Wegen Iran-Krieg
Kommt jetzt neuer Zins-Hammer?
11.03.2026Angesichts der mit dem Iran-Krieg einhergehenden Inflationsgefahr verstärken sich die Spekulationen auf eine EZB-Zinserhöhung im Sommer.
Spitzenvertreter der Europäischen Zentralbank betonten unisono, dass sie die Inflation in Schach halten werden. Deutsche-Bundesbank-Chef Joachim Nagel machte am Mittwoch gegenüber Reuters klar, dass die EZB auf der Hut ist.
"Sollte sich abzeichnen, dass sich die derzeitigen Energiepreisanstiege in der mittleren Frist in eine breite Verbraucherpreisinflation übersetzen, wird der EZB-Rat rechtzeitig entschlossen handeln", betonte Nagel.
Laut EZB-Vizechef Luis de Guindos geht es nun darum, mit einem "kühlen Kopf" in die nächste Woche anstehende Zinssitzung zu gehen. Die Marktvolatilität könne die wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahostkonflikts verstärken. Der Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf die Inflation könnten die EZB laut Ratsmitglied Peter Kazimir zu einer früheren Zinserhöhung zwingen als erwartet.
Kein Handlungsbedarf nächste Woche
Zwar befinde sie sich weiterhin in einer guten Lage. Und es bestehe auch kein Handlungsbedarf bei der nächsten Sitzung, sagte Kazimir gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Doch der Slowake befürchtet, dass die Erinnerung an den Inflationsschock von 2022 die Hemmschwelle für Preiserhöhungen bei Unternehmen und höhere Lohnforderungen bei Verbrauchern gesenkt habe. An den Geldmärkten wird eine Zinserhöhung im Sommer für wahrscheinlich gehalten.
EZB-Chefin Christine Lagarde versprach, alles Nötige zu tun, um die Inflation im Zaum zu halten. Die EZB werde sicherstellen, dass die Franzosen und die Europäer keine Inflationsanstiege wie 2022 und 2023 erlebten. Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern ist noch das Jahr 2022 in schlechter Erinnerung, als die russische Invasion in der Ukraine einen Energiepreisschock und einen Inflationsschub auslöste. Die EZB stand damals in der Kritik, sie habe die Entwicklung zu spät erkannt. Die Finanzmärkte wetten darauf, dass die EZB bei höherer Inflation weniger geduldig sein wird als in der Vergangenheit. An den Geldmärkten wird eine Zinserhöhung im Sommer für wahrscheinlich gehalten.
Freigabe von Ölreserven kein Allheilmittel
Die EZB hat den Leitzins angesichts gesunkener Inflationsgefahr von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten auf 2,0 Prozent halbiert und pausiert seither. Mit Ausbruch des Iran-Krieges ist ein kräftiger Ölpreisanstieg in Gang gekommen, der neue Inflationssorgen auslöste. Die Internationale Energieagentur (IEA) bereitet nach Informationen von Reuters die Freigabe von bis zu 400 Millionen Barrel Erdöl und Öl-Produkten aus nationalen Sicherheitsreserven vor. Dies dürfte zu einer Entspannung an den Märkten beitragen.
Laut dem Ökonomen Marcel Fratzscher ist dies aber kein Allheilmittel. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte in Berlin, die globalen Reserven könnten nur wenige Wochen kompensieren, in denen die Öllieferungen wegen der Sperrung der Straße von Hormuz ausfielen. Insofern dürfe man keine falschen Erwartungen haben, es werde dadurch allein keine dauerhafte Stabilisierung der Märkte geben.
EZB-Prognosen deutlich komplexer
Laut EZB-Vizechef de Guindos ist das Prognostizieren von Inflation und Wachstum angesichts der starken Energiepreisschwankungen derzeit deutlich komplexer als üblich. Man müsse mit verschiedenen Szenarien arbeiten. Die nächsten makroökonomischen Projektionen der EZB-Fachleute stehen mit dem Zinsentscheid am 19. März an. Die Marktvolatilität könne die wirtschaftlichen Auswirkungen des Nahostkonflikts verstärken, erklärte de Guindos: "Eine Verstärkung der Schockwirkung eines Energieschocks kann eintreten und zu noch stärkeren Auswirkungen auf die Wirtschaft führen."
Die EZB strebt auf mittlere Frist eine Inflationsrate im Euroraum von 2,0 Prozent an, die ihr als ideal für die Konjunktur gilt. Die Preise im Euroraum haben bereits vor dem Nahost-Krieg angezogen. Die Inflationsrate stieg im Februar auf 1,9 Prozent, nach 1,7 Prozent im Jänner.