre hinweg ein Fünftel der gesamten Wirtschaftsleistung nur für den Schuldnerdienst ausgeben – ein Fass ohne Boden!
Das sorgt jetzt für einen handfesten Politstreit: FPÖ und BZÖ fordern sogar, dass Griechenland aus der Eurozone geschmissen wird.
Nächste Woche soll es im Parlament eine Sondersitzung dazu geben. Pröll verteidigt die Hilfe: Nur so könne ein Dominoeffekt auf andere Länder wie Portugal, Italien oder Spanien verhindert werden.
Die EU und der IWF verlangen von den Griechen einen harten Sparkurs. Details zu den Bedingungen für die Soforthilfe stehen in den nächsten Tagen. Erste Maßnahmen sind bekannt: Es geht um die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 23 Prozent (von 21 %), höhere Steuern auf Tabak, Alkohol und Sprit und kein 13. und 14. Gehalt im Staatsdienst …
Umfrage: Kein Geld für Griechen
Keine Unterstützung für Regierungshilfe: Am größten ist die Ablehnung bei Frauen, FPÖ-Wählern, Bürgern unter 30 Jahren und in Wien.
Wien. Das Ergebnis der Gallup-Umfrage für ÖSTERREICH ist eindeutig: Nur 29 % der Befragten sprechen sich für eine finanzielle Hilfe für Griechenland durch Österreich aus – 58 % sind dagegen.
Wichtige Info: Es wurde abgefragt, ob Österreich die Griechen mit 858 Mio. Euro unterstützen soll. Weil jetzt bekannt ist, dass die Regierung bis zu 2 Mrd. Euro beisteuern will und die Nationalbank sogar 4 Mrd. Euro lockermacht, dürfte die Ablehnung der Österreicher wohl noch viel größer sein.
Mehr Frauen dagegen. Die Details der Umfrage überraschen: Bei der Aufteilung nach Geschlechtern sind vor allem die Frauen gegen die Finanzspritze – insgesamt 62 % haben mit „Nein“ geantwortet. Bei den Männern ist das Verhältnis „Befürworter“ und „Gegner“ ausgeglichener: 40 % sind für die Finanzhilfe, 53 % sind dagegen.
Interessant auch die Aufschlüsselung nach Parteipräferenz: Die meisten Befürworter findet die Hilfe unter den SPÖ-Wählern (42 % dafür), die größte Ablehnung verspüren FPÖ-Wähler (79 % sind dagegen) – siehe Grafik rechts.
Besonders auffallend: Bei den Altersgruppen sind es die Jungen unter 30 Jahre, die am deutlichsten dagegen sind. 65 Prozent sagen: „Keine Griechen-Hilfe!“ Immerhin: Auch 64 % der unter 50-Jährigen können sich ein österreichisches Hilfspaket nicht vorstellen.
Deutschland. In Deutschland gibt es zwei Umfragen zu dem Thema. Demnach lehnen dort –fast wie in Österreich – 57 % eine Hilfe für Griechenland ab. Nach der aktuelleren Befragung sind 53 % dafür – aber nur wenn sich auch die Banken beteiligen.